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Allergien: Vorsicht im Straßenverkehr

Was Allergiker über die Teilnahme am Straßenverkehr wissen müssen

Frühlingszeit ist Pollenzeit. Darunter leiden viele Menschen mit einer Pollenallergie. Einige müssen Medikamente einnehmen, die sich auch auf ihre Fahrtauglichkeit auswirken können. Dr. Renate Zunft, Medizinische Referentin beim TÜV Nord und Vorsitzende des DVR-Vorstandsausschusses Verkehrsmedizin informiert im Interview über Risiken und Nebenwirkungen der Antiallergika.

Die Pollen fliegen wieder. Welche Auswirkung kann das auf die Fahrtüchtigkeit haben?

Dr. Renate Zunft (R.Z.).: Pollen selbst haben eine geringe Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit. Allerdings kann es in Extremfällen zu Niesattacken oder laufenden Augen kommen. Das ist unangenehm und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit natürlich.

Manche Allergiker sind gezwungen Medikamente zu nehmen. Wie wirken sie auf die Fahrtüchtigkeit?

R.Z.: In erster Linie werden klassische Antiallergika eingenommen. Diese Medikamente können müde machen, neuere Medikamente weniger als ältere. Aber sie machen dennoch müde, beeinträchtigen die Konzentration und das wirkt sich negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus.

Häufig verschrieben werden auch cortisonhaltige Präparate, meist zum Inhalieren. Sie beeinflussen die Fahrtüchtigkeit jedoch nicht. Das gilt auch für Cortison-Tabletten.

Und dann gibt es noch Medikamente, die die Bronchien weiten sollen. Sie können zu Herzrasen oder schnellem Puls führen. Hier sollte man abwarten, bis sich ein Gewöhnungseffekt eingestellt hat.

Was kann helfen, die Auswirkungen der Medikamente auf die Fahrtüchtigkeit gering zu halten?

R.Z.: Wer Antiallergika in Tablettenform einnimmt, sollte das abends direkt vor dem Schlafengehen tun. Dadurch verschläft man quasi die extreme Müdigkeitswirkung des Medikaments und kann am nächsten Morgen auch mit dem Auto fahren. Letztlich ist aber jede und jeder Allergiker gefordert, eigenverantwortlich zu handeln. Wer sich sicher hinterm Steuer müde fühlt, sollte nicht mit dem Auto fahren.

Gerade in Städten steigen aktuell viele Menschen vom ÖPNV aufs Rad um. Ist die Einnahme von Medikamenten auch bedenklich für Menschen, die Rad fahren?

R.Z.: Die Auswirkung ist in beiden Fällen identisch. Beim Radfahren kann sie möglicherweise durch die Bewegung beim Fahren abgemildert werden, denn Bewegung kurbelt den Kreislauf an und wirkt der Müdigkeit entgegen.

Manche Allergiker leiden unter Asthma. Angesichts der Covid-19-Erkrankung stellt sich einigen auch die Frage, ob cortisonhaltige Sprays die Lungenerkrankung fördern könnten, da sie ja das Immunsystem schwächen. Was raten Sie Asthmatikern?

R.Z.: Über Covid-19 gibt es nur sehr wenig Erkenntnisse, besonders in solchen Spezialfällen. Es gibt keine generelle Antwort. Grundsätzlich ist Asthmatikern zu empfehlen, die Medikamente einzunehmen, die der Arzt oder die Ärztin ihnen verordnet haben. Es ist sicherlich besser, eine bestehende Lungenerkrankung zu behandeln, anstatt die Medikation eigenmächtig abzusetzen. Wer unsicher ist, wie er sich verhalten soll, sollte in jedem Fall Rücksprache mit seiner Ärztin bzw. seinem Arzt halten.

Über Dr. Renate Zunft

Dr. Renate Zunft ist Medizinische Referentin beim Medizinisch-Psychologischen Institut der TÜV NORD Mobilität GmbH & Co. KG. Dort beschäftigt Sie sich vor allem mit Fragen zur Fahreignung aus medizinischer Sicht. Zuvor war sie seit 1993 als verkehrsmedizinische Gutachterin beim TÜV NORD tätig. Frau Dr. Zunft ist seit vielen Jahren Mitglied im Vorstandausschuss Verkehrsmedizin des DVR, seit Anfang 2018 dessen Vorsitzende.

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