Ohne Fahrerlaubnis im Firmenwagen? DVR kritisiert geplante Lockerung von Kontrollen
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© Daniela Stanek, DVR
Pressemitteilung
Berlin, 24. September 2026
Der Bundesrat berät am 25. September über den Entwurf eines Gesetzes zum Bürokratierückbau im Verkehrsbereich. Vorgesehen ist unter anderem eine Änderung der Halterpflichten bei der Überlassung von Kraftfahrzeugen an andere Personen. Aus der Pflicht, Fahrzeuge nur Personen mit gültiger Fahrerlaubnis zu überlassen, hat sich in der betrieblichen Praxis eine halbjährliche Führerscheinkontrolle etabliert. Nach der geplanten Neuregelung soll künftig eine Kontrolle grundsätzlich nur noch vor dem erstmaligen Führen eines Fahrzeugs sowie anschließend nur bei einem konkreten Anlass erforderlich sein.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) unterstützt das Ziel, unnötige Bürokratie abzubauen. Die Verkehrssicherheit darf dabei jedoch nicht auf der Strecke bleiben. „Die regelmäßige Führerscheinkontrolle ist ein bewährtes Schutzschild, das wir nicht leichtfertig aufgeben sollten“, betont DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Der Bundesrat sollte die geplante Aufweichung daher stoppen oder zumindest ein verbindliches Kontrollintervall gesetzlich verankern.“
Fahrten ohne Fahrerlaubnis aus Angst vor beruflichen Konsequenzen
Besonders bei Fahrerinnen und Fahrern, deren Arbeitsverhältnis unmittelbar vom Führen eines Kraftfahrzeugs abhängt, besteht ein starkes persönliches Motiv, Fahrverbote zu ignorieren. Diesen Zusammenhang bestätigt eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer aus dem Jahr 2025: 20 Prozent der Befragten, die ohne Fahrerlaubnis gefahren waren, nannten Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder andere berufliche Nachteile als Grund für ihr Verhalten. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden 2025 rund 111.000 Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis registriert. Das Fahren ohne Fahrerlaubnis ist damit kein Ausnahmefall, sondern ein relevantes Verkehrssicherheitsproblem. Vor diesem Hintergrund haben sich halbjährliche Kontrollen als wirksames Präventionsinstrument erwiesen.
„Ein Entzug der Fahrerlaubnis hat meist schwerwiegende Gründe, etwa Alkohol- oder Drogenmissbrauch am Steuer“, sagt Manfred Wirsch. „Wer Kontrollen lockert, nimmt wissentlich in Kauf, dass Personen trotz fehlender Fahrerlaubnis über längere Zeit unbemerkt beruflich am Straßenverkehr teilnehmen und so zur Gefahr für alle werden können.“
Bürokratieentlastung durch Neuregelung fraglich
Der DVR bezweifelt zudem, dass die geplante Neuregelung Unternehmen tatsächlich entlastet. Während die bisherige regelmäßige Kontrolle ein standardisierter und klar nachvollziehbarer Prozess ist, schafft eine anlassbezogene Prüfung eine neue Rechtsunsicherheit.
Laut Gesetzentwurf soll eine Prüfung beispielsweise bei Verwahrung, Sicherstellung und Beschlagnahmung des Führerscheins nötig werden. Da Unternehmen jedoch keinen Zugriff auf das Fahrerlaubnisregister haben, bleibt für sie unklar, wann ein solcher Anlass konkret vorliegt. Das im Begründungsteil des Gesetzes angeführte Argument, entsprechende Informationen könnten Arbeitgebern zugetragen werden, hält der DVR in der betrieblichen Praxis für unrealistisch.
Zudem stehen bereits heute etablierte digitale Lösungen für die Führerscheinkontrolle zur Verfügung. Mit der künftigen europäischen digitalen Identitäts-Wallet (EUDI) und dem digitalen Führerschein können automatisierte Prüfverfahren perspektivisch weiter erleichtert werden.
Pressefotos
Symbolfoto, honorarfreie Nutzung bei Nennung des Bildnachweises: © Daniela Stanek, DVR
DVR-Präsident Manfred Wirsch, honorarfreie Nutzung bei Nennung des Bildnachweises: © Daniela Stanek, DVR / © Erik Silvester Kaufmann, DVR
Über den DVR
Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.
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Pressesprecher
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