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Kindersitze: Wie Kinder sicher im Auto mitfahren

  • Welche gesetzlichen Regelungen gelten für Kindersitze?

    • Für Kinder unter zwölf Jahren, die kleiner als 150 cm sind, sind Kindersitze im Auto Pflicht (§ 21 Abs. 1a Straßenverkehrs­Ordnung).
    • Rückwärts gerichtete Kinderschutzsysteme sind auf dem Beifahrersitz nur dann zulässig, wenn der Airbag abgeschaltet wurde (vgl. § 35a Absatz. 8 Straßenverkehrs­Zulassungs­Ordnung).
    • Kinderrückhaltesysteme müssen den Anforderungen der UN ECE Regelung 44/03 bzw. 44/04 oder der UN ECE­ Regelung 129 entsprechen. Diese Kindersitze erkennen Sie an der entsprechenden orangefarbenen Prüfplakette, die fest am Sitz angebracht ist.
    • Beim Erwerb eines gebrauchten Kinderrückhaltesystems sollte darauf geachtet werden, dass das Material keinen Alterungsprozess aufweist, der die Sicherheit beeinträchtigen könnte.

    Woran erkenne ich einen guten Kindersitz?

    Einen guten Kindersitz erkennen Sie an der orangefarbenen Plakette, die die UN ECE Regelung für den Kindersitz angibt. Kindersitze nach der ECE Regelung 129 gelten als besonders sicher. Kinderrückhaltesysteme nach der UN ECE 44/03 bzw. 44/04 bieten bei korrektem Einbau und richtiger Handhabung mit ISOFIX­-Befestigung in Kraftfahrzeugen mit ISOFIX-­Punkten ebenfalls sehr guten Schutz.

    Was ist der Unterschied zwischen den beiden ECE-Regelungen?

    Sitze mit der ECE-Prüfnorm 44 richten sich nach dem Körpergewicht des Kindes und sind in die Gruppen 0 bis III unterteilt:

    • Gruppe 0:  Für Babys bis 10 kg
    • Grupp 0+:  Für Kinder bis 13 kg
    • Gruppe I:   Für Kinder zwischen 9 und 18 kg
    • Gruppe II:  Für Kinder zwischen 15 und 25 kg
    • Gruppe III: Für Kinder zwischen 22 und 36 kg

    Kindersitze mit der ECE Regelung 129 sind sowohl für ein entsprechendes Körpergewicht als auch die Körpergröße des Kindes konzipiert. Kindersitze mit dieser Regelung sind in so genannte „i-Size-­Sitze“ und fahrzeugspezifische Sitze unterteilt. i-Size-­Sitze können auf jedem mit i-Size gekennzeichnetem Sitzplatz im Fahrzeug eingesetzt werden. Für fahrzeugspezifische Kindersitze gibt es Fahrzeuglisten die aufzeigen, ob der Kindersitz für den entsprechenden Sitzplatz geeignet ist. Sitze dieser Regelung gelten als sicherer.

    Welcher Kindersitz ist der richtige für welches Alter und welche Größe?

    Der richtige Sitz für Babys

    • Rückwärts gerichtete Systeme der UN ECE-Reg. 44 Gruppe 0 und 0+ oder der UN ECE-Reg. 129 (Babyschale)
    • Babys werden darin in halbliegender Position entgegen der Fahrtrichtung gesichert
    • Der entscheidende Vorteil: Das Baby wird im Fall einer Kollision mit dem ganzen Körper in die Sitzschale gedrückt und sicher abgestützt.
    • Beachten Sie dabei die Hinweise zur Beförderung von Kindern in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs.
    • Wichtig: Testen Sie den Einbau des Rückhaltesystems in Ihrem Fahrzeug unbedingt, bevor Sie den Sitz kaufen.

    Für zahlreiche Babyschalen nach UN ECE Regelung 44 und UN ECE Regelung 129 ist auch eine sogenannte Basis mit ISOFIX-Verankerungen erhältlich. Richtig angebracht entsteht durch sie eine feste Verbindung zwischen Kindersitz und Fahrzeug, die die Schutzwirkung des Sitzes deutlich verbessert. Montagefehler sind bei dieser Technik praktisch ausgeschlossen.

    i-Size-Systeme sind auf allen i-Size-Sitzplätzen im Fahrzeug einsetzbar, aber auch auf zahlreichen ISOFIX-Sitzplätzen. Welcher Sitz in welchem Fahrzeug benutzt werden darf, können Sie den ständig aktualisierten Listen der Sitzhersteller auf deren Internetseiten entnehmen. Entsprechende Listen müssen auch jedem ISOFIX-Kindersitz beiliegen.

    Der richtige Sitz im Krabbelalter bis zum ersten Kindergartenjahr

    • Empfehlung: Kinder bis zu einem Gewicht von ca. 18 Kg rückwärts gerichtet zu befördern
    • Benutzung vorwärts gerichteter Kindersitze nach der neuen UN ECE-R 129 ab einem Alter von 15 Monaten erlaubt.
    • Auswahlmöglichkeit zwischen einem Sitz der UN ECE-R 44 Gruppe I und einem Sitz der UN ECE-R 129. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Sitz in Ihr Fahrzeug passt. Bei einigen Kfz kann es Platzprobleme geben.

    Für beide UN ECE-Regelungen werden Kindersitzmodelle mit Sitzschale und Fünfpunktgurt-System sowie mit Sitzschale und Fangkörper angeboten.

    Sitzschale mit Fünfpunktgurt-System

    Kinder werden mit einem sitzeigenen Gurtsystem angeschnallt. Diese Sitzmodelle können sowohl vorwärts- als auch rückwärtsgerichtet eingesetzt werden.

    Rückwärts gerichtete Sitzschalen sind aus Perspektive der Verkehrssicherheit ideal (nach UN ECE Regelung 129 bis 15 Monate obligatorisch), weil das Kind bei den weitaus am häufigsten auftretenden Frontal- und Seitenkollisionen dann am besten geschützt ist. Die auf das Kind einwirkenden Kräfte verteilen sich auf den gesamten Rückenbereich. Je flacher die Schlafposition gewählt wird, desto geringer ist die Schutzwirkung dieser Systeme.

    Sitzschalen mit Fangkörpersystem

    Sitze mit Fangkörper können nur vorwärtsgerichtet verwendet werden. Unter Sicherheitsaspekten sind sie nach den rückwärts gerichteten Systemen die zweitbeste Lösung.

    Der Fangkörper ist mit einem Sicherheitsgurt des Pkw befestigt. Kommt es zu einem Aufprall, wird das Kind wird durch den Fangkörper zurückgehalten. Die Rückhaltekräfte werden durch den Fangkörper großflächig auf den Oberkörper des Kindes verteilt, die wirkenden Kräfte in den Fangkörper abgeleitet und somit die punktuelle Belastung des Kindes, insbesondere die Halswirbelsäule, reduziert. Sitze mit Fangkörper können jedoch nicht in eine Schlafposition gestellt werden.

    Sitze der ECE-Regelung Gruppe 44 / I sind sowohl mit als auch ohne ISOFIX-System erhältlich. Nach UN ECE Regelung 129 zugelassene Kindersitze müssen mit ISOFIX-Verankerungen (i-Size und fahrzeugspezifisch) und zukünftig auch zur Befestigung mit dem Fahrzeuggurt erworben werden.

    Hinweise:

    • Montieren Sie den Sitz genau nach der Bedienungsanleitung des Herstellers. Ein falsch eingebauter oder schlecht fixierter Sitz kann das Kind bei einem Unfall nur unzureichend schützen.
    • Gurte, die das Kind beim Fünfpunktgurt-System im Sitz halten, müssen korrekt verlaufen und eng am Körper anliegen (Bedienungsanleitung).
    • Dicke Kleidung (z. B. wattierter Anorak oder Overall) vermindert die Schutzwirkung.
    • Die Gurtlänge des Kindersitzes muss regelmäßig der Körpergröße und der Bekleidung des Kindes angepasst werden.
    • Wechseln Sie erst in die nächste Kindersitzgruppe, wenn Ihr Kind sich der auf dem Sitz genannten Gewichtsgrenze nähert oder bei i-Size-Modellen nicht mehr der Größenangabe des Kindersitzherstellers entspricht.

    Kindergartenkinder und Schulkinder

    • Geeignet sind in der Regel Sitze der UN ECE Regelung 44 Gruppe II/III, erhältlich mit und ohne ISOFIX sowie Modelle der UN ECE-Regelung 129 i-Size

    Alle verfügen über eine höhenverstellbare Rückenstütze, an der sich auch die Führung für den Schultergurt befindet. Dadurch bieten diese Sitze Kindern unterschiedlicher Altersstufen und Körpergrößen einen guten Schutz. Die Sicherung des Kindes erfolgt in diesen Sitzen ausschließlich über den im Fahrzeug vorhandenen Dreipunktgurt.

    Auch wenn das Kind schon größer ist, die richtige Sicherung mit einem Kindersitz ist bis zum Alter von 12 Jahren oder einer Körpergröße von 150 cm essentiell: Bei einem Aufprall rutschen Kinder ohne Kindersitz nach unten durch den Beckengurt hindurch. Dabei schneidet er den Bauchraum ein. Das kann zu schweren inneren Verletzungen führen. Wir raten auch davon ab, einfach Sitzerhöhungen ohne Rückenlehne und Kopfstütze zu nutzen. Bei einem Seitenaufprall bieten sie dem Kind keinerlei Schutz.

    Worauf ist bei der Sicherung mit dem Gurt zu achten?

    Ziehen Sie den Gurt möglichst straff und beginnen Sie damit zunächst bei den Beingurten. Ist er zu locker besteht die Gefahr, dass Kinder unter dem Beckengurt durchrutschen können. Aufgrund der Kraft, die bei einem Aufprall wirkt, kann der Beckengurt den Bauchraum einschneiden. Das kann zu schweren inneren Verletzungen führen.

    Wo fahren Kinder sicherer: Auf dem Rücksitz oder Vordersitz?

    Ganz generell fahren Kinder auf der Rückbank, hinten rechts, sicherer. Das Verletzungsrisiko im Fall eines Unfalls ist deutlich geringer als auf dem Beifahrersitz. Vorwärts gerichtete Kindersitze können auf dem Beifahrersitz montiert werden. Allerdings sollte der Sitz zur Sicherheit vor einem sich lösenden Airbag so weit wie möglich nach hinten geschoben werden. In Fahrzeugen mit aktivem Beifahrer-Airbag dürfen grundsätzlich keine rückwärtsgerichteten Kindersitze auf dem Beifahrersitz angebracht werden. Der Grund: Löst sich der Airbag besteht die Gefahr, dass er den Sitz eindrückt. Das Kind könnte dabei schwer verletzt werden. Kann der Frontairbaig deaktiviert werden - bitte achten Sie hierfür auf die Herstellerhinweise des Fahrzeugs - ist es möglich einen rückwärts gerichteten Sitz auf dem Beifahrersitz zu montieren. Zur Sicherheit empfiehlt der DVR Kinder auf der Rückbank zu sichern. Der Beifahrersitz sollte nur in Ausnahmefällen genutzt werden.

    Tipps für den Kauf von Kindersitzen

    Allgemein gilt: Kindersitze nach Möglichkeit im Fachhandel kaufen und vorher zusammen mit dem Kind im Auto ausprobieren. Das Angebot an Kindersitzen ist fast unüberschaubar groß. Deshalb unbedingt aktuelle Testergebnisse der großen Verbraucherschutzorganisationen zu Rate ziehen. Kindersitze, die in mehreren Fahrzeugen (z. B. Zweitwagen) benutzt werden, müssen besonders sorgfältig ausgewählt werden.

  • Downloads

    Geschnallt?! - Kinder im Auto
    Broschüre, PDF | 2019 

    Kinder im Auto mitnehmen
    Broschüre in leichter Sprache, PDF | 2019

    Kindersicherheit im Auto
    Broschüre Bundesanstalt für Straßenwesen, PDF | 2016

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