Fachgespräch

Fahrerassistenzsysteme im gewerblichen Verkehr

Mittwoch, 23. September 2026

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)

Wie schaffen wir es, dass Fahrerassistenzsysteme im gewerblichen Verkehr ihr Sicherheitspotenzial voll entfalten können – diese fehlerfrei funktionieren, die Fahrenden nicht stören oder überfordern und von diesen in relevanten Verkehrssituationen nicht deaktiviert werden?

Diese Fragestellung diskutierten wir beim DVR-Fachgespräch „Fahrerassistenzsysteme im gewerblichen Verkehr“ gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Prävention und Industrie

Eine Erkenntnis kristallisierte sich dabei besonders heraus: Die Fahrenden von Lkw und Bussen kennen die Sicherheitspotenziale der Fahrerassistenzsysteme und nutzen diese vor allem dann, wenn sie im Arbeitsalltag spürbar helfen, zuverlässig funktionieren und sich intuitiv bedienen lassen - nicht nur deshalb, weil man es von ihnen verlangt.

Deshalb lohnt es sich, Fahrende als das zu behandeln, was sie sind: Expertinnen und Experten ihres eigenen Arbeitsalltags. Und wenn Systeme abgeschaltet werden, sollten wir genau hinschauen, warum. Oft stecken Fehlwarnungen, unplausible Eingriffe, uneinheitliche Bedienkonzepte oder schlicht Systemgrenzen dahinter, die aus gut gemeinter Unterstützung Irritation machen.

Aus den intensiven Diskussionen ergaben sich drei zentrale Handlungsfelder:

Technik

Fahrerassistenzsysteme müssen zuverlässiger werden, Fehlwarnungen reduzieren und ihre Grenzen nachvollziehbar machen. Ebenso wichtig wären einheitlichere und intuitivere Bedienkonzepte für sicherheitsrelevante Funktionen. Das würde insbesondere Fahrenden, die regelmäßig zwischen verschiedenen Fahrzeugmodellen wechseln müssen, dabei helfen, sich ohne lange Umgewöhnung auf die Systeme einzustellen.

Qualifizierung

Eine einmalige Einweisung reicht nicht. Schulungen sollten praxisnäher werden, stärker auf Fahrzeug und Einsatzbereich zugeschnitten sein und den individuellen Bedarf ernst nehmen. Insbesondere sollte die nach BKrFQG alle fünf Jahre vorgeschriebene Weiterbildung besser an die individuellen Schulungsbedarfe angepasst werden, statt die Informationen nach dem Gießkannen-Prinzip zu streuen. Fahrtrainings, Simulationen und neue digitale Lernformate können dabei helfen, Funktionen und Grenzen der Systeme erlebbar zu machen und sollten von den Fahrenden genutzt werden.

Beteiligung der Fahrenden

Wer täglich im Einsatz ist, sammelt Erfahrungen, die kontinuierlich in die Fahrzeugentwicklung zurückfließen sollten. Gute Fahrerassistenz läuft weitgehend unbemerkt im Hintergrund, unterstützt und entlastet die Fahrenden ohne diese zu bevormunden, zu überfordern oder abzulenken oder durch Systemfehler gar selbst zu kritischen Situationen beizutragen.