PIN Award 2026: Dänemark erhält europäischen Verkehrssicherheitspreis

23.06.2026
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PIN Award 2026: Dänemark erhält europäischen Verkehrssicherheitspreis

PIN Award 2026: Dänemark erhält europäischen Verkehrssicherheitspreis

Pressemitteilung

Berlin, 23. Juni 2026

Dänemark ist am heutigen Tag vom Europäischen Verkehrssicherheitsrat (ETSC) im Rahmen der jährlichen PIN-Konferenz in Brüssel mit dem PIN Award 2026 ausgezeichnet worden. Das Land erhielt die Auszeichnung für seine langfristigen verkehrspolitischen Strategien, mit denen es gelang, die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen deutlich zu reduzieren.

Aus Sicht des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) liefert der diesjährige Preisträger wertvolle Impulse für ganz Europa. „Die Auszeichnung beweist, dass das Ziel der Vision Zero – keine Getöteten und Schwerverletzten auf unseren Straßen – durch entschlossenes staatliches Handeln in greifbare Nähe rücken kann“, sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Verkehrssicherheit erfordert Konsequenz und Ausdauer. Beides zeichnet die dänische Verkehrssicherheitspolitik aus.“

Statistischer Hintergrund: Verkehrssicherheit in Dänemark

Wie offizielle Daten von Statistics Denmark belegen, sank die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen von 182 im Jahr 2014 auf 145 im Jahr 2024 – ein Rückgang von rund 20 Prozent. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Schwerverletzten um etwa 15 Prozent von knapp 1.800 auf rund 1.500 Betroffene. Im europäischen Vergleich zählt Dänemark laut dem ETSC seit vielen Jahren zu den führenden Ländern und verzeichnete im Verkehrssicherheits-Leistungsindex des ETSC im Jahr 2025 23 im Straßenverkehr getötete Menschen pro Million Einwohner. Damit belegt Dänemark den dritten Platz hinter Norwegen und Schweden, die mit jeweils 19 getöteten Menschen pro Million Einwohner die Spitzenplätze einnehmen. Zudem gelang es Dänemark laut ETSC, die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen von 2019 bis 2025 um 32 Prozent zu reduzieren. Dies ist unter allen am PIN-Programm teilnehmenden Ländern nach Polen die zweitbeste Entwicklung. Der PIN-Leistungsindex umfasst insgesamt 31 Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Serbien.

Das dänische Erfolgsrezept: Sichere Infrastruktur, strenge Regeln, gezielte Aufklärung

Der Erfolg der dänischen Verkehrssicherheitsarbeit basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der sichere Infrastruktur, konsequente Gesetzgebung und eine umfassende Aufklärungsarbeit miteinander verzahnt.

Auf Landstraßen gilt ein generelles Tempolimit von 80 km/h. Auf Autobahnen beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 130 km/h, im Umland größerer Städte 110 km/h. Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als 100 Prozent überschreitet oder schneller als 200 km/h fährt, muss mit der sofortigen Beschlagnahmung des Fahrzeugs rechnen. Allgemein werden Verkehrsverstöße deutlich strenger sanktioniert als in Deutschland.

Auch die Infrastruktur ist vielerorts konsequent auf Verkehrssicherheit ausgerichtet: In Städten und Dörfern tragen gezielte Fahrbahnverengungen dazu bei, die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs wirksam zu reduzieren. Enorme Fortschritte wurden zudem bei der individuellen Sicherheit erreicht: Obwohl keine Helmpflicht besteht, stieg die Helmtragequote bei Radfahrenden von 28 Prozent im Jahr 2014 auf 55 Prozent im Jahr 2025. Bei Schulkindern kletterte sie im gleichen Zeitraum von 60 auf 81 Prozent. Für E-Scooter-Fahrende gilt seit dem 1. Januar 2022 eine Helmpflicht.

Darüber hinaus ist Mobilitätsbildung in den dänischen Schulen bis zur 9. Klasse fest im Lehrplan verankert. Nationale Verkehrssicherheitskampagnen thematisieren regelmäßig Kernrisiken wie überhöhte Geschwindigkeit, Ablenkung, Alkohol- und Drogenkonsum, Fahrradhelmnutzung sowie die Sicherheit von älteren Radfahrenden und von Fahranfängern.

Aktuelle Herausforderungen in Dänemark

Seit 1988 steuert Dänemark seine Maßnahmen über nationale Verkehrssicherheits-Aktionspläne, die kontinuierlich evaluiert und an neue Herausforderungen angepasst werden. Im Jahr 2021 veröffentlichte die Dänische Verkehrssicherheitskommission einen Nationalen Aktionsplan für den Zeitraum 2021 bis 2030. Dieser setzt auf die enge Zusammenarbeit von staatlichen Behörden, Polizei, Kommunen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Interessenverbänden und Nichtregierungsorganisationen. Im Aktionsplan festgelegt sind unter anderem klare politische Zielsetzungen und kontinuierliche Infrastrukturinvestitionen.

Trotz der bisherigen Erfolge bleibt Dänemark gefordert, seine Anstrengungen weiter zu intensivieren, um ein selbst gesetztes Ziel des Nationalen Aktionsplans zu erreichen: Bis 2030 soll die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen auf maximal 90 und die der Schwerverletzten auf höchstens 900 sinken.

Verkehrssicherheit im Vergleich: Dänemark als Vorreiter, Europa muss aufholen

Der ETSC weist trotz positiver Beispiele wie Dänemark darauf hin, dass die Zahl der in der Europäischen Union im Straßenverkehr getöteten Menschen nur halb so schnell sinkt, wie es für das erklärte EU-Ziel – eine Halbierung der Todesfälle bis 2030 – erforderlich wäre. Im Jahr 2025 verloren in der EU rund 19.500 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr, mehr als 100.000 Menschen wurden schwer verletzt. Um die Zielvorgaben zu erreichen, wären jährliche Rückgänge von rund 10 Prozent vonnöten – also etwa das Fünffache des aktuellen Tempos.

„Der Bericht des ETSC führt uns vor Augen, dass auch Deutschland hinter dem Ziel zurückbleibt“, sagt Manfred Wirsch. „Dabei hat sich die Bundesregierung auch im Verkehrssicherheitsprogramm 2021-2030 vorgenommen, die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen um 40 Prozent zu senken. Dieser Auftrag muss ernst genommen werden – nicht zuletzt mit Blick auf die grundgesetzliche Schutzpflicht des Staates gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern. Bund und Länder sollten ihre verkehrspolitischen Ambitionen deutlich verstärken, etwa durch eine Anpassung von Höchstgeschwindigkeiten, die Durchsetzung eines Alkoholverbots am Steuer, die systematische infrastrukturelle Entschärfung von Unfallhäufungsstellen sowie den Ausbau der Verkehrsüberwachung.“

Weiterführende Informationen

ETSC: 20th Road Safety Performance Index (PIN) Report

Pressemitteilung

Bericht

Interaktive Grafiken

DVR

Top-Forderungen an die Politik

Beschluss: Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung zügig umsetzen (2021) 

Pressefotos

Symbolfoto

DVR-Präsident Manfred Wirsch

Honorarfreie Nutzung bei Nennung des Bildnachweises: © Daniela Stanek, DVR

Über den DVR

Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.

Kontakt  

Christoph Rieger 

Pressesprecher 
Abteilung Kommunikation 

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
German Road Safety Council

Jägerstraße 67-69 
10117 Berlin 

+49 (0)30 2 26 67 71 - 30 
crieger@dvr.de

www.dvr.de