Verkehrsministerkonferenz: Führerscheinreform – mehr Qualität, weniger Kosten
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© Daniela Stanek, DVR
Pressemitteilung
Berlin, 25. März 2026
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat im Oktober 2025 Vorschläge zur Reform der Fahrausbildung vorgelegt, um den Führerschein günstiger zu machen. Darüber berät die Verkehrsministerkonferenz am 25. und 26. März in Lindau. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um die Qualität der Fahrausbildung zu steigern – und gleichzeitig auch Kosten zu senken.
„Ein Führerschein darf kein Privileg sein, aber bei der Sicherheit darf es keine Abstriche geben“, sagt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Wenn die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister die Fahrausbildung jetzt klug optimieren, werden Kosten gesenkt, ohne dass die Sicherheit gefährdet wird.“
Simulatoren gezielt einsetzen
Der DVR spricht sich dafür aus, Fahrsimulatoren offiziell in die reguläre Fahrausbildung zu integrieren, statt sie wie bisher nur als freiwilliges Extra zu behandeln. Dafür müssen zeitnah technische Standards definiert und pädagogische Konzepte entwickelt werden.
Sobald diese vorliegen, können zwei der fünf vorgeschriebenen Überlandfahrten auf Bundes- oder Landstraßen am Simulator absolviert werden. So lassen sich komplexe Verkehrssituationen wie das Überholen gefahrlos trainieren. Auch eine der vier Autobahnfahrten – um das Bilden einer Rettungsgasse zu trainieren – sowie eine der drei Nachtfahrten können auf einem Simulator durchgeführt werden. Zudem lässt sich das manuelle Schalten am Simulator besonders effizient üben.
„Manche Gefahrensituationen lassen sich im echten Verkehr nicht ohne Risiko trainieren“, sagt Manfred Wirsch. „Der Simulator bietet einen geschützten Raum. Hier kann man lernen, scheitern und reflektieren – ohne dass jemand Schaden nimmt. Sicherheit beginnt dort, wo Erfahrung zunächst risikofrei erlebbar ist.“
Theorieausbildung nicht nur online
Der DVR begrüßt grundsätzlich auch digitale Lernformate, warnt aber davor, die Theorie auf ein rein digitales Selbststudium zu reduzieren. Themen wie Emotionen, Stress, Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung erfordern den direkten Austausch mit Fahrlehrern und untereinander – entweder in Präsenz oder in interaktiven digital synchronen Formaten mit begrenzter Gruppengröße. Eine Verkleinerung des Fragenkatalogs befürwortet der DVR zwar, fordert aber, das Ergebnis der bereits laufenden Überarbeitung abzuwarten. Prüfungsanforderungen dürfen in sicherheitsrelevanten Bereichen keinesfalls gesenkt werden.
„Nicht alles lässt sich allein am Bildschirm lernen“, erklärt Manfred Wirsch. „Wie man in brenzligen Situationen ruhig bleibt, wie man unter Stress andere Verkehrsteilnehmer richtig einschätzt – das lernt man am besten im Dialog, begleitet in einem Schulungsraum oder digital synchron. Theorie ist mehr als Faktenwissen – sie ist auch geteilte Erfahrung.“
Referenzlehrplan einführen und Lernfortschritte erfassen
Der DVR fordert einen transparenten und verbindlichen Referenzlehrplan für alle Fahrschulen in Deutschland. Zudem sollen Fahrschulen den Lernstand der Schülerinnen und Schüler systematisch dokumentieren und regelmäßig Rückmeldung zum Lernfortschritt geben. So bleibt die Ausbildungsqualität auch bei einem Wechsel der Fahrlehrer konstant hoch.
„Fahrschulen formen Selbstvertrauen, Urteilsfähigkeit und Verantwortung“, sagt Manfred Wirsch. „Mit einem klaren Lehrplan und klaren Rückmeldungen vermitteln wir diese Werte noch effizienter. Das schafft ein wichtiges Fundament, auf dem nicht nur technisches Fahrkönnen, sondern eine echte Kultur des sicheren Miteinanders entsteht.“
Pilotprojekt zum begleiteten Fahren
Der DVR schlägt vor, ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt zum begleiteten Fahren vor der praktischen Fahrerlaubnisprüfung zu starten. Ziel ist es, Fahrschülerinnen und Fahrschülern mehr Fahrpraxis zu ermöglichen und die Sicherheit zu erhöhen. Voraussetzung: Fahrlehrer müssen vorab die grundsätzliche Fahrkompetenz der Lernenden bestätigen. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen unter Einbindung von Expertinnen und Experten definiert werden.
„Schon heute vermitteln Eltern und andere Begleitpersonen Fahranfängerinnen und Fahranfängern auf Verkehrsübungsplätzen wichtige Grundlagen“, sagt Manfred Wirsch. „Dieses Engagement wollen wir stärken. Ein solches Pilotprojekt kann bei positiver Evaluation die Fahrausbildung sinnvoll ergänzen. Es gibt jungen Menschen die nötige Zeit, um echtes Selbstvertrauen am Steuer zu entwickeln.“
Landstraßen, Radverkehr, Lieferroboter, Dooring: Mehr Sicherheit
Neben der Führerscheinreform stehen weitere Themen auf der Agenda der Verkehrsministerkonferenz: Da sich rund 60 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle auf Landstraßen ereignen, fordert der DVR ambitionierte Maßnahmenprogramme von Bund und Ländern.
Zudem müssen Länder und Kommunen die Planungssicherheit bei den Fördermitteln für den Radverkehr bis 2029 nutzen – auch um die Sicherheit an außerörtlichen Kreuzungen zu erhöhen.
Bund und Länder sollen außerdem zügig einen Rechtsrahmen für autonome Lieferroboter entwickeln, der die Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit für Fußgängerinnen und Fußgänger gewährleistet.
Zur Vermeidung von Dooring-Unfällen ist ein Dreiklang aus Aufklärungskampagnen, technischen Warnsystemen und rechtlichen Anpassungen in Bezug auf die direkte Blickzuwendung zum fließenden Verkehr sinnvoll. Der DVR empfiehlt, Autotüren mit der Hand zu öffnen, die der Tür abgewandt ist – dem sogenannten Holländischen Griff.
„Verkehrssicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Entscheidung – sie ist das Ergebnis vieler aufeinander abgestimmter Maßnahmen”, resümiert Manfred Wirsch. „Wer jetzt zögert, gefährdet Leben. Nur wenn Bund, Länder, Kommunen, Fahrzeughersteller und wir alle gemeinsam entschlossen handeln, werden unsere Straßen zu Orten, an denen Unfälle nicht länger als unvermeidbares Schicksal hingenommen werden.“
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Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.
Kontakt
Christoph Rieger
Pressesprecher
Abteilung Kommunikation
Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
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+49 (0)30 2 26 67 71 - 30
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