Zweiradsicherheit

DVR Forum 2026

Donnerstag, 25. Juni 2026, 13:00 Uhr

Tagungswerk

DVR Forum: Mit Sicherheit unterwegs – auf zwei Rädern durch Stadt und Land

Motorisierte Zweiräder, Fahrräder und Lastenräder gewinnen im Straßenverkehr deutlich an Bedeutung – im Berufsverkehr, in der Freizeit und in der urbanen Warenlogistik. Gleichzeitig haben ihre Nutzerinnen und Nutzer jedoch ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko. Mit der zunehmenden Nutzung dieser Fahrzeuge wachsen die Anforderungen an Infrastrukturplanung, technische Standards und Verhalten im Straßenverkehr. Wie kann Verkehrssicherheit in einem zunehmend vielfältig genutzten Straßenraum wirksam gestärkt werden?

Am 25. Juni 2026 kamen rund um das Thema Zweiradsicherheit zahlreiche Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis beim DVR Forum in Berlin zusammen.

„Bessere Infrastruktur ist keine Einladung, schneller zu fahren, sondern eine Investition, damit alle sicher ankommen."

DVR-Präsident Manfred Wirsch eröffnete die Veranstaltung und machte deutlich: Wer beruflich oder privat auf zwei Rädern unterwegs ist – ob auf dem Fahrrad, dem Lastenrad oder dem Motorrad – hat denselben Anspruch auf sichere Ankunft wie alle anderen Verkehrsteilnehmenden auch. Bessere Infrastruktur und Fahrzeugtechnik allein reichen dabei nicht aus, betonte er, es brauche auch ein Umdenken im Verhalten.

Im Anschluss folgte eine Keynote der verkehrspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Isabel Cademartori (MdB).

DVR Förderpreis 2026

Im Rahmen des Forums wurde zum 17. Mal der DVR Förderpreis verliehen, mit dem herausragende akademische Abschlussarbeiten zur Verkehrssicherheit ausgezeichnet wurden:

  • 1. Platz: Melina Brock (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW) – Bachelorarbeit: „Inwieweit kann die Einführung des begleiteten Fahrens ab 16 Jahren für Pkw-Fahrende in Deutschland zum Ziel der Vision Zero beitragen?“
  • 2. Platz: Sabrina Bittel (Friedrich-Schiller-Universität Jena) – Masterarbeit: „Mobilitätsunfälle in Organisationen in Österreich: Empirische Analyse der Ursachen und Präventionsmöglichkeiten.“
  • Geteilter 3. Platz: Jerome Busch (Universität Kassel) – Masterarbeit: „Hindernisse in der Fußverkehrsplanung und wie man ihnen begegnen kann“
  • Geteilter 3. Platz: Linda Marie Pätzold (Technische Universität München) – Masterarbeit: „Analyse des Radfahrverhaltens an Kreuzungen unter Einbezug der vorhandenen Infrastruktur.“

Die Bewerbungsphase für den 18. DVR Förderpreis geht noch bis zum zum 27. November 2026. Mehr Informationen zum DVR Förderpreis finden Sie hier.

Paneltalk: Die Rolle von Zweirädern in der sicheren Mobilität von morgen

Wie lässt sich das Potenzial des Zweirads als Verkehrsmittel der Zukunft heben, ohne die Sicherheitsfrage zu vertagen? Dieser Frage gingen Dr. Ilka Dubernet (Institut für Verkehrsforschung beim DLR und Autorin Mobilität in Deutschland), Prof. Dr.-Ing. Martina Lohmeier (Professorin für Mobilitätsmanagement und Radverkehr, Hochschule RheinMain), Katja Diehl (Mobilitätsexpertin, Autorin und Podcasterin) und Ulrich Chiellino (Leiter Verkehrspolitik ADAC) nach. Die Runde brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen – von empirischer Mobilitätsforschung über Radverkehrsplanung und gesellschaftspolitische Mobilitätskritik bis zur Praxis eines großen Automobilclubs – und diskutierte, wie Zweiräder sicher in den Mobilitätsmix von morgen integriert werden können.

Fachforum 1: „Zwischen Freizeitspaß und Risiko: Voraussetzungen für sicheres Motorradfahren“

In einer von Volker Wieprecht moderierten Fishbowl-Diskussion mit Kirsten Lühmann (Präsidentin Deutsche Verkehrswacht), Karola Lambeck (Unterabteilungsleiterin Straßenrecht und Organisation der Bundesfernstraßen (StB1) im Bundesministerium für Verkehr), Martin Winkelbauer (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und Uwe Seitz (Hauptgeschäftsführer Industrie-Verband Motorrad Deutschland e. V.) waren sich die Teilnehmenden einig: Motorradfahrende sind weder pauschal gut noch böse, und der Grund der Mobilität – ob Freizeit oder Beruf – darf keine Rolle spielen, sicher muss es immer sein. Für viele ist das Motorrad zudem eine günstige Form der Mobilität. Diskutiert wurde auch der Unterfahrschutz an Leitplanken.

Fazit: weg von Befindlichkeiten und Gegeneinander, hin zu Lösungen, die alle mitdenken – beim Menschen (beispielsweise Sicherheitstrainings, Anreize, angepasste Ausbildung), bei der Technik (beispielsweise Vernetzung, Kurven-ABS) und bei der Infrastruktur (beispielsweise bauliche Entschärfung von Motorradstrecken).

Fachforum 2: „Wie organisieren wir die Radlogistik der Zukunft sicher?“

Unter der Moderation von Nico Lange diskutierten Claudia Nowak ( FUSS e. V.), Martin Küppers (Leiter Fachbereich Verkehr und Landschaft BG Verkehr), Tim Salatzki (Leiter Technik und Normung Zweirad-Industrie-Verband), Wigand von Sassen (Leiter der Arbeitsgruppe „Konzeptionelle und strategische Grundlagen im Fuß- und Radverkehr“, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin) und Dr. Tom Assmann (Fachvorstand Politik, Radlogistikverband Deutschland). Eine zentrale Erkenntnis: Radlogistik verbraucht weniger Platz als der Lkw, das Motorrad weniger als der Pkw. Ein wichtiges Anliegen der Runde war zudem, mehr Perspektivwechsel zwischen den Verkehrsteilnehmenden zu wagen – etwa, dass sich Radfahrende stärker in die Lage von zu Fuß Gehenden hineinversetzen, denn: Der Fußverkehr hat keinen Rückspiegel. Gefordert wurde mehr Mut, bei der Infrastruktur Neues auszuprobieren, etwa mit Pop-up-Bike-Lanes – jedoch immer auf Basis fundierter fachlicher Expertise. Die klare Botschaft: Radlogistik sollte als Teil der Lösung für den Stadtverkehr verstanden werden, nicht als dessen Problemkind.

Video-Rückblick