Daniela Stanek/DVR
DVR Arena 2025
- DVR Arena
Wartehalle Berlin
DVR Arena: Neue Perspektiven auf Verkehrssicherheit – bewusst, emotional, wirksam
Wie erreichen wir Menschen so, dass sie Verantwortung füreinander übernehmen? Wie gelingt es, das Thema Menschenleben im Straßenverkehr wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – jenseits von Zahlen und Statistiken? Diese Fragen standen im Zentrum der diesjährigen DVR Arena in Berlin.
Die Veranstaltung brachte Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis, Prävention, Medien und Kommunikation zusammen und verfolgte einen klaren roten Faden: Wenn sich Verhalten verändern soll, braucht es mehr als Information. Es braucht emotionale Zugänge, Empathie und ein Bewusstsein für das Miteinander im Straßenverkehr.
Mitgefühl und sozialer Zusammenhalt als Grundlage
Daniela Stanek/DVR
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Tania Singer mit einer Keynote zu Empathie, Mitgefühl und sozialem Zusammenhalt aus Sicht der sozialen Neurowissenschaften. Sie zeigte, dass Fähigkeiten wie Perspektivübernahme und Mitgefühl keine festen Charaktereigenschaften sind, sondern gezielt trainiert werden können – mit positiven Effekten auf Resilienz, prosoziales Verhalten und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Diese Erkenntnis war ein zentraler Ausgangspunkt für den weiteren Verlauf der Veranstaltung: Ein mitfühlendes Miteinander ist möglich. Es ist gestaltbar und trainierbar und damit auch für Präventionsarbeit von großer Bedeutung.
Emotionen als Motor für Verhaltensänderung
Daniela Stanek/DVR
Wie diese wissenschaftlichen Erkenntnisse ganz konkret in der Praxis wirken können, zeigten Karén Förster und Marco Pahl von der CEMEX Logistik GmbH. In ihrem Beitrag berichteten sie aus der Arbeit mit Lkw-Fahrenden und machten deutlich, warum reine Wissensvermittlung oft nicht ausreicht, um sicheres Verhalten zu fördern.
Anhand eines eindrucksvollen Filmbeispiels zeigten sie, wie emotionale Ansprache dazu beitragen kann, Unfallrisiken anders wahrzunehmen. Entscheidend ist dabei, Menschen nicht abstrakt zu belehren, sondern sie daran zu erinnern, dass hinter jeder Fahrt, hinter jeder Entscheidung, Menschen und Familien stehen. Emotionale Betroffenheit wird so zum Ausgangspunkt für Lernen und verantwortungsvolles Handeln.
Kontinuität statt Inselmeldungen
Daniela Stanek/DVR
In einem anschließenden Gespräch diskutierten Dr. Stephan Fasshauer (Hauptgeschäftsführer Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), Jana Kugoth (Redaktionsleitung Tagesspiegel Background Verkehr & Smart Mobility) und Cornelia Göbel (Geschäftsführerin Serviceplan Berlin), wie diese Erkenntnisse auf gesellschaftlicher Ebene wirksam werden können.
Ein zentrales Thema war die Frage nach Kontinuität. Verkehrstote dürften keine „Inselmeldungen“ bleiben, wie Jana Kugoth betonte. Aufmerksamkeit müsse regelmäßig und verlässlich hergestellt werden – in Medien, in der öffentlichen Debatte und in der Kommunikation von Institutionen.
Cornelia Göbel hob hervor, dass wir Menschen dort erreichen müssen, wo ihr Alltag stattfindet: in konkreten Situationen, mit klaren Handlungsoptionen und ohne erhobenen Zeigefinger. Präventionskommunikation müsse emotional anschlussfähig sein, ohne zu überfordern.
Stephan Fasshauer machte zudem deutlich, dass Prävention nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine wirtschaftliche Dimension hat. Die DGUV investiert bewusst in die Arbeit des DVR, weil erfolgreiche Prävention Kosten vermeidet und sich langfristig rechnet – ein Aspekt, der gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten stärker betont werden müsse.
Gemeinsame Kommunikation als Schlüssel
Was bei der diesjährigen DVR Arena deutlich wurde: Es geht nicht darum, bewährte Ansätze der Präventionsarbeit infrage zu stellen, sondern sie gezielt zu ergänzen. Sachliche Information bleibt unverzichtbar – ihre Wirkung entfaltet sich jedoch erst dann vollständig, wenn sie durch emotionale Zugänge ergänzt wird, die Menschen im Alltag erreichen.
Die DVR Arena hat damit Denkanstöße für eine weiterentwickelte Form der Ansprache gegeben und eine zentrale Frage in den Raum gestellt, die über den Abend hinausreicht: Wie gelingt es, das Thema Menschenleben im Straßenverkehr dauerhaft präsent zu halten und als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe zu verankern?