Akteure: Verkehrswacht Kreis Kleve e.V., Stadt Goch
Projektstart: 2013
Ort: Kreis Kleve
Handlungsfeld: Sicherer Radverkehr
Mehr Informationen: Verkehrswacht Kleve
Für Menschen, die das Radfahren bislang nicht gelernt haben, kann die Teilnahme am Straßenverkehr mit besonderen Herausforderungen verbunden sein. Im Kreis Kleve bietet die Verkehrswacht deshalb gemeinsam mit der Stadt Goch ein Radfahr- und Sicherheitstraining für Frauen internationaler Herkunft an. Das Angebot verbindet den schrittweisen Erwerb praktischer Fahrfertigkeiten mit Grundlagen der Verkehrssicherheit – und ermöglicht zugleich eine selbstständige Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe.
Kurzbeschreibung des Projekts
- Das Radfahr- und Sicherheitstraining richtet sich an Frauen internationaler Herkunft, die bislang nicht oder nur wenig Fahrrad fahren können.
- Die Teilnehmerinnen erlernen das Fahrradfahren schrittweise – von ersten Gleichgewichtsübungen über Roller und Laufräder bis zum sicheren Umgang mit Fahrrädern unterschiedlicher Größe.
- Die Übungen werden an die jeweiligen Vorkenntnisse und individuellen Lernfortschritte angepasst.
- Das Angebot findet in einem geschützten Verkehrsraum statt und verbindet praktische Übungen mit theoretischen Inhalten.
Ausgangslage und Motivation
Viele Teilnehmerinnen haben das Radfahren in ihrer Kindheit nicht gelernt, einige sitzen zu Beginn des Trainings erstmals auf einem Fahrrad. Fehlende Fahrpraxis und Unsicherheiten im Umgang mit dem Fahrrad erschweren eine sichere und selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr.
Ziel ist es, die Teilnehmerinnen schrittweise an das Fahrradfahren und an Anforderungen des Straßenverkehrs heranzuführen und zu einer sicheren und selbstständigen Nutzung des Fahrrads im Alltag zu befähigen. Zugleich sollen die vermittelten Inhalte auch über die unmittelbaren Teilnehmerinnen hinaus wirken. Themen wie ein verkehrssicheres Fahrrad, das Tragen eines Fahrradhelms oder sicherheitsbewusstes Verhalten können in die Familien der Teilnehmenden weitergetragen werden.
-
© Verkehrswacht Kreis Kleve e.V.
-
© Verkehrswacht Kreis Kleve e.V.
-
© Verkehrswacht Kreis Kleve e.V.
Maßnahmen und Umsetzung
Das Training wird einmal jährlich angeboten und umfasst in der Regel acht bis zehn Termine über einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen. Die Übungen finden zunächst in einem abgeschlossenen und geschützten Raum statt. Theorie und Praxis werden miteinander verbunden.
Zu Beginn stehen Gleichgewichtsübungen im Mittelpunkt, unter anderem mit Rollern und kleinen Fahrrädern ohne Pedale. Anschließend werden die Anforderungen schrittweise gesteigert.
Da die Vorerfahrungen und die Lernfortschritte unterschiedlich sind, wird die Gruppe nach kurzer Zeit geteilt: Ein Teil der Teilnehmerinnen absolviert einen Parcours mit größeren Fahrrädern und Übungen wie Handzeichen, Schulterblick und Kopfdrehung, einhändiges Fahren oder Slalom geübt. Die andere Gruppe wird schrittweise an die erste freie Fahrt herangeführt. Zum Abschluss werden ein Hindernisparcours bewältigt und theoretische Kenntnisse für die Teilnahme am Straßenverkehr vermittelt.
Beitrag zur Verkehrssicherheit
Das Training vermittelt grundlegende Fähigkeiten für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Fahrrad. Die Teilnehmerinnen lernen zunächst, das Fahrrad in einem geschützten Raum sicher zu beherrschen. Ergänzend werden Verkehrsregeln und sicherheitsrelevante Grundlagen vermittelt.
Damit richtet sich das Angebot insbesondere an Personen, die ohne vorherige Radfahrpraxis und entsprechende Kenntnisse sonst unmittelbar am Straßenverkehr teilnehmen würden. Darüber hinaus können Hinweise beispielsweise zum verkehrssicheren Zustand des Fahrrads oder zum Helmtragen über die Teilnehmerinnen auch weitere Familienmitglieder erreichen.
Ergebnisse und Evaluation
Das Konzept wird seit 2013 umgesetzt und im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Eine wesentliche Erfahrung ist, dass die Teilnehmerinnen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen und deshalb eine individuelle Begleitung wichtig ist.
Auch praktische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Nach Angaben der Projektverantwortlichen kann beispielsweise Kleidung die Bewegungsfreiheit beim Radfahren oder das Tragen eines Helms erschweren. Im Verlauf des Trainings finden die Teilnehmerinnen hierfür häufig eigene Lösungen. Inzwischen nehmen auch Frauen aus benachbarten Kommunen an dem Angebot teil.
Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2014 mit dem Mobil & Sicher-Preis in Silber und dem DM-HelferHerzen-Preis. 2021 floss das Training zudem in die Begründung für die Verleihung des Ehrenamtspreises des Kreises Kleve ein. 2025 erreichte es den dritten Platz beim DVR Vision Zero Award.
Übertragbarkeit
Das Grundkonzept lässt sich auch an anderen Orten umsetzen. Nach Angaben der Verkehrswacht Kreis Kleve haben bereits zahlreiche Verkehrswachten und Initiativen das Konzept aufgegriffen. Die Verkehrswacht unterstützt zudem Schulen, Initiativen und Vereine bei der Umsetzung vergleichbarer Angebote.
Für eine Übertragung sind insbesondere ein geeigneter geschützter Übungsort, Fahrräder beziehungsweise geeignete Übungsfahrzeuge sowie Personen erforderlich, die die Teilnehmerinnen über mehrere Termine hinweg praktisch anleiten können. Wichtig ist außerdem, das Training flexibel auf unterschiedliche Vorkenntnisse und Lernfortschritte auszurichten.
Gerade die Zusammenarbeit zwischen Verkehrswacht, Kommune und weiteren lokalen Einrichtungen bietet einen Ansatz, der grundsätzlich auch in anderen Städten und Landkreisen aufgegriffen werden kann.