Pedelec-Trainings für Seniorinnen und Senioren

Fahrsicherheitstraining für Pedelec-Fahrende ab 65 Jahren

Akteure: Polizeiinspektion Garbsen gemeinsam mit örtlichen Kontaktbeamtinnen und Kontaktbeamten der jeweiligen Polizeikommissariate; örtliche Partner, u. a. Feuerwehren

Projektstart: 2024, bereits vor 2024 mit anderer Konzeption

Ort: Barsinghausen und sechs weitere Kommunen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Garbsen

Handlungsfelder: Sichere Mobilität – jeder trägt Verantwortung, alle machen mit; Sicherer Radverkehr

Mehr Informationen: Verkehrsunfallprävention | Polizeidirektion Hannover

Pedelecs ermöglichen es insbesondere älteren Menschen, längere Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen und mobil und unabhängig zu bleiben. Gleichzeitig verlangen ihr höheres Gewicht und die höheren Geschwindigkeiten mehr Fahrsicherheit als beim klassischen Fahrrad. In eigens dafür konzipierten Trainings üben Seniorinnen und Senioren daher mit ihrem eigenen Pedelec in kleinen Gruppen und gewinnen durch praktische Übungen mehr Sicherheit im Straßenverkehr.


Motivation

Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Im Jahr 2025 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 61,5 % aller tödlich verunglückten Radfahrenden 65 Jahre oder älter; bei den Pedelec-Fahrenden lag ihr Anteil sogar noch höher (DESTATIS Nr. N025 vom 27. April 2026). Auch Alleinunfälle spielen eine wichtige Rolle: Bei rund jedem dritten tödlich verunglückten Radfahrenden war keine weitere Person am Unfall beteiligt. Zugleich erfreuen sich Pedelecs gerade bei älteren Menschen immer größerer Beliebtheit.

Das Pedelec-Training für Seniorinnen und Senioren setzt hier an. Im Mittelpunkt steht das praktische Üben mit dem eigenen Pedelec, um mehr Sicherheit im Umgang mit dem Fahrzeug zu gewinnen und Unfallrisiken zu reduzieren.


Maßnahmen

Die Trainings richten sich an Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren. Sie umfassen vier Stunden, pro Training können bis zu zehn Personen mit ihrem eigenen Pedelec teilnehmen. Zu Beginn des Trainings werden Helme und Fahrräder auf ihre richtige Einstellung geprüft. Während der praktischen Übungen besteht Helmpflicht. 

Der Schwerpunkt der Trainings liegt auf praktischen Übungen, die aufeinander aufbauen. Dazu gehören unter anderem:

  • sicheres Auf- und Absteigen
  • langsames und kontrolliertes Fahren
  • Bremsübungen bis hin zur Vollbremsung
  • Kurventechnik
  • Gleichgewichtsübungen
  • das Fahren durch einen Parcours

Theoretische Inhalte werden in kürzeren Einheiten sowie in Gesprächspausen zwischen den Fahrübungen vermittelt. Sie befassen sich unter anderem mit technischen Besonderheiten des Pedelecs, Verkehrsregeln und typischen Gefahrensituationen.

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Garbsen werden pro Polizeikommissariat jährlich zwei Kurse angeboten; bei entsprechender Nachfrage können zusätzliche Trainings stattfinden. Der Verkehrssicherheitsberater der Polizei Garbsen führt das Training gemeinsam mit einer Kontaktbeamtin oder einem Kontaktbeamten des jeweiligen Ortes durch. In Barsinghausen dient das Gelände der Freiwilligen Feuerwehr als Übungsplatz. Die Trainings werden über lokale Zeitungen und im Internet bekannt gegeben. Die Teilnahme ist kostenfrei.



Ergebnisse und Evaluation

Manche Teilnehmende fühlen sich zu Beginn des Trainings unsicher. Ein geschützter, von außen nicht einsehbarer Trainingsort unterstützt sie dabei, möglichst ungestört zu üben. Die kleine Gruppengröße sowie die aufeinander aufbauenden, an die Gruppe angepassten Übungen unterstützen dabei, Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Pedelec zu gewinnen.

Die Anmeldezahlen variieren je nach Kommune. Ein wichtiger Weg, um weitere Teilnehmende zu erreichen, sind persönliche Empfehlungen: Teilnehmende machen nach dem Training andere auf das Angebot aufmerksam. Um die Trainings zusätzlich bekannter zu machen und ihre Bedeutung zu vermitteln, kann außerdem die Einbeziehung von Fahrradfachgeschäften hilfreich sein – sie können Käuferinnen und Käufer eines Pedelecs direkt auf entsprechende Trainingsangebote hinweisen.

Vorstellbar sind zudem weiterführende Angebote, die das bestehende Training ergänzen und den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, erlernte Fähigkeiten zu vertiefen.


Übertragbarkeit

Das Trainingskonzept lässt sich auch in anderen Kommunen umsetzen. Nötig sind dafür qualifizierte Trainerinnen und Trainer sowie eine geeignete, geschützte Trainingsfläche. Diese muss ausreichend Platz für die fahrpraktischen Übungen bieten sowie einen Raum mit Sitzmöglichkeiten für den theoretischen Teil und die Pausen.

Wichtig ist eine überschaubare Gruppengröße, damit individuell auf unterschiedliche Fähigkeiten und Unsicherheiten der Teilnehmenden eingegangen werden kann. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern – hier mit den Kontaktbeamtinnen und Kontaktbeamten vor Ort – hilft dabei, geeignete Flächen zu organisieren und das Angebot bekannter zu machen. Unterstützend lassen sich zudem Seniorenbeiräte, Seniorentreffs, Kirchen, Kommunen, lokale Medien oder Fahrradfachgeschäfte einbinden.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt nicht nur in der fachlichen Umsetzung, sondern auch in der Ansprache der Zielgruppe – um sie über geeignete Kommunikationswege zu erreichen und mögliche Hemmschwellen gegenüber einem Fahrsicherheitstraining abzubauen.