DSR rollikids: Sicher mit dem Handbike

Fahrsicherheitstrainings für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Akteure: DRS rollikids im Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS) gemeinsam mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Projektstart: 2011 Pilotprojekt in Westerstede

Konzeption: 2011 im Rahmen der BG-Kampagne „Risiko raus!“. Pilotkurs Handbikesicherheitstraining mit anschließender Entwicklung eines Praxiskonzepts.

Ort: München und weitere

Handlungsfelder: Mobilität von Kindern und Jugendlichen; Sicherer Fußverkehr und Teilhabe für alle; Sichere Mobilität – jeder trägt Verantwortung, alle machen mit

Mehr Informationen: rollikids: Handbike; rollikids Fahrsicherheitstraining

Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die einen Rollstuhl nutzen, verfügen auch über ein Handbike. Das Fahrsicherheitstraining unterstützt sie dabei, sich mit dem Handbike sicher zu bewegen, Verkehrsregeln anzuwenden und Risiken im Straßenverkehr besser einzuschätzen.


Motivation

Handbikes ermöglichen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die einen Rollstuhl nutzen, mehr selbstständige Mobilität im Alltag. Die Handbikes unterstützen sie in ihrer Eigenständigkeit – etwa auf Wegen zur Schule, zur Ausbildung, zum Studium oder zu Freizeitaktivitäten. Auch Ausflüge oder die Teilnahme an Fahrradtouren werden durch das Handbike erleichtert.

Gleichzeitig stellt das Fahren mit dem Handbike besondere Anforderungen an eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr. Die Nutzenden erreichen höhere Geschwindigkeiten als mit dem Rollstuhl und sitzen zugleich deutlich tiefer als Radfahrende. Dadurch können sie von anderen Verkehrsteilnehmenden leichter übersehen werden.

Das Fahrsicherheitstraining setzt genau hier an: Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen üben den sicheren Umgang mit dem Handbike. Sie lernen, Verkehrsregeln im Alltag anzuwenden und gefährliche Situationen im Straßenverkehr frühzeitig zu erkennen und besser einzuschätzen.


Maßnahmen

Das Fahrsicherheitstraining umfasst drei bis vier Tage. In einer kleinen Gruppe von ca. sechs bis zehn Personen üben die Teilnehmenden im Alter von etwa 6 bis 29 Jahren den sicheren Umgang mit dem Handbike.

Das Training verbindet theoretische Inhalte mit praktischen Fahrübungen. Die Teilnehmenden lernen und üben Verkehrsregeln, Verkehrszeichen und typische Verkehrssituationen. Dabei werden bspw. Fragen der Verkehrssicherheit beim Radfahren aufgegriffen und anschaulich auf das Fahren mit dem Handbike übertragen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Fahrpraxis. Die Teilnehmenden trainieren verschiedene Fahrtechniken und üben auf unterschiedlichen Untergründen, leichten Steigungen, Abfahrten und unebenen Flächen. So gewinnen sie mehr Sicherheit im Umgang mit dem Handbike und bereiten sich auf unterschiedliche Situationen im Straßenverkehr vor. Bei gemeinsamen Ausfahrten wenden sie das Erlernte praktisch an, um für den Alltag mehr Sicherheit mit dem Handbike zu gewinnen.


Ergebnisse und Evaluation

Seit Beginn des Projekts wurden 15 Trainings angeboten. Rund 150 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben bis Juli 2026 an den Fahrsicherheitstrainings teilgenommen. Ziel ist es, jeweils ein Training im Norden, in der Mitte und im Süden Deutschlands anzubieten. In den vergangenen Jahren fanden Trainings ausschließlich im Raum München statt.

Nach dem Training fühlen sich die Teilnehmenden deutlich sicherer im Umgang mit dem Handbike. Einige Risiken beim Fahren mit dem Handbike werden den Teilnehmenden im Training erstmals bewusst. Erfahrene Trainerinnen und Trainer geben hierzu einfache, praktische Tipps.


Übertragbarkeit

Die Trainings lassen sich auch an anderen Orten umsetzen. Dafür werden geschulte Trainerinnen und Trainer benötigt. Da die Teilnehmenden unterschiedliche körperliche Voraussetzungen haben, müssen bei den gemeinsamen Ausfahrten Gruppen gebildet werden. Jede Gruppe sollte von Handbikefahrenden und zu Fuß Gehenden begleitet werden. Hierfür ist genügend Betreuungspersonal erforderlich. 

Außerdem werden Unterkünfte mit genügend barrierefreien Zimmern benötigt. Zu Beginn des Trainings braucht es einen geschützten Übungsort, zum Beispiel einen Sportplatz oder Schulhof. Hinzu kommen Materialien für den Aufbau eines Parcours.. 

Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist der Deutsche Rollstuhlsportverband (DRS) mit seiner Abteilung rollikids. Zusätzlich ist die Zusammenarbeit mit einem Handbikehersteller nötig, der die Handbikes der Teilnehmenden vor Ort prüft. Eine finanzielle Unterstützung trägt dazu bei, dass die Teilnahmegebühren nicht zu hoch ausfallen und niemand aus finanziellen Gründen auf eine Teilnahme verzichten muss. Pro Training entstehen Kosten von circa 5000 - 7000 Euro.

In der Pilotphase des Projekts wurde ein Leitfaden erstellt.