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Medikamente und Straßenverkehr

Nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch freiverkäufliche Arzneimittel können zum Risikofaktor beim Fahren werden. Das Statistische Bundesamt verzeichnete für das Jahr 2017 insgesamt 1.991 Unfälle mit Personenschaden, die sich unter dem Einfluss „anderer berauschender Mittel“ (darunter auch Drogen) ereignet haben.

Medikamente und Straßenverkehr

In Deutschland sind rund 55.000 Medikamente zugelassen. Fachleute gehen davon aus, dass sich rund 2.800 dieser Präparate (fünf Prozent) negativ auf die Teilnahme am Straßenverkehr auswirken können. Einen besonders riskanten Einfluss haben zentralwirksame Arzneimittel (Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Schmerzmittel). Aber auch andere Medikamente wie z. B. gegen Allergien und Bluthochdruck, Herzmittel (Koronarmittel), Mittel gegen Magen-Darm-Erkrankungen, Erkältungsmittel oder Psychopharmaka können Wirkstoffe enthalten, die die Fahrtüchtigkeit negativ beeinflussen. Viele dieser Wirkstoffe machen müde. Es kommt zu einer psychophysiologischen Verlangsamung. Umweltreize werden dann nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen und erkannt und/oder eine adäquate Reaktion erfolgt verzögert oder zu spät. Weitere, für die Teilnahme am Straßenverkehr bedeutsame Auswirkungen können beispielsweise Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Unruhe, starkes Schwitzen, Konzentrationsschwäche oder starke Blutdruckschwankungen sein. Es ist zu bedenken, dass grundsätzlich jedes Medikament auch zu allergischen Reaktionen führen kann.

Insbesondere Schmerz- und Erkältungsmittel, welche auch stimulierende Substanzen (z. B. Koffein) enthalten, führen kurzfristig zu einer subjektiv empfundenen Verbesserung der Symptome. Man fühlt sich fahrtüchtig. Allerdings kann dies auch bedeuten, dass man euphorisiert Gefahren im Straßenverkehr unterschätzt. Lässt die Wirkung des Medikamentes hingegen nach, kommt es häufig zu einer Ermüdung. Diese kann dann die Reaktionsfähigkeit deutlich verlangsamen. Ähnliches gilt für Arzneimittel, die Alkohol enthalten. Nicht zu unterschätzen, weil auch zum Teil nicht kalkulierbar, sind eventuelle Wechselwirkungen verschiedener Medikamenten mit anderen Medikamenten oder Getränken bzw. Speisen.

Wird der Einfluss von Drogen oder Medikamenten auf das Fahrverhalten oder auf die Entstehung eines Unfalles durch die Polizei vermutet oder festgestellt, kann eine Blutprobe angeordnet werden. In deren Folge kann die Fahrerlaubnisbehörde Zweifel an der Fahreignung der betroffenen Person anmelden. Die Behörde wird dann ein fachärztliches oder ein medizinisch-psychologisches Gutachten anfordern. 2017 wurden laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) rund 26 Prozent aller Fahreignungsüberprüfungen im Zusammenhang mit Drogen- oder Medikamenteneinnahme an Medizinisch-Psychologischen Untersuchungsstellen (MPI) durchgeführt. Fällt dieses Gutachten für den Betroffenen negativ aus, so kann die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis entziehen. 

Das Thema „Medikamente und Straßenverkehr“ ist sehr vielschichtig und zum Teil auch recht verworren. Denn nicht alle Medikamente wirken sich negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus. Ganz im Gegenteil, unter Umständen ermöglichen bestimmte Medikamente erst die Fahrtüchtigkeit. Man denke diesbezüglich vor allem an chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Einige Arzneimittel wirken sich über das zentrale Nervensystem direkt auf die Fahrfähigkeit (z. B. Reaktionsvermögen) aus, bei anderen sind es eher die Nebenwirkungen, die sich negativ auf die Fahrfähigkeit auswirken. Darüber hinaus gibt es Medikamente die erst dann zu einer Gefahr werden, wenn sie falsch angewendet werden (z. B. Überdosierung, zu frühes Absetzen, Nichtbeachten der Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder Alkohol). Letztendlich ist auch jeder Körper verschieden und jeder Mensch kann unterschiedlich auf das gleiche Präparat reagieren.

Ziel dieses Portals ist es nicht, das Thema Medikamente und Straßenverkehr aus medizinischer oder pharmakologischer Sicht zu beleuchten. Daher wird dieses Portal keine umfangreichen und detaillierten Informationen zu einzelnen Medikamente liefern. Bei Interesse finden sich zu diesen eher medizinisch/pharmakologischen Themen eine große Anzahl an Links im Internet. Weiterhin hat u.a. die Stiftung Warentest umfangreiche Literatur veröffentlicht. Auch das Thema Medikamentenabhängigkeit wird nicht tiefergehend aufgegriffen. Dazu werden lediglich weitergehende Tipps angegeben.

Ziel dieses Portals ist es vielmehr, aus einer eher psychologischen Sicht das Problem Medikamente und Straßenverkehr zu beleuchten.

Der Leser/User dieses Portals ist Fachmann/-frau für sich selbst. Das heißt er/sie wird ein mehr oder weniger routinierter Verkehrsteilnehmer und auch erfahren im Umgang mit dem eigenen Körper sowie im Umgang mit Medikamenten sein. Ziel dieses Portals ist es daher, neue oder ergänzende Anregungen und Tipps im Umgang mit Medikamenten und der Fahrtätigkeit zu geben.

 

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