Leitung: Fraunhofer IVI Accident Prevention School (FAPS)
Projektstart: 2020, schrittweise Umsetzung in weiteren Bundesländern
Projektträger: Fraunhofer IVI, in Kooperation u. a. mit dem ADAC Sachsen und Landespräventionsrat in Sachsen; Mobilitätsmanagement München, Fundacíon Mapfre
Ort: Sachsen, Brandenburg, München, Schleswig-Holstein
Handlungsfelder: Mobilität von Kindern und Jugendlichen, Sicherer Radverkehr, Sicherer Fußverkehr und Teilhabe für alle
Mehr Informationen: Interaktive Unfallprävention - Fraunhofer IVI
Reale Unfalldaten aus dem eigenen Schulumfeld und Virtual-Reality-Szenarien machen Unfallrisiken für Jugendliche anschaulich erlebbar. Dieses Konzept setzt die Fraunhofer IVI Accident Prevention School (FAPS) seit 2018 an weiterführenden Schulen um.
Ausgangslage und Ziel
Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren sind zunehmend eigenständig unterwegs – zu Fuß, mit dem Fahrrad, im ÖPNV oder mit dem E-Scooter. Damit wächst ihr Mobilitätsradius, aber auch das Risiko, in kritische Verkehrssituationen zu geraten. Gleichzeitig gibt es in dieser Altersgruppe – zwischen der Radfahrausbildung in der Grundschule und einer späteren Fahrschulausbildung – wenige Angebote der Mobilitätsbildung.
Ziel von FAPS ist es, diese Lücke zu schließen und Jugendliche für typische Unfallrisiken zu sensibilisieren. Dadurch sollen sie Gefahren frühzeitig erkennen und ihr Sicherheitsverhalten im Alltag nachhaltig stärken können.
Das Besondere an dem Projekt
Für viele Jugendliche bleibt das Thema Verkehrsunfälle abstrakt. FAPS greift daher auf reale, anonymisierte Unfalldaten aus dem unmittelbaren Schulumfeld zurück: So werden Risiken greifbar. Die Jugendlichen erkennen zudem, wo sich auf ihrem eigenen Schulweg Gefahren häufen und welche typischen Konstellationen zu Unfällen führen. Zu diesem Zweck stellen die zuständigen Unfallbehörden die benötigten Unfalldaten anonymisiert zur Verfügung.
Die Fraunhofer IVI Accident Prevention School im Video
Maßnahmen
In mehreren Unterrichtsmodulen arbeiten die Jugendlichen aktiv mit den von den Behörden bereitgestellten Daten. Sie analysieren reale Unfallkonstellationen aus ihrem Umfeld, erkennen typische Gefahrenmuster und entwickeln Strategien für vorausschauendes und defensives Verhalten.
Dazu zeichnen die Jugendlichen ihren eigenen Schulweg in eine Karte ihres Schulumfelds ein, auf der Unfälle mit zu Fuß Gehenden und Radfahrenden markiert sind. So wird sichtbar, an wie vielen Unfallstellen sie auf ihrem täglichen Schulweg theoretisch vorbeigehen oder -fahren.
An Tablets arbeiten die Jugendlichen mit dem FAPS-Softwaretool: Sie lesen anonymisierte Unfallbeschreibungen, werten relevante Parameter aus und diskutieren gemeinsam, wie es zu den jeweiligen Situationen gekommen ist. In Gruppen bereiten sie ihre Ergebnisse auf und stellen sie anschließend der Klasse vor.
Ergänzend erleben die Jugendlichen durch Virtual-Reality-Brillen typische Unfallsituationen aus unterschiedlichen Perspektiven – etwa als zu Fuß Gehende, Radfahrende oder aus der Sicht von Pkw- oder Lkw-Fahrenden. Sie erfahren, wie eingeschränkte Sicht, Fehleinschätzungen oder der tote Winkel entstehen und welche Folgen dies im Straßenverkehr haben kann.
Besonders wichtig ist dabei der Perspektivwechsel: Die Jugendlichen versetzen sich bewusst in andere Verkehrsteilnehmende hinein und lernen, dass Gefahren nicht nur durch eigenes Fehlverhalten entstehen, sondern auch durch Wahrnehmungsfehler oder Einschränkungen anderer.
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© Fraunhofer IVI
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Verkehrssicherheit
Im Unterricht lassen sich typische Unfallkonstellationen oft nur schwer anschaulich vermitteln – das gilt für Konflikte an Knotenpunkten ebenso wie für Situationen im toten Winkel oder Sichtbehinderungen. FAPS macht diese Situationen erlebbar, ohne die Jugendlichen selbst einem Risiko auszusetzen. So lernen sie Gefahren frühzeitig zu erkennen, ihr Verhalten anzupassen und auch Fehler anderer Verkehrsteilnehmender mitzudenken. Gleichzeitig stärkt das Projekt das Bewusstsein dafür, dass Unfallgefahren auch dann bestehen können, wenn man sich regelkonform verhält – etwa durch Wahrnehmungsfehler oder Sichtbehinderungen. Diese Kenntnisse sind auch für das spätere Verhalten als motorisierte Fahrerin oder Fahrer relevant.
Über Sachsen hinaus: länderübergreifende Umsetzung
Das Projekt wird seit 2019 in Sachsen in Kooperation mit dem ADAC Sachsen umgesetzt und durch den Landespräventionsrat Sachsen finanziert. Dabei wurden bisher rund 10.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Seit 2023 wird das Konzept auch in Brandenburg eingesetzt, wo bislang etwa 2.000 Schülerinnen und Schüler an den Modulen teilgenommen haben. Zudem wurde das Konzept für den Einsatz in München angepasst, wo es seit 2023 durch das kommunale Mobilitätsmanagement umgesetzt wird; weitere Umsetzungen bestehen in Berlin und Schleswig-Holstein.
Fazit
FAPS verbindet reale Unfalldaten und immersive Virtual-Reality-Elemente zu einem interaktiven Lernformat, das Verkehrssicherheit für Jugendlich konkret und nachvollziehbar macht. Das Projekt schließt eine Lücke in der Mobilitätsbildung Jugendlicher und trägt dazu bei, vorausschauendes und verantwortungsbewusstes Verhalten im Straßenverkehr zu fördern.