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Wer auf den Kindersitz verzichtet, spielt mit dem Leben seines Kindes!

Leser-Telefon-Aktion zur richtigen Kindersicherung im Pkw

Bonn, 15. Juli 2011 (DVR) – Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder unter 15 Jahren stieg 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent an – fast jedes zweite Kind verunglückte dabei als Mitfahrer in einem Auto, so die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Ungesicherte Kinder haben im Auto ein siebenmal höheres Risiko schwer verletzt oder getötet zu werden. Dennoch sind die kleinen Mitfahrer häufig nicht ausreichend gesichert: In der Altersgruppe der über Sechsjährigen achtet nur noch etwas mehr als die Hälfte der Eltern auf den richtigen Schutz. Daneben haben viele Eltern Probleme mit der richtigen Handhabung der Sicherungssysteme. Was es von der Auswahl des passenden Sitzes über die Montage bis zur richtigen Bedienung zu beachten gilt, wussten die Experten an unserem Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen der Leserinnen und Leser und die Antworten zum Nachlesen:

Sind Sitze mit Isofix-Befestigung herkömmlichen Kindersitzen in punkto Sicherheit überlegen?
Günter Trunz: Bei Sitzen der Gruppe I - das sind Kleinkindersitze für Kinder von neun bis 18 Kilogramm - sind Sitze mit Isofix-Befestigung am sichersten. Durch die Fixierung des Sitzes direkt am Chassis werden bei einem Crash die Belastungswerte für das Kind deutlich verringert. Bei Sitzen der Gruppe 0 liegt der Vorteil im schnellen Ein- und Ausbau und darin, dass das Risiko für eine falsche Gurtführung entfällt. Isofix-Sitze der Gruppen II und III für Kinder von etwa vier bis 12 Jahren sind sinnvoll, aber in der Sicherheitswirkung ähnlich wie herkömmliche Sitze.

Wie finde ich heraus, welcher Sitz zu welchem Auto passt?
Andreas Bergmeier: Sie müssen es ausprobieren! Der Sitz sollte gerade stehen und nicht wackeln, außerdem muss die Gurtlänge ausreichend sein. Testen Sie vor dem Kauf also unbedingt, ob sich der Sitz problemlos einbauen lässt. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um von der Säuglingsschale auf den Kleinkindersitz zu wechseln?
G. Trunz: Die meisten Eltern wechseln zu früh den Sitz – meist wenn die Kinder mit den Füßen gegen die Rückenlehne stoßen. Unfallexperten empfehlen dagegen, erst dann einen Kleinkindersitz zu verwenden, wenn das Kind etwa 12 Kilogramm wiegt – das entspricht in der Regel einem Alter von anderthalb bis eindreiviertel Jahren! Bei einem zu frühen Wechsel in nach vorne gerichtete Sitze besteht das Risiko für schwere Halswirbelsäulenverletzungen.

Ich habe gelesen, dass Kinder oft falsch in den Sitzen angeschnallt werden. Was sind denn die häufigsten Anwendungsfehler?
G. Trunz: Bei Säuglingsschalen wird oft der Becken- und Schultergurt vertauscht. Der Schultergurt muss immer hinter der Schale und dem Rücken des Kindes entlang geführt werden, der Beckengurt liegt vorne über der Schale. Bei Sitzkissen oder einfachen Sitzerhöhungen achten viele Eltern nicht darauf, dass der Beckengurt immer unter den Hörnchen verlaufen muss – sonst drohen bei einem Unfall schwere innere Verletzungen im Bauchraum.

Kann ich den alten Kindersitz von meinem ersten Kind für das kleine Geschwisterchen benutzen?
G. Trunz: Generell sollte ein Kindersitz nicht länger als etwa acht Jahre genutzt werden. Ansonsten gilt für die neuerliche Verwendung: Der Sitz muss unbeschädigt und unfallfrei sein. Außerdem muss er die ECE-Regelung 44 mit den Prüfnormen 04 oder 03 aufweisen. Die Nutzung älterer Kindersitze mit den Normen 02 oder 01 ist seit April 2008 bei Strafe verboten, wir sprechen hier von Sitzen, die vor 1999 hergestellt wurden. Sie finden die Angaben auf einer fest am Sitz angebrachten orangefarbenen Prüfplakette. Die ersten beiden Ziffern der Prüfnummer geben Aufschluss über die Norm. Die Prüfnummer befindet sich in der Mitte der Plakette, direkt unter dem umkreisten E.

Darf ich mein Kind auch auf dem Beifahrersitz befördern?
A. Bergmeier: Sie dürfen Kinder mit einem passenden Kindersitz auch vorne im Auto befördern. Sie sollten allerdings vorher in der Bedienungsanleitung Ihres Wagens nachschauen, was der Hersteller empfiehlt, also ob der Airbag ausgeschaltet werden und in welcher Position sich der Sitz befinden sollte. Bei rückwärtsgerichteten Sitzen muss der Airbag immer ausgeschaltet sein! Manche Hersteller schließen die Beförderungen von Kindern auf dem Beifahrersitz auch aus. Wenn Sie es trotzdem tun, machen Sie nichts Ungesetzliches, der Hersteller ist im Schadensfalle allerdings nicht haftbar. Generell ist für Kinder der sicherste Platz auf der Rückbank.

Was taugen einfache Sitzerhöhungen ohne Seitenlehnen?
Andreas Ratzek: Einfache Sitzerhöhungen sollten Sie nur im Notfall verwenden, beispielsweise wenn Sie einen Freund Ihres Kindes nach Schule oder Kindergarten spontan mitnehmen. Für den täglichen Gebrauch sind sie allerdings nicht zu empfehlen, da unter Sicherheitsaspekten drei wichtige Dinge fehlen: Sie haben keine Führung des Schultergurts und damit auch keinen optimalen Gurtverlauf, ein schlafendes Kind wird nicht abgestützt und kann aus dem Gurt rutschen und der gravierendste Mangel - eine einfache Sitzerhöhung bietet keinerlei Schutz bei einem Seitenaufprall.

Müssen Kinder auch im Taxi gesichert werden?
A. Ratzek: Ja, im Taxi gelten die gleichen gesetzlichen Bestimmungen für den Transport von Kindern, wie sonst auch. Taxifahrer müssen mindestens zwei Sitze für Kinder bereitstellen – einen für Kinder von neun bis 36 Kilogramm und einen weiteren für Kinder von 15 bis 36 Kilogramm. Eine Babyschale müssen Sie selbst mitbringen. Generell empfiehlt es sich, direkt bei der Bestellung eines Taxis die Kinder mit anzumelden, so dass jedes Kind entsprechend gesichert werden kann.

Wie transportiere ich mehrere Kinder im Auto am sichersten?
A. Bergmeier: Wenn nicht alle Kinder auf der Rückbank Platz haben, sollten Sie das älteste Kind mit der entsprechenden Sicherung auf dem Beifahrersitz platzieren. Bedenken Sie auch: Wenn der mittlere Platz auf der Rückbank nur einen Beckengurt hat, dürfen die meisten Kindersitze hier nicht verwendet werden. Ein Blick in die Bedienungsanleitung des Sitzes gibt Ihnen Gewissheit.

Die Experten am Lesertelefon im Überblick

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