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Editorial

 

Verkehrssicherheit muss Vorrang haben
 

Im vergangenen Jahr sind 3.275 Menschen auf unseren Straßen ums Leben gekommen, knapp 68.000 wurden schwer verletzt. Die Anzahl getöteter Radfahrender ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Prozent gestiegen. Angesichts dieser Zahlen muss Mobilität in Deutschland neu gedacht werden.

Das kürzlich gegründete „Bündnis für moderne Mobilität“, das sich aus Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der Verkehrsministerkonferenz der Länder und den kommunalen Spitzenverbänden zusammensetzt, ist ein richtiger Schritt, allerdings muss die Verkehrssicherheit ein fester Bestandteil des Bündnisses werden.

Der Schutz von Menschenleben muss bei allen Planungs- und Gestaltungsvorhaben Vorrang haben. Was nutzen der Bau von unzähligen Radwegen oder neue Formen der Mobilität, wenn man sich auf oder mit ihnen nicht sicher fortbewegen kann? Gefragt sind intelligente Lösungen zur sicheren und gerechten Aufteilung des Verkehrsraums, denn der Straßenverkehr in unseren Städten wird immer komplexer und unübersichtlicher. Autos stehen im Stau, der Anteil an Fahrrädern und Pedelecs steigt, und es kommen neue Verkehrsmittel wie die E-Scooter hinzu. Dazwischen parken Lkw und Transporter auf der Straße oder auf Radwegen, um Waren oder Pakete ausliefern zu können. Auf Gehwegen geparkte Pkw verhindern das Durchkommen von Menschen, die mit einem Rollator unterwegs sind, oder von Eltern mit Kinderwagen. Tagtäglich wird auf unseren Straßen um den immer knapper werdenden Platz gerungen. Der Verkehr wird unübersichtlicher und damit gefährlicher, insbesondere für den Fuß- und Radverkehr.

Eine Neuverteilung des Verkehrsraums ist daher notwendig, um den aktuellen Anforderungen der verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen an den Straßenverkehr gerecht zu werden und eine sichere Mobilität zu ermöglichen. Gefahren müssen entschärft werden. So sieht es auch die Vision Zero vor, zu der sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag bekannt hat.

Das wollen übrigens auch die Verkehrsteilnehmenden. Eine von der Stiftung Mercator geförderte Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung aus diesem Jahr zeigt: Eine Mehrheit befürwortet eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums zugunsten von Fahrrad und ÖPNV, auch auf Kosten von Parkplätzen und Fahrspuren für den Autoverkehr.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre,
herzlichst, Ihr

Sven Rademacher, Chefredakteur
rademacher@vkm-dvr.de

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