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Editorial

 

Mehr Investitionen in die Verkehrssicherheit
 

Die Unfallzahlen für das Jahr 2018 sind mehr als unbefriedigend. Im vergangenen Jahr kamen 3.275 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, das waren 95 Verkehrstote mehr als 2017. Weitere 67.967 Verkehrsteilnehmende wurden schwer und 328.051 leicht verletzt. Die meisten Getöteten (57 Prozent) waren bei Unfällen auf Landstraßen zu verzeichnen. Knapp ein Drittel (903 Menschen) war zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Stark gestiegen ist die Zahl der getöteten Radfahrenden (+ 63 Getötete oder + 16,5 Prozent).

Angesichts dieser Entwicklung sind mehr Investitionen in die Infrastruktur unumgänglich. Das betrifft die Landstraßen ebenso wie Straßen innerorts. Wer die Vision Zero verfolgt, muss bei der Planung neuer Straßen zuerst an die schwächeren Verkehrsteilnehmenden denken und ihnen den nötigen Platz zugestehen. So müssen zum Beispiel die Breiten von Radverkehrsanlagen dringend an den gestiegenen Radverkehr angepasst werden. An Kreuzungen und Einmündungen müssen die Sichtbeziehungen verbessert werden. Möglich ist das zum Beispiel mit sogenannten „Protected Intersections“ nach niederländischem Vorbild. Sie trennen den Radverkehr vom Kfz- und Fußverkehr an unfallträchtigen Kreuzungsbereichen.

Kommunen sollten auch vermehrt über die Herabsetzung der Regelgeschwindigkeit auf 30 km/h nachdenken. In Ortschaften würde das die subjektive Sicherheit von Radfahrenden erheblich erhöhen und zugleich Autofahrenden die Möglichkeit geben, in kritischen Situationen rechtzeitig zu handeln.

Aufgrund der hohen Anzahl Getöteter auf Landstraßen fordert der DVR bereits seit längerem ein Tempolimit von 80 km/h auf schmalen Landstraßen. Eine Hauptursache für Unfälle auf diesen Straßen ist nicht angepasste Geschwindigkeit. Die fehlende Trennung vom Gegenverkehr, schwierige Sichtbeziehungen vor Kreuzungen und Einmündungen oder schlechte Überholmöglichkeiten erhöhen das Unfallrisiko auf diesen Straßen weiter. Säumen Bäume nahe des Fahrbahnrands die Straße, sind die Folgen bei einem Unfall häufig besonders dramatisch. Idealerweise sollten deshalb die Seitenräume von Landstraßen von Hindernissen freigehalten werden. Ist dies nicht möglich, sollten Schutzplanken, bei Bedarf mit Unterfahrschutz, aufgestellt werden.

Eine neue Kampagne mit dem Titel „Schön gefährlich!“ in Mecklenburg-Vorpommern gegen den Unfalltod in Alleen macht jetzt mit zahlreichen Maßnahmen auf die besonderen Gefahren aufmerksam. Alle Informationen zur gelungenen Kampagne finden Sie ab Seite 12.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre,
herzlichst, Ihr

Sven Rademacher, Chefredakteur
rademacher@vkm-dvr.de

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