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Rundschau

 

Vorfahrt für Vision Zero

Ziel: keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr

Vision Zero geht von zentralen Grundannahmen aus:

  1. Menschen machen Fehler.
  2. Die physische Belastbarkeit des Menschen ist begrenzt.
  3. Das Leben ist nicht verhandelbar.
  4. Die Menschen haben ein Recht auf ein sicheres Verkehrssystem und auf eine sichere Arbeitswelt.

Der Schutz und die Unversehrtheit des menschlichen Lebens stehen heute wie vor 50 Jahren im Vordergrund der Verkehrssicherheitsarbeit des DVR. Seit Oktober 2007 legt der DVR seiner koordinierten Verkehrssicherheitsarbeit die Sicherheitsstrategie „Vision Zero. Keiner kommt um. Alle kommen an.“ zugrunde.

Ziel der Vision Zero ist: keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr. Kern der Strategie ist ein sicheres Verkehrssystem und die Einsicht, dass der Mensch als Teil dieses Systems nicht fehlerfrei agiert. Die Gestaltung der Verkehrsmittel und der Verkehrswege muss dieser Erkenntnis entsprechen und die Regelwerke zur Teilnahme am Straßenverkehr sind entsprechend anzupassen.

Vision Zero als politisches Programm setzt Prioritäten. Und diese Priorität muss lauten: Bei der Abwägung von unterschiedlichen Werten oder Zielen muss die Unversehrtheit des Menschen an erster Stelle stehen. Leben ist nicht verhandelbar. Seinen Ursprung hatte Vision Zero vor 200 Jahren in der chemischen Industrie. Seit 1997 sind die Grundsätze der Vision Zero gesetzliche Grundlage für die schwedische Verkehrspolitik und hielten seitdem Einzug in mehreren europäischen und außereuropäischen Ländern.

Beispiel Schweden
In Europa bekam die Vorstellung von „Null Unfällen“ in den 1990er Jahren Gewicht, als es darum ging, politische Strategien zu entwickeln, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. In Schweden, wo man die Risiken der chemischen Industrie nach den Katastrophen von Seveso und Bhopal sehr intensiv diskutiert und kurzzeitig sogar ein vollständiges Verbot der chemischen Industrie erwogen hatte, übertrug das Verkehrsministerium den konsequenten Weg der Vermeidung schwerer Unfälle offiziell auf den Bereich der Verkehrssicherheit und bezeichnete dies erstmals als „Vision Zero“. „Die Nullvision“, heißt es in einer Veröffentlichung von „Vägverket“, des Schwedischen Zentralamts für Straßenwesen, „ist das Bild einer Zukunft, in der niemand im Straßenverkehr getötet oder so schwer verletzt wird, dass er lebenslange Schäden davonträgt“. Das ist die bis heute gültige Definition der Strategie Vision Zero. Die gemeinsame Verantwortung von Verkehrsraum, Fahrzeug und Verkehrsteilnehmenden wird dabei erstmals klar beschrieben: „Verkehrssicherheitsarbeit im Sinne der Nullvision bedeutet, dass Straßen und Fahrzeuge in höherem Maße an die Voraussetzungen des Menschen angepasst werden müssen und dass diejenigen, die das Straßenverkehrssystem gestalten und nutzen, sich die Verantwortung für dessen Sicherheit teilen“. Seit 1997 ist die Vision Zero durch das in diesem Jahr vom schwedischen Parlament verabschiedete Gesetz die Grundlage der schwedischen Verkehrspolitik.

Vision Zero im Straßenverkehr
Der Denkansatz von Vision Zero, der in anderen Lebensbereichen, zum Beispiel im Arbeitsschutz, in vielen Ländern selbstverständlich und erfolgreich ist, kann auch im Straßenverkehr verfolgt werden: bei der Straßenverkehrsinfrastruktur durch fehler­verzeihende Straßen, Kreisverkehre, Trennung von Verkehrsarten etc.; im Bereich der Fahrzeugtechnik durch elektronische Fahrerassistenzsysteme oder Car-2-X-Kommunikation; in der Rechtsprechung wären ein Alkoholverbot am Steuer oder die Anpassung der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten Beispiele.

Nicht jede dieser Maßnahmen ist neu. Neu ist jedoch, dass das Verkehrssystem letztlich wie ein Arbeitsplatz betrachtet wird, der so gestaltet sein muss, dass der Mensch weitgehend vor schwerwiegenden Folgen (menschlicher) Fehler geschützt ist. Aus dieser Betrachtungsweise ergibt sich fast automatisch, dass es eine gemeinsame Verantwortung für ein sicheres Verkehrssystem geben muss (Politik, Fahrzeughersteller, Behörden etc.).

Potenziale nutzen
Für die Verkehrssicherheitsarbeit bedeutet das, alle Potenziale zu nutzen, um das System Straßenverkehr sicherer zu machen. Naturgemäß liegt dabei ein besonderes Gewicht auf der Straßenverkehrs- und Fahrzeugtechnik. Um das Ziel, Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr zu vermeiden, zu erreichen, geht für den DVR ein sogenannter gefährdungsorientierter Ansatz mit der Vision Zero einher: Wie setzen wir mit welchen Maßnahmen wo an, um möglichst effektiv die Zahlen der Getöteten und Schwerverletzten zu reduzieren?

Bereits 2013 hat der DVR auf Basis der Empfehlungen seiner Vorstandsausschüsse 14 sogenannte Top-Maßnahmen definiert, deren Umsetzung eine höchstmögliche Reduzierung der Getöteten- und Schwerverletztenzahlen versprach. Zu den meisten dieser Top-Maßnahmen wurden in den vergangenen fünf Jahren vom DVR Beschlüsse gefasst. Nunmehr sind die 14 Top-Maßnahmen diesen Beschlüssen redaktionell angepasst und zum Teil gebündelt worden. Das Ergebnis sind die aktuellen zehn „Top-Forderungen des DVR zur Verkehrssicherheit“, die sich auch in diesem Heft wiederfinden.

„Das Straßenverkehrssystem ist nicht an die Tatsache angepasst, dass Menschen manchmal Fehler machen. Den perfekten Menschen gibt es nicht. Im Straßenverkehr geschieht es viel zu oft, dass einfache Fehler mit dem Tod bestraft werden.“

(Vägverket, Die Nullvision, Schwedisches Zentralamt für Straßenwesen)

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Von „Hallo Partner – danke schön“ bis „Runter vom Gas“

Öffentlichkeitswirksame Kampagnen des DVR im Überblick

Kampagnen sind in der Verkehrssicherheitsarbeit unverzichtbar, selbstverständlich, aber auch kein „Allheilmittel“, das alle Probleme löst. Verkehrssicherheitskampagnen versuchen zunächst, Aufmerksamkeit zu wecken, Wissen zu vermitteln, ein Problembewusstsein zu schaffen und für das Thema zu sensibilisieren. Es soll in sicherheitsförderlicher Weise auf das Verhalten von Verkehrsteilnehmenden eingewirkt werden. Kampagnen machen deutlich, was wünschenswertes Verhalten im Straßenverkehr ausmacht. Doch eine intelligente Kampagne muss es erst einmal in das Bewusstsein einer möglichst breiten Öffentlichkeit schaffen. Dabei sollte nicht auf Schockeffekte gesetzt werden, deren Wirkung schnell wieder verpufft. Auch wenn eine Kampagne nur aus „bunten Plakaten“ besteht, wird sie keinen nachhaltigen Effekt erzielen. Deshalb ist es wichtig, sich zusätzlich auf kleinere zielgruppenorientierte Kommunikationsprojekte zu fokussieren, zum Beispiel in Schulen, Fahrschulen oder Diskotheken, wenn es um eine Kampagne speziell für junge Fahrer und Fahrerinnen geht.

Auch wenn der Einfluss verhaltensbeeinflussender Maßnahmen auf die Reduzierung der Unfallzahlen nicht immer erfasst werden kann, ist international unbestritten, dass aufklärende Maßnahmen wichtig sind. Auch für den DVR waren und sind im Sinne der Sicherheitsstrategie „Vision Zero – keiner kommt um, alle kommen an“ öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden positiv beeinflussen, ein wichtiger Bestandteil seiner Präventionsarbeit. Denn das Leben ist zu schön, um es leichtsinnig im Straßenverkehr aufs Spiel zu setzen, um es mit einer zentralen Botschaft der bundesweiten Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ zu sagen.

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