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Sicherheitspotenziale ausschöpfen

Top-Forderungen zur Umsetzung der Vision Zero

Bereits 2013 definierte der DVR 14 sogenannte Top-Maßnahmen, deren Umsetzung die höchstmögliche Reduzierung der Zahl der Getöteten und Schwerverletzten versprach. Zu den meisten dieser Top-Maßnahmen wurden in den vergangenen Jahren vom DVR Beschlüsse gefasst. Nunmehr sind die Maßnahmen diesen Beschlüssen angepasst und zum Teil gebündelt worden.

Das Ergebnis sind zehn Top-Forderungen zur Umsetzung der Vision Zero. Mit der Reihenfolge ist keine Gewichtung verbunden.

Hier die Auflistung der Top-Forderungen mit Kommentaren aus dem DVR-Mitgliederkreis:

Top 1
Verkehrsüberwachung gezielt verstärken

  • Finanzielle und personelle Ausstattung der Polizei und entsprechender staatlicher Überwachungsorgane entsprechend erhöhen und die Aus- und Weiterbildung verbessern
  • Prävention und Verfolgung von Verkehrsverstößen durch verbesserte behördliche Zusammenarbeit stärken
  • Modellversuch Section Control durchführen

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG)
„Der Straßenverkehr ist zuweilen ein Spiegelbild einer Gesellschaft, in der Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Ellenbogenmentalität vorherrschen. Deshalb ist umfassende Verkehrsüberwachung mit modernster Technologie und klaren Sanktionen nötig, wenn wir die schrecklichen Unfallfolgen in den Griff bekommen wollen.“

Top 2
Höchstgeschwindigkeiten anpassen

  • Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen mit Fahrbahnbreite bis einschließlich sechs Meter auf 80 km/h reduzieren
  • Auf Landstraßen Überholverbot in Bereichen mit unzureichenden Überholsichtweiten durchsetzen
  • Modellversuch zur Umkehrung der Regelgeschwindigkeit innerorts von 50 auf 30 km/h durchführen

Stefan Heimlich, Vorsitzender Auto Club Europa e.V. – ACE
„Mehr als die Hälfte aller Verkehrstoten in Deutschland ist auf Landstraßen zu beklagen. Um diese erschreckend hohen Opferzahlen schnell und dauerhaft zu senken, muss aus Sicht des ACE hier offen über Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote diskutiert werden – vor allem auf unübersichtlichen und schmalen Strecken.“

Top 3
Baumunfälle verhindern

  • Seitenräume von Landstraßen hindernisfrei gestalten
  • Bei bestehenden Bäumen im kritischen Bereich Einsatz von passiven Schutzeinrichtungen verstärken
  • Zulässige Höchstgeschwindigkeit auf baumbestandenen Straßen reduzieren und deren Einhaltung effizient überwachen

Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.
„Die Statistik zeigt, dass viele schwere Baumunfälle in schmalen Straßen stattfinden und eine Reduktion auf 70 km/h mit entsprechender Überwachung dort Wirkung zeigt. Deshalb ist es verwunderlich, dass von diesem Instrument nur sehr zögerlich Gebrauch gemacht wird.“

Top 4
Sicherheit für Motorradfahrende erhöhen

  • Merkblatt zur Verbesserung der Straßeninfrastruktur für Motorradfahrende (MVMot 2018) umfassend und in allen Ländern umsetzen
  • Erkennbarkeit von Motorradfahrenden verbessern




Matthias Haasper, Forschungsleiter des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz)
„Motorradsicherheit beginnt mit entsprechender Kopfarbeit. Für Verantwortungsträger und Entscheider bedeutet dies, mit Hilfe des MVMot die Umsetzung einer motorradfreundlichen Infrastruktur zu forcieren und dabei stets die fahrzeugspezifischen Risiken im Blick zu behalten.“

Top 5
Sicherheit durch Verbesserung der Infrastruktur erhöhen

  • Erprobte Infrastrukturmaßnahmen konsequent anwenden
  • Einsatz der Instrumente Verkehrsschau, Unfallkommission, Bestandsaudit und Sicherheitsaudit sicherstellen
  • Sicherheit an Kreuzungen, Einmündungen und Kreisverkehren erhöhen

Markus Lewe, Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster
„Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) war beim Thema Verkehrssicherheit und Unfallprävention stets ein wichtiger, unermüdlicher und kompetenter Mahner. Ihm kommt auch zukünftig eine wichtige Funktion zu, etwa wenn das Verkehrssicherheitsprogramm von Bund und Ländern fortzuschreiben ist.“

Top 6
Fahrerassistenzsysteme, Automatisierung und Vernetzung forcieren

  • Ausrüstung von Fahrzeugen mit sicherheitsrelevanten Fahrassistenzsystemen konsequent fördern und durchsetzen
  • Nachgewiesene Sicherheitspoten­ziale automatisierter Fahrfunktionen und des vernetzten Fahrens nutzen

Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und Vizepräsident DVR
„Fahrerassistenzsysteme, automatisierte und vernetzte Funktionen haben großes Potenzial, die Verkehrssicherheit voranzubringen – wenn sie in der Flotte weit genug verbreitet sind und über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg zuverlässig funktionieren. Wir plädieren deshalb dafür, die Ausrüstung von Fahrzeugen mit diesen Sicherheitssystemen konsequent zu fördern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sie im Rahmen der Hauptuntersuchung auf ihre Funktion geprüft werden können.“

Top 7
Sicherheit für den Fuß- und Radverkehr erhöhen

  • Infrastruktur für zu Fuß Gehende und Radfahrende verbessern
  • Erkennbarkeit von zu Fuß Gehenden und Radfahrenden erhöhen
  • Helmtragen von Fahrrad- bzw. Pedelecfahrenden fördern
  • Abbiege-Assistenten entwickeln und vorschreiben
  • „Holländischen Griff“ publik machen

Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC)
„Für die Sicherheit von Radfahrenden brauchen wir in erster Linie eine klare, durchgängige Fahrrad-Infrastruktur. Ohne bessere Radwege sind alle anderen Maßnahmen Flickwerk.“

Top 8
Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss verhindern

  • Alkoholverbot am Steuer durchsetzen
  • Alkohol-Interlock-Programme einführen
  • Für Radfahrende Ordnungswidrigkeitentatbestand ab 1,1 Promille Blutalkoholkonzentration einführen



Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband
„Alkohol-Wegfahrsperren sind eine gute Möglichkeit, um Alkoholfahrer bei der Rehabilitation zu unterstützen. Die Politik sollte dafür jetzt die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.“

Top 9
Qualifizierung von Fahranfängerinnen und Fahranfängern verbessern

  • Begleitetes Fahren fördern
  • Obligatorische Lernzeitverlängerung für Fahranfängerinnen und Fahranfänger einführen
  • Curriculum für die Fahrausbildung entwickeln und verpflichtend einführen/li>

Dieter Quentin, Vorsitzender Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V.
„Eine moderne Fahrausbildung sollte zukünftig auf Grundlage eines verpflichtenden Rahmencurriculums durchgeführt werden.
Weitere Maßnahmen, zum Beispiel effektives begleitetes Fahren, sollen als Lernzeitverlängerung das Unfallrisiko von Fahranfängern reduzieren“.

Top 10
Gefahren durch Ablenkung verringern

  • Verhaltensänderung im Umgang mit Informations- und Kommunikationssystemen (u.a. Smartphones) erzeugen
  • Technische Möglichkeiten zur Verringerung von Ablenkungsgefahren ausschöpfen

Professor Dirk Windemuth, Leiter des Instituts für Arbeit und Gesundheit (IAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
„Volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ist unerlässlich. Das gilt auch in Situationen, in denen wir uns sicher fühlen – denn dann ist die Gefahr, sich abzulenken, ganz besonders groß. Es gilt immer: Meine Aufmerksamkeit schützt Leben und Gesundheit!“

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