Menu Suche
 

Mitglieder

 

Neues Förderprogramm für Abbiegeassistenten

BMVI fördert die freiwillige Aus- und Nachrüstung von Lkw und Bussen mit fünf Millionen Euro pro Jahr

Immer wieder kommen Radfahrende oder Fußgängerinnen und Fußgänger ums Leben, weil sie von abbiegenden Lkw oder Bussen übersehen werden. Fachleute sind sich einig, dass Abbiegeassistenzsysteme entscheidend dazu beitragen könnten, solche Unfälle zu vermeiden. Laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten durch die Abbiegeassistenten 60 Prozent der schweren Unfälle durch abbiegende Lkw verhindert werden. Die EU sieht jedoch nach derzeitigem Stand erst ab 2024 einen verpflichtenden Einbau von Abbiegeassistenten vor, der zudem nur für Neufahrzeuge gelten soll.

Aktion Abbiegeassistent

Deshalb hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die „Aktion Abbiegeassistent“ ins Leben gerufen. Mit diesem Förderprogramm soll die Ausrüstung mit Abbiegeassistenten einschließlich der wichtigen Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen schneller vorangebracht werden.

Abbiegeassistenten sind verfügbare technische Lösungen, die im Straßenverkehr Leben retten können: Sie warnen Lkw- und Busfahrende, wenn diese beim Abbiegen Fußgänger und Fußgängerinnen oder Radfahrende gefährden würden. Da eine europaweite Lösung erst erarbeitet wird, setzt das BMVI mit der „Aktion Abbiegeassistent“ seit 2018 nationale Anreize für eine freiwillige Verpflichtung.

Das neue Förderprogramm wird ein Volumen von fünf Millionen Euro pro Jahr haben und voraussichtlich fünf Jahre gelten.

Ab dem 21. Januar 2019 konnten Anträge für eine Förderung beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG) gestellt werden. Die Nachfrage war enorm: Bereits am 25. Januar waren die 2019 zur Verfügung stehenden Mittel durch die bisher eingegangenen Förderanträge gebunden.

Europaweite Regelung

Das BMVI setzt sich mit Nachdruck sowohl in der EU als auch bei der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) dafür ein, dass Abbiegeassistenzsysteme europaweit vorgeschrieben werden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat sich unter österreichischer Ratspräsidentschaft dafür eingesetzt, den Zeitplan für die Umsetzung zu verkürzen.

Eine Regelung, die auf einem Entwurf des BMVI basiert und erstmalig verbindliche Anforderungen an Abbiegeassistenzsysteme festlegt, ist am 9. Oktober 2018 bei der UNECE von der Expertengruppe zur Allgemeinen Sicherheit beschlossen worden und befindet sich derzeit im weiteren Abstimmungsprozess. Die Regelung wird nach derzeitigem Stand ab Ende 2019 anwendbar sein. Infolgedessen wird die EU dann zur Umsetzung schreiten. Geplant ist, dass auf europäischer Ebene ein verpflichtender Einbau von Abbiegeassistenten spätestens ab 2022 in allen neuen Fahrzeugtypen und ab 2024 in allen Neufahrzeugen erfolgt.

Technische Anforderungen

Gemäß den Anforderungen soll ein Abbiegesystem unter anderem Radfahrende von statischen Objekten unterscheiden können. Auf Nachrüstungen sind diese Anforderungen jedoch nicht vollständig anwendbar, da die Nachrüstsysteme nicht von Anfang an in der Fahrzeugelektronik berücksichtigt wurden und nicht immer komplett integriert werden können. Das BMVI hat deshalb Mindestanforderungen für Abbiegeassistenzsysteme auf Grundlage von Kriterien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erstellt. Dabei sind die geplanten Anforderungen der derzeit bei der UNECE abzustimmenden Regelung so angepasst, dass sie bei Nachrüstungen erfüllt werden können – und zugleich Radfahrende bestmöglich geschützt werden.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat zwischenzeitlich die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für die ersten beiden Abbiegeassistenzsysteme an die LUIS Technology GmbH und die Wüllhorst Fahrzeugbau GmbH erteilt. Zwei Speditionen – die Transportgesellschaft Doll KG und Edeka Südbayern – haben ihre Fahrzeuge bereits mit diesen Abbiegeassistenzsystemen nachrüsten lassen.

Selbstverpflichtung der Unternehmen

Um verstärkt auf freiwillige Nachrüstung zu setzen, hat Bundesminister Scheuer die „Aktion Abbiegeassistent“ gestartet. Dabei verpflichten sich Unternehmen, vor dem verbindlichen Einführungsdatum auf EU-Ebene ihren Fuhrpark mit Abbiegeassistenten nachzurüsten oder Neufahrzeuge mit Abbiegeassistenten anzuschaffen oder auf ihre Vertragspartner entsprechend einzuwirken. Seit dem Start im Juli 2018 mit elf Sicherheitspartnern sind 33 neu ausgezeichnet worden. Insgesamt sind es damit 44 offizielle Sicherheitspartner, darunter alle großen Supermarktketten.

Ziel des BMVI ist es, alle nationalen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Einführung von Abbiegeassistenten zu beschleunigen. Deshalb gibt es nun ein neues Förderprogramm für Nutzfahrzeuge ab 3,5 Tonnen. Hinsichtlich der Unterstützung des Einbaus von Abbiege-Assistenzsystemen sowie der Ausrüstung mit Kamera-Monitor-Systemen bei mautpflichtigen Nutzfahrzeugen ab 7,5 Tonnen löst dieses Programm das bisherige Programm zur Förderung der Sicherheit und Umwelt in Unternehmen des Güterkraftverkehrs („de-minimis-Programm“) ab. Davon abgesehen läuft das „de-minimis-Programm“ weiter.

nach oben


 

Hinsehen, anpacken, Leben retten

Die guten Taten der „Kavaliere der Straße“

Von Julia Fohmann

Rund 7.000 Unfälle ereignen sich jeden Tag im Straßenverkehr in Deutschland. Unabhängig von der Schwere der Folgen – immer geht es um Menschen, die Hilfe benötigen. Manchmal genügen tröstende Worte, manchmal braucht es beherztes Zupacken. Genau dieses Ver- halten zeichnet „Kavaliere der Straße“ aus. Einige dieser Menschen stellt der DVR in dieser Rubrik vor, wie Andreas Bauer aus Postau-Hofberg in Bayern, Mitarbeiter bei der Autobahnmeisterei in Wörth an der Isar.

Herr Bauer, wo und wann hat sich der Unfall ereignet?
Das war im Februar 2018 auf der A92 Richtung Deggendorf, kurz vor der Abfahrt Dingolfing Ost.

Was genau ist passiert?
Ich war mit dem Streufahrzeug unterwegs, als mir eine Geisterfahrerin entgegenkam.

Wie haben Sie geholfen?
Ich habe die nächste Ausfahrt genommen, um auf die entgegengesetzte Fahrbahn zu kommen. Außerdem habe ich die Polizei alarmiert und ihr den Standort der Geisterfahrerin mitgeteilt. Mit meinem Streufahrzeug, mit dem ich unterwegs war, bin ich auf die Höhe der Geisterfahrerin und dort quasi neben ihr hergefahren. Mit Lichtzeichen habe ich versucht, sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie in die falsche Richtung fährt. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, mit den Lichtzeichen auch die Fahrenden der entgegenkommenden Fahrzeuge warnen zu können. Leider hat das nicht geholfen. Ein Mann kollidierte mit der Geisterfahrerin.

Konnten Sie weiterhelfen?
Glücklicherweise ja. Ich habe Erste Hilfe geleistet und der Polizei dabei geholfen, den kritischen Bereich abzusperren. Zum Glück gab es keine Verletzten.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die Geisterfahrerin entdeckt haben?
Das war ein ganz mulmiges Gefühl, weil ich sofort erkannt habe, dass ein Unfall passieren kann. Gleichzeitig hatte ich einen Adrenalinschub.

Was glauben Sie, macht einen „Kavalier der Straße“ aus?
Kavaliere machen die Augen auf und schauen nicht weg. Es wird in so vielen Situationen Hilfe gebraucht. Sie packen mit an.

Die Autorin ist Pressesprecherin beim DVR.
jfohmann@dvr.de

Sie kennen einen „Kavalier der Straße“? Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen im DVR zeichnet jedes Jahr im Herbst Menschen aus, die anderen in schwierigen Situationen im Straßenverkehr geholfen haben. Melden Sie Ihren Kavalier über die Webseite www.kavalier-der-strasse.com
an oder schreiben Sie uns an: presse@dvr.de


nach oben

 

Nur jeder Zweite blinkt richtig

 

Nur rund die Hälfte der Autofahrenden in Deutschland hält sich an alle Blinker-Regeln. Das ist das Ergebnis einer Verkehrsbeobachtung der DEKRA-Unfallforschung.

Mehr als 5.500 Fahrzeuge haben die DEKRA-Experten beobachtet – in Kreisverkehren, an abknickenden Vorfahrtstraßen, an Kreuzungen mit und ohne Abbiegestreifen sowie auf der Autobahn. Über alle Verkehrssituationen hinweg blinkten im Durchschnitt 50 Prozent aller Fahrerinnen und Fahrer richtig. Große Unterschiede gab es jedoch zwischen den einzelnen Situationen.

So waren es im Kreisverkehr rund 53 Prozent, an Kreuzungen rund 56 Prozent und auf der Autobahn rund 67 Prozent, die richtig blinkten. Dagegen waren es an abknickenden Vorfahrtstraßen nur 22 Prozent.

„Wer dem Verlauf einer abknickenden Vorfahrtstraße folgt, muss dazu rechtzeitig den Blinker setzen; wer dagegen die abknickende Vorfahrtstraße geradeaus verlassen will, setzt ihn nicht“, erklärt DEKRA-Unfallforscher Andreas Schäuble.

Auch im Kreisverkehr wissen nicht alle Autofahrenden Bescheid, wie es richtig geht. „Beim Einfahren darf nicht geblinkt werden; nur zum Ausfahren aus dem Kreisverkehr muss der rechte Blinker gesetzt werden“, erläutert der Experte.

nach oben

 

Gute Noten für City-Notbremsassistenten

 

Im Rahmen der Euro NCAP-Tests hat der ADAC einen detaillierten Blick auf die Notbremsassistenten geworfen. Die Sonderauswertung der 2018 getesteten Autos zeigt: Rund zwei Drittel der Systeme erfüllen die Anforderungen an den City-Notbremsassistenten zu 100 Prozent. Für den Euro NCAP-Test des City-Notbremsassistenten fährt das Testfahrzeug mit schrittweise steigender Geschwindigkeit von zehn bis 50 km/h auf eine stehende Fahrzeugattrappe zu und muss durch eine selbstständige Bremsung den Aufprall vermeiden. Die Versuche finden dabei ausschließlich auf trockener Oberfläche und bei Temperaturen zwischen fünf und 40 Grad Celsius statt.

Doch wie funktionieren die Systeme, die im Testszenario 100 Prozent erreichen, bei Glätte und niedrigen Temperaturen? Der ADAC hat das am Beispiel des Audi A6 überprüft. Bei optimalen Euro NCAP-Bedingungen bremst der Audi komplett ab und vermeidet damit den Aufprall auf das Hindernis. Dabei wird, wie bei vielen anderen Modellen auch, der Bremsvorgang möglichst spät eingeleitet und dann stark gebremst. Ist die Fahrbahn rutschig und die Außentemperatur bei minus einem Grad Celsius, bremst der Audi bei 25 km/h und 45 km/h zwar, doch er kommt ins Rutschen und kollidiert mit der stehenden Fahrzeugattrappe, allerdings mit verringerter Geschwindigkeit.

nach oben