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Journal

 

Sicher mit dem Rad in die Saison

Tipps für den Sicherheitscheck

Allmählich lockt die Sonne immer mehr Radfahrende auf die Straße. Eine entscheidende Voraussetzung, um sicher ans Ziel zu kommen, ist ein verkehrssicheres Fahrrad. Wer es noch nicht getan hat, sollte sein Rad jetzt einem Sicherheitscheck unterziehen.

Gut sichtbar sein

Scheinwerfer, Rücklicht und Leuchten sollten funktionieren. Die vorgeschriebenen Rückstrahler nach vorn, hinten, an den Pedalen und seitlich an den Laufrädern müssen vorhanden sein. Reflektoren in den Rädern sind nicht erforderlich, wenn die Reifen seitlich reflektierende Streifen besitzen. Mit zunehmendem Alter nutzen sich diese aufgebrachten Streifen jedoch ab und werden schlechter wahrnehmbar. Deshalb: Genau prüfen, ob sie in der Dämmerung gut sichtbar sind.

Prüfung der Bremsen

Zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen sind Pflicht. Die Bremsen prüft man am besten durch einen Funktionstest. Dabei dürfen sich die Hebel der Handbremsen nicht bis zum Lenker durchziehen lassen, sonst muss die Bremse nachgestellt werden. Beläge von Felgenbremsen sind zumeist mit Rillen ausgestattet, an denen man den Verschleiß ablesen kann. Auch bei den immer häufiger verwendeten Scheibenbremsen sind ab und an neue Bremsbeläge fällig.

Aufmerksamkeit verdienen auch die Seilzüge der Bremsen und der Schaltung: Die Außenzüge sollten unbeschädigt und ohne Knicke so verlegt sein, dass sie nicht zu weit abstehen, aber dennoch die Bewegungen des Lenkers mitmachen.

Die Kette wird im Alltagsbetrieb stark beansprucht. Daher sollte man sie von Zeit zu Zeit säubern und mit Öl oder Kettenfett behandeln.

Intakte Reifen für den richtigen Grip

Bei den Reifen ist nach der Winterpause zumeist Aufpumpen angesagt. Durch langes Stehen mit zu wenig Luft werden die Reifen manchmal beschädigt. Hat der Mantel Risse, scheint das Gewebe durch oder sind kleine Steine eingedrungen, sollte der Reifen ausgetauscht werden.

Rundumblick

Schließlich sollte noch ein kritischer Blick über das gesamte Fahrzeug gehen, ob Risse, Scheuerstellen oder Verformungen festzustellen sind. Sattel, Lenker und alle Schraubverbindungen sollten fest sein und sich nicht verdrehen lassen. Eine Probefahrt schließt dann den Fahrradcheck ab. Wenn sich alle Gänge schalten lassen und nichts klappert oder quietscht, steht der nächsten Fahrradtour nichts im Wege. Wer sich die beschriebenen Prüfarbeiten nicht zutraut, kann eine Fachwerkstatt mit einer Inspektion beauftragen. Der Besuch sollte jedoch rechtzeitig eingeplant werden. Erfahrungsgemäß sind die Werkstätten zu Saisonbeginn stark ausgelastet. Der DVR empfiehlt allen Radfahrerinnen und Radfahrern, zum eigenen Schutz einen Helm zu tragen und stets umsichtig zu fahren.

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Nur 23 Prozent der Älteren setzen sich mit ihrer Fahrfitness auseinander

Kampagne „Aktion Schulterblick“ rät zu freiwilligen Gesundheitschecks

Wie wirkt sich der Gesundheitszustand auf die eigene Fahrtüchtigkeit aus? Laut einer Umfrage von YouGov im Rahmen der Kampagne „Aktion Schulterblick" des DVR hat sich nur knapp ein Viertel der befragten über 65-Jährigen in den letzten sechs Monaten mit dieser Frage auseinandergesetzt.* Das kann das Risiko für Unfälle im Straßenverkehr erhöhen. Der DVR empfiehlt, ärztlichen Rat einzuholen und regelmäßig einen freiwilligen Gesundheitscheck zur Feststellung der Fahrtüchtigkeit durchführen zu lassen.

Wenige Ältere wenden sich an ihren Arzt

Ältere Menschen möchten mobil bleiben: 76 Prozent der Befragten ist es sehr wichtig, sich selbstständig mit dem Pkw fortbewegen zu können. Gleichzeitig sind sie sehr gesundheitsbewusst: 73 Prozent der Befragten haben in den letzten Monaten einen Gesundheitscheck durchführen lassen. Doch nur 23 Prozent der 1.009 befragten Autofahrerinnen und Autofahrer setzten sich in den vergangenen sechs Monaten damit auseinander, ob sich ihr gesundheitlicher Zustand auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt. Und lediglich 21 Prozent aller Befragten haben ihren behandelnden Arzt schon einmal auf dieses Thema angesprochen.

Auch wenn selbstständiges Autofahren für die Mehrheit der befragten älteren Menschen wichtig ist, wären viele bereit, das Auto wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel verschlechtertem Sehvermögen (79 Prozent), stehen zu lassen. Rät der Arzt oder die Ärztin dazu, das Autofahren aufzugeben, würden 60 Prozent der befragten über 65-Jährigen diesem Rat folgen.

Einschränkungen frühzeitig erkennen und gegensteuern

Erkrankungen, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, stellen sich meist schleichend ein. Sandra Demuth, Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Initiativen und Veranstaltungen beim DVR, weiß: „Wichtig ist es, Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit möglichst früh zu erkennen, um entsprechende Maßnahmen ergreifen oder andere Alternativen zur Fortbewegung besprechen zu können.“ Hilfreich sind freiwillige Gesundheitschecks für ältere Autofahrerinnen und Autofahrer. Für viele Ältere ist der Arzt oder die Ärztin zudem eine Vertrauensperson. „Ärzte sollten gesundheitliche Einschränkungen ihrer Patienten auch vor dem Hintergrund der Verkehrssicherheit betrachten und gegebenenfalls das Gespräch hierzu suchen“, rät Demuth.

Sensibilität der Angehörigen ist gefragt

Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass die eigene Fahrtüchtigkeit nachlässt, kann schwierig sein. Angehörige und Freunde sollten Verständnis für die Situation zeigen und den Betroffenen ausreichend Zeit geben, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen.

Die „Aktion Schulterblick“

Mit der Aktion Schulterblick informiert der DVR über die Notwendigkeit freiwilliger Gesundheitschecks zum Erhalt der Fahrtüchtigkeit. Die „Aktion Schulterblick" wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) unterstützt. Unter www.dvr.de/schulterblick finden sich zahlreiche Informationen rund um den Erhalt der Mobilität im Alter.

* Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online­Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 1.009 Autofahrer und Autofahrerinnen im Alter von 65 Jahren und älter teilgenommen haben.

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DVR begrüßt Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages

Einführung von Alkohol-Interlocks / Weiterentwicklung von Abbiegeassistenten / Fahreignungsseminar (FES) stärker an Punkterabatte koppeln

Der DVR begrüßt die Forderung nach Einführung von Alkohol-Interlock-Geräten in Kombination mit einer psychologischen Begleitung sowie einen entsprechenden Modellversuch dazu. Zahlreiche Alkoholunfälle könnten so verhindert und Menschenleben gerettet werden. Positiv für die Verkehrssicherheit seien zudem die Empfehlungen des diesjährigen 57. Deutschen Verkehrsgerichtstages (VGT) in Goslar zu Abbiege- und Notbremsassistenten sowie zur Weiterentwicklung des Fahreignungsseminars (FES).

Alkohol-Interlock-Programme

Im Rahmen des empfohlenen Modellversuchs sollte geprüft werden, ob der Einsatz eines Gesichtserkennungssystems erforderlich ist, um Manipulationen zu vermeiden. Der Modellversuch sollte für alle im strafrechtlich relevanten Bereich erstmalig alkoholauffälligen Kraftfahrenden bis 1,59 Promille offenstehen. Voraussetzung der Teilnahme ist das Bestehen einer qualifizierten Eingangsuntersuchung durch einen neutralen Sachverständigen.

Darüber hinaus hat sich der VGT aufgrund des erhöhten Gefahrenpotenzials für einen europaweit verpflichtenden Einbau von Alkohol-Interlock-Geräten im gewerblichen Personen-und Güterverkehr ausgesprochen.

„Positiv an einem Modellversuch ist: Man kann testen, ob eine Alkohol-Wegfahrsperre in Kombination mit einer psychologischen Begleitung das Fahrverhalten Alkoholauffälliger nachhaltig ändert“, sagt DVR-Pressesprecherin Julia Fohmann. „Mithilfe des Programms sollen sie verinnerlichen, dass Alkohol und Auto fahren nicht zusammenpassen“, ergänzt die Sprecherin. Laut der Empfehlung des VGT könnte das Programm zum Beispiel eine Alternative zum Fahrverbot oder dem vorläufigen Entziehen der Fahrerlaubnis darstellen. „Anders als das Fahrverbot oder der Entzug der Fahrerlaubnis hat das Programm einen erzieherischen Effekt. Das finden wir gut.“

Weniger Abbiegeunfälle durch bessere Technik

Auch die Empfehlungen zu Lkw- und Busunfällen sieht der DVR positiv. „Es ist notwendig, dass die Bundesregierung weiterhin Druck in den internationalen Gremien macht. Notbrems- und Abbiegeassistenten müssen technisch auf dem neuesten Stand sein“, sagt Fohmann. Wenn Fahrzeuge dank eines Notbremsassistenzsystems vor dem Stauende zum Stehen kämen und alle Lkw und Busse mit Abbiegeassistenten ausgerüstet seien, die über eine Bremsfunktion verfügten, würde sich das in den Unfallzahlen deutlich bemerkbar machen. Sinnvoll sei auch die Empfehlung an die Kommunen, jeweils eigene Grünphasen für abbiegende Kraftfahrzeuge und Radfahrende sowie Fußgängerinnen und Fußgänger einzurichten.

Fahreignungsseminar soll bestehen bleiben

Das pädagogisch und psychologisch wichtige Fahreignungsseminar (FES) soll bestehen bleiben. Zu dieser Empfehlung kam der Arbeitskreis des VGT, der sich mit der Punkterefom von 2014 beschäftigte. Auch diese Empfehlung sei positiv für die Verkehrssicherheit, so Fohmann. „Der DVR begrüßt auch den Vorschlag, das FES stärker mit Punkterabatten zu verbinden oder es bei höherer Punktezahl verpflichtend einzuführen. Wir hoffen, dass mehr Menschen daran teilnehmen und der Effekt des Seminars nachhaltig ist.“

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Alkohol im Straßenverkehr: Unterschätzte Gefahr

DVR-Umfrage zum Verhalten von Autofahrenden

Nahezu drei Viertel der Autofahrerinnen und Autofahrer (72 Prozent) in Deutschland würden bei einer Party kein Bier trinken, wenn sie anschließend mit dem Auto nach Hause fahren müssten. Dies ergab eine repräsentative Befragung von 1.500 Personen, die im Auftrag des DVR vom Marktforschungsinstitut Ipsos im Dezember 2018 durchgeführt wurde. Bei Wein und Sekt war der Anteil derjenigen noch größer, die in dieser Situation auf Alkohol verzichten würden (78 Prozent). Darin eingeschlossen sind diejenigen, die generell auf diese Getränke verzichten (Bier 14 Prozent, Wein 16 Prozent, Sekt 19 Prozent). Jeder Vierte der Befragten (25 Prozent) gab an, in einem Zeitraum von vier Stunden ein bis zwei Gläser Bier (0,3 Liter) zu trinken, bei Wein (0,2 Liter) und Sekt (0,1 Liter) würde dies jeder Fünfte tun (20 Prozent). Mehr als zwei Gläser Bier oder Sekt würden nur zwei von hundert Befragten trinken, mehr als zwei Gläser Wein einer von hundert.

Die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr werden allzu oft unterschätzt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2017 jeder 14. im Straßenverkehr Getötete auf einen Alkoholunfall zurückzuführen. Der DVR rät dazu, generell auf Alkohol zu verzichten, wenn man Auto fahren will.

„Am besten ist es, sich an eine klare Regel zu halten“, sagt DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Kellner. „Wer fährt, trinkt nicht. Und wer trinkt, fährt nicht.“

Der DVR setzt sich seit Jahren für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer ein.

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Platz da!

AGFS-Kongress zur Verkehrssicherheit

In Deutschland kommen durchschnittlich neun Menschen pro Tag bei Verkehrsunfällen ums Leben, drei davon innerhalb geschlossener Ortschaften. Vom Kontrollverlust über das Fahrzeug bis zur bewussten Missachtung der Regeln, überhöhte Geschwindigkeit oder zu geringer Abstand – die Ursachen sind vielfältig.

Grund genug für die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGFS), ihren diesjährigen Kongress in der Messe Essen unter dem Titel „Platz da!“ der Sicherheit in der Nahmobilität zu widmen. Mehr als 700 Fachleute aus kommunaler Verkehrsplanung, Verwaltung und Politik kamen zusammen, um besonders die Rolle sicherer Verkehrsplanung zu beleuchten.

Höhere Investitionen

Frank Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Krefeld und Vorsitzender des AGFS-Präsidiums, forderte höhere Investitionen in den Kommunen für infrastrukturelle Verbesserungen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und zu einem besseren partnerschaftlichen Miteinander beizutragen.

Über das Ziel des Bundes, mehr Verkehrssicherheit für mehr Radverkehr zu schaffen, berichtete Karola Lambeck, Radverkehrsbeauftragte im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Neben den Beratungen über eine fahrradfreundlichere Gestaltung der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) erwähnte Lambeck auch die „Aktion Abbiegeassistent“, mit der das BMVI seit 2018 Anreize für den freiwilligen Einbau solcher technischen Systeme bietet.

Für eine Überarbeitung der StVO, hin zu einer stärkeren Verankerung des Fußverkehrs sowie einer besseren Förderung des Radverkehrs plädierte auch Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu).

Vision Zero

Anspruch und Wirklichkeit der Sicherheitsstrategie Vision Zero stellte Jörg Ortlepp, Leiter Verkehrsinfrastruktur bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV), in seinem Vortrag vor. In seiner Analyse des Unfallgeschehens stach hervor, dass der Radverkehr nicht vom allgemeinen Rückgang der Unfallzahlen profitiere; seit sieben Jahren sei die Anzahl der Verunglückten nahezu konstant.

„Sicherheit braucht Sichtbarkeit und Sichtbarkeit braucht Platz“, sagte Ortlepp und plädierte für bessere Sichtbeziehungen an Kreuzungen, Einmündungen, Einfahrten und Querungsstellen.

Die Vision Zero brauche ein stärkeres Bewusstsein für Gefahren, mehr Rücksichtnahme, ein Verkehrssicherheitsmanagement von der Planung bis zum Betrieb (Audit, Verkehrsschau, Kontrolle, Ahndung, Aufklärung), politischen Rückhalt auch für unbequeme Maßnahmen sowie Finanzierung und Personal (Kampagnen, Analysen, Maßnahmen, Evaluation).

„Liebe braucht Abstand“

Eine aktuelle Verkehrssicherheitskampagne mit dem Titel „Liebe braucht Abstand“, an der sich bisher sieben nordrhein-westfälische Städte beteiligen, stellte Franz Linder, P3 Agentur für Kommunikation und Mobilität/Planerbüro Südstadt, vor. Zentraler Bestandteil der Kampagne ist die Frage, wie sich der Straßenraum zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmergruppen aufteilt. Und dieser Raum ist knapp bemessen. Immer mehr und größere Autos fahren und parken auf den ohnehin überfüllten Straßen. Revierverhalten und gesteigerte Aggression im Straßenraum sind die Folgen. Es wird gedrängelt, gehupt und rechts überholt. Kinder werden hinter den immer größer werdenden parkenden Pkw quasi unsichtbar und falsch geparkte Fahrzeuge zwingen andere Verkehrsteilnehmende zu riskanten Ausweichmanövern. Auch Radfahrstreifen entlang der Hauptverkehrsstraßen sind oft nicht sicher, da viele Auto- und Lkw-Fahrende den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten.

Ziel der Kampagne ist es, für das Thema Abstand zu sensibilisieren, eine entspanntere Atmosphäre zu schaffen, das Verhalten hin zum Miteinander zu verändern, um letztlich dazu beizutragen, die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

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Der Pedelec-Boom und seine Folgen

Mit zunehmenden Verkäufen steigen auch die Unfallzahlen mit den elektrisch unterstützten Fahrrädern in alarmierender Geschwindigkeit

Von Rudolf Bergen

Das Pedelec trifft den Nerv der Zeit. Längere Strecken oder Wege mit Steigungen lassen sich mühelos zurücklegen. Die elektrisch unterstützten Fahrräder sind in vielen Varianten erhältlich und sehr beliebt, sowohl als City- oder Trekkingrad, aber auch als Mountainbike oder Lastenrad. Die Nutzergruppe verjüngt sich zunehmend, die modernen Zweiräder punkten vor allem mit Fahrspaß, technischer Reife und neu gewonnener Mobilität. Das spiegelt sich auch in den Absatzzahlen für Deutschland wider. 2018 wurden laut Zweirad-Industrieverband (ZIV) 980.000 Pedelecs verkauft, was einem Wachstum von 36 Prozent entspricht. Aktuell fahren mehr als vier Millionen Pedelecs auf unseren Straßen, mit weiter steigender Tendenz.

Bei rund 99 Prozent aller Elektrofahrräder handelt es sich um sogenannte Pedelecs. Diese werden bis maximal 25 km/h vom Motor unterstützt, wenn dabei gleichzeitig getreten wird. Rechtlich sind diese Räder mit dem klassischen Fahrrad gleichgestellt, dies gilt jedoch nicht für das S-Pedelec und das E-Bike. Letzteres wird häufig umgangssprachlich mit dem Pedelec verwechselt. Interessanterweise ist das Pedelec nicht primär ein urbanes Phänomen. Die Erhebung Mobilität in Deutschland (MiD) stellt für 2017 fest, dass in kleinstädtischen, dörflichen Räumen dreimal so viele Pedelecs vorhanden sind wie in Metropolen.1

Hohe Anzahl von Unfallopfern

Die positive Entwicklung der Pedelecs hat allerdings eine Kehrseite, die Zahl der Unfallopfer. In der Unfallforschung wird festgestellt, dass der Radverkehr nicht vom allgemeinen rückläufigen Trend von Unfällen mit Personenschaden profitiert. Seit 2010 stagniert beziehungsweise steigt die Anzahl der Getöteten, Schwer- und Leichtverletzten, die dem Radverkehr zuzuordnen sind. Betrachtet man die Pedelec-Unfälle allein, fällt das Ergebnis leider noch dramatischer aus: Die Pedelec-Verunglückten des Jahres 2018 übertreffen die Zahl der Pedelec-Verunglückten 2017 um über 50 Prozent.2 Auch sind die Unfallfolgen bei Pedelecfahrenden im Vergleich zu Radfahrenden über alle Altersgruppen hinweg schwerwiegender, stellt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) fest.3 Dieses (Miss-)Verhältnis ist nicht mehr allein mit dem Pedelec-Boom zu erklären.

Pedelecs machten 2018 etwa fünf Prozent am Fahrradbestand aus. Gleichzeitig waren jedoch rund neun Prozent der verunglückten Radfahrenden auf einem Pedelec unterwegs. Bei den Getöteten lag der Anteil sogar bei circa 20 Prozent.4 AlIerdings muss in diesem Zusammenhang auch erwähnt werden, dass Pedelecs in der Regel häufiger genutzt werden sowie tendenziell höhere Fahrleistungen aufweisen und somit grundsätzlich einer höheren Exposition unterliegen.

Tipps zur sicheren Fahrt

Wie kommt es zu der hohen Anzahl von Unfällen? Unfallauffällig sind besonders Kreuzungsbereiche in Ortschaften. Zudem haben Pedelecfahrende auch mehr Fahrunfälle, mehrheitlich Alleinunfälle. Eine oft unangepasste Geschwindigkeit für die jeweilige Situation und ein Kontrollverlust über das eigene Zweirad sind somit ein Teil der Antwort.

Ist sicheres Fahren mit dem Pedelec überhaupt möglich? Ja, wenn wichtige Sicherheitsaspekte beachtet werden. Besonders beim Abbiegen und Kreuzen kommt es auf eine angepasste Geschwindigkeit an.

Der unterstützende Motor und die Bremsen werden oft als besonders wirkungsvoll erlebt. Insofern ist zu empfehlen, sich vor der ersten Fahrt mit dem Fahrverhalten vertraut zu machen und sein eigenes Fahrgeschick dauerhaft zu trainieren. Auch ein richtig sitzender Helm sowie reflektierende Kleidung sind beim Pedelecfahren dringend anzuraten.

Der DVR hat 2018 einen umfassenden Beschluss zum Radverkehr getroffen und setzt sich verstärkt dafür ein, das Fahrrad- und Pedelecmobilität sicher gestaltet werden. Ein Beispiel dafür ist das Seminar beziehungsweise Training „Sicherheit für den Radverkehr“, das sich an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wendet. Speziell für ältere Menschen hat der DVR einen Radverkehrsbaustein für sein Zielgruppenprogramm „Sicher mobil“ entwickelt. Zudem wurde jüngst ein vierminütiger Erklärfilm veröffentlicht, der die wichtigsten Aspekte zum Pedelec zusammenfasst.

Diese Angebote und weiterführende Informationen unter: www.dvr.de/fahrrad

Der Autor ist Referent für Fahrrad- und Pedelecmobilität beim DVR.
rbergen@dvr.de

1Mobilität in Deutschland 2017, Ergebnisbericht, S. 5
2Eigene Berechnung, basierend auf Werten von Destatis, Verkehrsunfälle, Fachserie 8 Reihe 7, Jan.- Dez. 2018
3Verkehrssicherheit von Elektrofahrrädern, Unfallforschung der Versicherer, S. 14
4Eigene Berechnung, basierend auf Werten von Destatis, Verkehrsunfälle, Fachserie 8 Reihe 7, Jan.- Dez. 2018

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Häufiges Unfallrisiko: Müdigkeit am Steuer

DVR veröffentlicht neue Umfrageergebnisse zur besonderen Gefahr auf dem Arbeitsweg

Von Anna-Sophie Börries

Der Sekundenschlaf tritt während der Fahrt oft ganz plötzlich auf. Wenn einem hinter dem Steuer die Augen zufallen, dann verpasst man nicht nur schnell einen Teil der Strecke, sondern vielleicht sogar den Rest seines Lebens. Erste Müdigkeitssignale sollten daher ernst genommen werden. Eine YouGov-Umfrage (2018) im Auftrag des DVR im Rahmen der Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“ von mehr als 850 Personen, die mit dem Pkw zur Arbeit fahren, zeigt: Pendelnde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind teilweise müde und erschöpft unterwegs.

Pendeln erhöht die Einschlafneigung

Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass knapp die Hälfte sich mindestens hin und wieder anstrengen muss, um während der Fahrt wach zu bleiben. 21 Prozent fühlen sich auf dem Weg nach Hause müder und erschöpfter als auf dem Weg zur Arbeit. Fahrten auf der täglich gleichen Strecke und während größerer Leistungstiefs (am späten Nachmittag) gehen allerdings mit einer erhöhten Einschlafneigung und damit einem erhöhten Unfallrisiko einher.

Berücksichtigung des eigenen Schlaftyps wichtig

Pendelnde sollten sich daher ihrer Verantwortung bewusst sein und für gesunden Schlaf sorgen und das ureigene Schlafbedürfnis berücksichtigen. Wer wie die „Lerche“ abends früh müde wird und morgens zeitig startet, sollte vor allem nach der Arbeit vorsichtig sein und vor Fahrtbeginn lieber kurz frische Luft schnappen. Wer wie die „Eule“ abends lange wach ist, sollte morgens mehr Zeit zum Wachwerden einplanen und vor allem auf dem Weg zur Arbeit umsichtig sein.

Unterstützung durch die Arbeitgeber gefragt

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich die befragten pendelnden Personen von ihrem Arbeitgeber mehr Rücksicht auf ihr Pendeln wünschen: 33 Prozent fänden flexiblere Arbeitszeiten hilfreich, um auch einmal später anfangen oder früher gehen zu können; 31 Prozent wünschen sich, auch von zu Hause aus arbeiten zu können, und 17 Prozent würden sich gerne zwischendurch am Arbeitsplatz ausruhen und zur Erholung kurz schlafen.

Schließlich trägt gesunder Schlaf zur geistigen und körperlichen Regeneration bei und fördert neben der Gesundheit und Zufriedenheit auch die Konzentration und folglich Sicherheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Wer unterwegs Müdigkeit verspürt, sollte selbst kurz vor dem Ziel lieber noch eine Pause einlegen und nicht glauben, seine Leistungsfähigkeit durch zum Beispiel koffeinhaltige Getränke oder ein geöffnetes Fenster verlängern zu können.

Weitere Informationen unter: https://www.dvr.de/vorsicht-sekundenschlaf

Die Autorin ist Referentin in der Öffentlichkeitsarbeit beim DVR.
asboerries@dvr.de

Unterschied zwischen Lerche und Eule

Es gibt zwei verschiedene Schlaftypen: Im Fachjargon wird zwischen „Lerchen“ und „Eulen“ unterschieden. „Lerchen“ werden abends früher müde und sind morgens schneller fit. Sie erbringen am Vormittag ihre beste Leistung. „Eulen“ hingegen werden abends später müde und schlafen morgens lieber etwas länger. Sie erbringen ab dem Nachmittag ihre beste Leistung. Wer wissen möchte, welcher Schlaftyp er ist und was es bei der Planung der Autofahrten zu beachten gilt, kann auf der Webseite des Automobil-Clubs Verkehr (ACV) unter www.acv.de/quiz einen Test machen.