Menu Suche
 

Europa

 

Geschwindigkeit nach wie vor Killer Nummer eins

ETSC veröffentlicht neuen PIN Flash

Von Jacqueline Lacroix

Auf anschauliche Weise veröffentlicht der Europäische Verkehrssicherheitsrat (ETSC) zweimal im Jahr einen sogenannten „PIN (Performance Index) Flash“. In diesen Untersuchungen werden unterschiedliche Verkehrssicherheitsbereiche analysiert und international verglichen. Aktuell ist PIN Flash Nummer 36 „Reducing speeding in Europe“, der die EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, die Schweiz, Serbien und Israel in ihren Bemühungen untersucht hat, überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit zu erfassen und als Unfallursache zu bekämpfen. Laut ETSC könnten EU-weit jährlich 2.100 Menschenleben gerettet werden, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeiten innerorts, außerorts und auf Autobahnen um einen km/h reduziert würden.

Geschwindigkeitsdaten variieren

Während der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Gefahr einer Straßenkollision weitgehend erforscht ist, ist der Zusammenhang zwischen der Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung und dem Kollisionsereignis weniger bekannt. Die Verfahren zur Erfassung von Geschwindigkeitsdaten variieren immer noch erheblich zwischen den Ländern. Es werden Geschwindigkeiten für verschiedene Fahrzeugtypen (zum Beispiel den gesamten Verkehr, nur Pkw und Transporter) verwendet, unterschiedliche Stichprobengrößen und Kriterien angewendet, um Messorte und geeignete Verkehrsbedingungen zu ermitteln. Aus diesem Grund ist es schwierig, Ländervergleiche hinsichtlich der Durchschnittsgeschwindigkeiten und der unterschiedlichen Tempolimits anzustellen. Im PIN Flash werden Änderungen der mittleren Geschwindigkeiten und des Anteils der beobachteten Fahrzeuggeschwindigkeiten, die über der jeweils vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit liegen, auf Stadtstraßen, Landstraßen und Autobahnen dargestellt.

Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Israel und Norwegen haben bereits eine lange Tradition hinsichtlich landesweiter jährlicher Geschwindigkeitsmessungen im freien Verkehr. Frankreich misst seit 2001 das ganze Jahr über die Geschwindigkeiten und veröffentlicht die Ergebnisse in einer „Beobachtungsstelle“. Einige andere Länder, wie zum Beispiel Serbien, messen erst seit kurzem auf der Basis der Empfehlungen des EU-Projektes SafetyNet die Geschwindigkeiten.

Massive Überschreitungen

Innerorts, dort sind 37 Prozent aller getöteten Unfallopfer zu beklagen, lagen die gemessenen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge zwischen 35 und 75 Prozent über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Außerorts, dort werden 55 Prozent aller Verkehrstoten in der EU gezählt, lagen sie zwischen neun und 63 Prozent über der Höchstgeschwindigkeit. Rund acht Prozent aller Verkehrstoten in der EU starben aufgrund von Kollisionen auf der Autobahn, wo der Wert der Überschreitungen zwischen 23 und 59 Prozent lag.

Die Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Lkw, die mit einem Tempomat ausgerüstet sein müssen, ist besonders auffällig: In Schweden beispielsweise halten sich 87 Prozent der Lkw-Fahrenden nicht an die Begrenzung auf der Autobahn, auf den Landstraßen sind es 67 Prozent. Auch Motorradfahrende halten sich dort nicht an die Tempolimits: 66 Prozent fahren auf Landstraßen schneller als erlaubt.

Senkung von Tempolimits

Frankreich hat im letzten Jahr die Geschwindigkeitsbegrenzung auf schmalen Landstraßen von 90 auf 80 km/h gesenkt. Eine erste Analyse des Forschungsinstituts Cerema ergab, dass sich seit der Einführung der Maßnahme im Juli letzten Jahres bis Ende Dezember 116 weniger Straßenverkehrsunfälle auf diesen Landstraßen ereigneten als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017. In Spanien ist vorgesehen, die Tempolimits auf Landstraßen von 100 auf 90 km/h zu senken, während in Flandern im nördlichen Belgien die Limits bereits 2017 von 90 auf 70 km/h gesenkt wurden.

EU-weit scheint es jedoch auf der Basis der Recherche des ETSC zu einer Zunahme der Geschwindigkeitsverstöße gekommen zu sein, dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass in einigen Ländern mehr feste Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen aufgestellt wurden. Mutwillig zerstört wurden in den letzten Monaten rund 60 Prozent der fest installierten Kameras in Frankreich.

Weitere Informationen unter: www.etsc.eu/pinflash36

Die Autorin ist Leiterin der Referate Europa und Verkehrsmedizin beim DVR.
jlacroix@dvr.de

nach oben

Deutscher Verkehrssicherheitsrat UK | BG Vision Zero

© 2019 Deutscher Verkehrssicherheitsrat