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Rundschau

 

Dr. Walter Eichendorf als DVR-Präsident bestätigt

 

Dr. Walter Eichendorf steht erneut an der Spitze des DVR. In Anwesenheit des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer wurde er auf der Mitgliederversammlung am 7. Dezember einstimmig für eine weitere vierjährige Amtsperiode bis Dezember 2022 wiedergewählt. Ebenfalls bestätigt wurden die drei Vizepräsidenten Bundesminister a.D. Professor Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht, Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands der DEKRA SE und Manfred Wirsch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Neben dem Präsidium wurden auch ein 25-köpfiger Vorstand gewählt und das Arbeitsprogramm für 2019 verabschiedet. Die Vertreterinnen und Vertreter des Vorstands stammen aus dem Mitgliederkreis des DVR. Zwei benannte Mitglieder der DGUV und jeweils ein Vertreter der Innenministerkonferenz (IMK) sowie der Verkehrsministerkonferenz (VMK) gehören dem Vorstand ebenfalls an. „Ständige Gäste“ sind der Leiter der Abteilung Straßenverkehr im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Guido Zielke sowie Professor Stefan Strick, Präsident der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Mobilität und Digitalisierung gehörten zusammen, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in seinem Grußwort. Für die Verkehrssicherheit bedeute das, sich stärker als bisher mit modernem Mobilitätsmanagement zu beschäftigen. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln werde immer mehr Alltag: Öffentlicher Nahverkehr, Kleinstfahrzeuge, City-Bikes und Carsharing würden immer häufiger im Wechsel genutzt, um nahtlos von A nach B zu kommen. Es sei eine große Herausforderung an die Infrastruktur, dies sicher zu ermöglichen.

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Besser geschützt auf dem Sattel

DVR-Kolloquium zur sicheren Mobilität mit Fahrrad und Pedelec

Fahrrad fahren liegt im Trend. Es ist umweltschonend, gesund und macht Spaß. Gleichzeitig ist die Gefahr, mit dem Rad zu verunglücken, hoch. Darauf wies DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf die knapp 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des DVR-Kolloquiums „Besser geschützt auf dem Sattel – Wie sicher ist die Mobilität mit Fahrrad und Pedelec?“ in Berlin bei seiner Begrüßung hin: „Jeder achte Getötete und jeder fünfte Verletzte auf Deutschlands Straßen ist ein Radfahrer oder eine Radfahrerin. Insbesondere die Anzahl der Verletzten, die mit einem Pedelec unterwegs waren, ist in den letzten Jahren stark angestiegen.“

Die Herausforderungen für einen sicheren Radverkehr wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Bei einem Ergebnis waren sich alle Fachleute einig: Die Verkehrsinfrastruktur muss fahrradfreundlicher werden.

Das Kolloquium wurde von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und dem Automobil-Club Verkehr (ACV) unterstützt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) war ideeller Partner der Veranstaltung, die von Sandra Berndt moderiert wurde.

Förderprogramme des Bundes

„Wir wollen mehr Menschen aufs Fahrrad bringen“, sagte Karola Lambeck, Radverkehrsbeauftragte des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Bei der Förderung des Radverkehrs sei die Sicherheit eines der wichtigsten Themen. Und viele Menschen fühlten sich auf dem Rad nicht sicher.

Lambeck wies auf zahlreiche Förderprogramme des BMVI hin, um den Radverkehr zu stärken und die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Eines ziele auf den freiwilligen Einbau von Abbiegeassistenten in Deutschland. Um den verpflichtenden Einsatz dieser technischen Hilfsmittel zu erreichen, müssten jedoch europäische Vereinbarungen getroffen werden. Dafür setze sich das BMVI vehement ein. Darüber hinaus stehe im Koalitionsvertrag, dass der Bund die Radverkehrsförderung ausbauen möchte. Für die Zukunft stehen neue Fassungen des Nationalen Verkehrssicherheitsprogramms sowie des Nationalen Radverkehrsplans auf dem Programm des BMVI.

Infrastruktur für den Radverkehr ausbauen

In der „Mitte eines Paradigmenwechsels“ sieht sich Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des ADFC. Die Infrastruktur für den Radverkehr müsse großflächig aufgebaut werden. „Die Politik muss mehr tun, es muss viel mehr investiert werden“, forderte Stork in einem engagierten Plädoyer für die Radverkehrsförderung.

Gerrit Reichel, Pressesprecher des ACV, bezeichnete die sogenannten „Dooring“-Unfälle als große Gefahr für Radfahrerinnen und Radfahrer. Gemeint sind Unfälle, bei denen Autotüren geöffnet werden, ohne nach hinten zu schauen und Radfahrende kaum noch eine Chance haben, zu reagieren und schwer verunglücken können.

Unfallgefahr an Kreuzungen

Dass Rad fahren nicht nur Spaß machen, sondern auch gefährlich sein kann, unterstrich Marcel Schreiber von der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Auffällig sei die hohe Dunkelziffer bei den Radverkehrsunfällen, besonders bei den Alleinunfällen (89 Prozent). „Der Radverkehr profitiert nicht vom allgemeinen Trend des Rückgangs der Unfälle mit Personenschaden“, stellte der Unfallforscher fest. Negativ falle auch der starke Anstieg verunglückter Pedelecfahrerinnen und -fahrer auf. Fast vier Millionen Pedelecs seien derzeit auf unseren Straßen unterwegs. Dadurch, dass sie schneller als ein herkömmliches Fahrrad bewegt werden können, seien die Unfallfolgen meist schwerwiegender. Das gelte auch und besonders für ältere Menschen, bei denen sich Pedelecs großer Beliebtheit erfreuen.

„Etwa zwei Drittel der Radverkehrsunfälle mit Personenschaden geschehen an Kreuzungen, beim Ein- und Abbiegen, häufig an unsignalisierten Einmündungen“, erklärte Schreiber. Verursacher seien oftmals Kraftfahrende, aber auch das Linksfahren von Radfahrenden stelle eine große Unfallgefahr dar. Als weitere infrastrukturelle Defizite nannte der Experte Sichthindernisse sowie fehlende oder unwirksame geschwindigkeitsdämpfende Maßnahmen.

Getrennte Wege

„Wir müssen etwas an den Verhältnissen ändern“, forderte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork mit Blick auf den verstärkten Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur. Bislang gelte der Planungsansatz, Radfahrende auf die Straße zu bringen. „Wir brauchen aber getrennte Wege“, ergänzte der Experte. Leidenschaftlich plädierte er dafür, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um besser funktionierende Radverkehrsanlagen zu bauen. „Unsere Nachbarländer Niederlande und Dänemark sind deutlich weiter, weil sie in den letzten 20 Jahren den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur massiv vorangetrieben haben“, erläuterte Stork. So legten in den Niederlanden 75 Prozent der Kinder ihren Schulweg auf dem Fahrrad zurück.

In Deutschland hingegen sei der Unterhaltungszustand „miserabel“. Aus diesem Grund liege der Radverkehrsanteil in Deutschland seit 40 Jahren bei niedrigen rund zehn Prozent. In den Niederlanden liege er bei 28 Prozent.

Rund zwei Drittel der deutschen Radfahrenden hätten Angst, wenn sie unterwegs sind. Rund 70 Prozent der Radfahrer möchten vom Autoverkehr getrennt sein. „Wir brauchen eine Radverkehrsinfrastruktur für alle, eine Überarbeitung aller Regelwerke“, forderte Stork, denn „wir wollen die Menschen von acht bis 80 auf das Fahrrad bringen“. Radverkehrsförderung 2018 dürfe nicht mehr nach dem Motto „ab auf die Straße“ passieren, sondern nach dem Grundsatz „ab auf den modernen, breiten, separierten, gut einsehbaren, gepflegten und asphaltierten Radweg“.

Alltag auf Berliner Straßen

Aus der Praxis seiner alltäglichen Arbeit berichtete Kay Biewald, der mit seinen Kolleginnen und Kollegen der Berliner Fahrradstaffel für Recht und Ordnung auf den Straßen der Hauptstadt sorgt. Zu den häufigsten festgestellten Verstößen zählen die Nutzung von Radwegen in falscher Fahrtrichtung, Fahren auf dem Gehweg und das Missachten roter Ampeln. Zunehmend machen aber auch Radfahrende Probleme, die während der Fahrt das Smartphone benutzen und dadurch extrem abgelenkt sind.

Kraftfahrende wiederum überholen oftmals ohne ausreichenden Seitenabstand, sind unaufmerksam beim Abbiegen, vergessen beim Aussteigen den Schulterblick („Dooring“-Unfälle), parken verbotswidrig auf Radwegen oder Schutzstreifen, und bedienen ebenfalls während der Fahrt Smartphone oder Tablet.

Der Einsatz von Biewald und seinen 18 Kolleginnen und Kollegen, die Tag für Tag in die Pedale treten, macht sich bezahlt: Seit Einführung der Berliner Fahrradstaffel 2014 sind die Unfälle mit Getöteten und Verletzten zurückgegangen.

Positives Beispiel Niederlande

Über die gut ausgebaute und fehlertolerante Radverkehrsinfrastruktur in den Niederlanden berichtete Ineke Spapé. Sie ist Radprofessorin an der Universität Breda und Direktorin des Beratungsbüros für Mobilität, Raumplanung und Stadterneuerung (SOAB). Sie zeichnete die erfolgreiche Entwicklung von 40 Jahren Radverkehrspolitik in den Niederlanden nach. Der Radverkehrsanteil nimmt dort weiter stetig zu, besonders bei den Älteren. In Groningen zum Beispiel, einer Stadt mit knapp 204.000 Einwohnern, 180 Kilometer nordöstlich von Amsterdam, werden 61 Prozent der innerstädtischen Wege mit dem Rad zurückgelegt. Dies sei mit einem gut durchdachten Konzept integrierter Mobilitäts- und Raumplanung gelungen.

„Mehr Radverkehr sollte nicht das Ziel sein, sondern Städte zu schaffen, die einen angenehmen Aufenthalt gewährleisten“, stellte die Radprofessorin fest. Vitale, florierende, sichere und lebenswerte Städte laute die Zielrichtung.

Die Trennung des Radverkehrs vom motorisierten Individualverkehr sei in der Regel das bessere Konzept. „Die Risiken steigen, wenn die Radfahrenden mit dem motorisierten Verkehr auf den Straßen unterwegs sind“, sagte Spapé.

„Rad fahren bedeutet Spaß und Kommunikation, ist ein Akt des sozialen Miteinanders“, führte die Wissenschaftlerin aus. Beeindruckend war das Beispiel einer Radschnellroute in Utrecht, die über das Dach einer Schule führt, komplett getrennt vom Autoverkehr.

Plädoyer für Gleichberechtigung

Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad zeigte Praxisbeispiele, die sehr deutlich machten, woran es bei der sicheren Gestaltung für Radfahrende in Deutschland hapert. Ob unübersichtlicher Schilderwald oder Autofahrende, die Radelnden die Vorfahrt nehmen – es gebe viel zu tun, um den Radverkehr dem motorisierten Verkehr gleichzustellen. Aber genau für diese gleichberechtigte Nebeneinander hielt Radexperte Fehlau ein flammendes Plädoyer. Radfahrende müssten Lenkern von Autos und Lkw gleichgestellt werden, ohne Wenn und Aber.

Radverkehr als Problemlöser

„Wir brauchen das Fahrrad als zentralen Baustein der kommunalen Mobilitätswende“, sagte Arne Koerdt vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg und betrachtet den Radverkehr als Problemlöser. Um den Radverkehr zu verdoppeln, brauche es eine neue Qualität der Radverkehrsförderung sowie starke Partner in Kommunen, Ländern und Bund. Radverkehrsförderung müsse aktiv eingefordert werden. Um von Modellprojekten zur flächenhaften Anwendung zu gelangen, brauche es einen aktiv fördernden Rechtsrahmen. Den sieht der Experte in einer Reform der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO), die fahrradfreundlicher gestaltet werden müsse.

Präventionsmobil Verkehrssicherheit

Mit dem Rad zur Arbeit fahren – diese Möglichkeit nutzen viele. Allerdings ereignen sich laut Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) dabei besonders viele Unfälle. Was kann helfen? Oliver Fischer von der VBG plädierte für Sicherheitstrainings in Betrieben und verdeutlichte das anhand von Zahlen: Demnach waren 46 Prozent derjenigen, die bei der VBG versichert seien und 2017 auf dem Arbeitsweg verunglückten, Radfahrende.

Zudem erwähnte er die vielfältigen Präventionsangebote der gesetzlichen Unfallversicherungsträger gemeinsam mit dem DVR, wie das Präventionsmobil Verkehrssicherheit. Mit diesem Trainingsangebot kann das Thema Zweiradsicherheit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern praxisnah und in erlebbarer Form vor Ort nähergebracht werden.

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Welt-Gedenktag für die Straßenverkehrsopfer

„Runter vom Gas“ mit emotionaler Stammbaum-Anzeige

Von Carla Bormann

Jedes Jahr am dritten Sonntag im November wird weltweit an all jene Menschen gedacht, die im Straßenverkehr ihr Leben verloren haben. Anlässlich des diesjährigen Welt-Gedenktages für die Straßenverkehrsopfer am 18. November erinnerte auch die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und des DVR an die Verkehrstoten – mit einer emotionalen Anzeige in der Effie-Beilage des „Tagesspiegels“ sowie in einer Beilage in der „ZEIT“.

Im Jahr 2017 haben 3.180 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr ihr Leben verloren. Dieser Verlust zerstört nicht nur bestehende Familien, sondern beeinträchtigt auch deren Zukunft, in der es keine Nachkommen gibt. In der Anzeige ist ein Familienstammbaum zu sehen, an dem ein Auto zerschellt ist. Die Tafeln des Stammbaums, in denen normalerweise die Namen und Daten der Nachkommen stehen, sind leer. Nur die zwei unteren Tafeln sind bedruckt – mit dem Namen der beiden verunglückten Insassen.

„Mit jedem Verkehrsopfer stirbt mehr als ein Leben: Wir gedenken mit diesem emotionalen Motiv aller Verkehrstoten und zeigen, wie nachhaltig jeder Verlust ist. Gleichzeitig möchten wir aufzeigen, dass jeder Einzelne Verantwortung im Straßenverkehr trägt – nicht nur für sich, sondern auch für andere“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

„Mit unserem Motiv sensibilisieren wir für die seit Jahren häufigste Unfallursache bei Unfällen mit Todesfolge: unangepasste Geschwindigkeit“, ergänzte DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf. „Diese Unfälle sind vermeidbar. Durch unangepasste Geschwindigkeit kamen 2017 in Deutschland 1.077 Menschen zu Tode, also mehr als ein Drittel aller Verkehrstoten.“

Die Autorin ist Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Kampagnen/Medienarbeit und stellvertretende Pressesprecherin beim DVR.
cbormann@dvr.de

Auszeichnung: „Runter vom Gas“ erhält den silbernen Effie

Am 8. November wurde die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ mit dem silbernen Effie-Award des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA e.V. (GWA) in der Kategorie „Doing Good“ für die Autobahnplakatkampagne 2017 „Perspektiven der Betroffenheit“ ausgezeichnet.

Mehr Informationen zur Kampagne auf:
www.runtervomgas.dewww.facebook.com/RunterVomGas