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Die Sicherheit älterer Menschen im Straßenverkehr erhöhen

Kampagnen „Sicher mobil im Alter“ und „Aktion Schulterblick“

Von Sandra Demuth

Durch den demografischen Wandel steigt der Anteil der Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich und liegt momentan bei rund 21 Prozent. Senioren und Seniorinnen sind mobiler als früher, immer mehr besitzen einen Führerschein und nutzen ihr Auto bis ins hohe Alter, sind innerorts auf dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Dies ist zu begrüßen, denn individuelle Mobilität ermöglicht soziale Teilhabe bis ins hohe Alter und wirkt Vereinsamung vor. Wichtige Termine wie Arztbesuche oder Besorgungen können ohne fremde Hilfe gemeistert werden. Nicht zuletzt ist Bewegung gesund und fördert die Beweglichkeit. Umso wichtiger ist es, dass ältere Menschen im Straßenverkehr sicher sind.

Gravierende Unfallfolgen

Aufgrund ihrer körperlichen Konstitution sind sie besonders gefährdet. Das Alter bringt vielfach bestimmte kognitive, motorische, sensorische Einschränkungen mit sich. Dies bedeutet, die Seh- und Hörfähigkeit kann eingeschränkt sein, ebenso die Beweglichkeit. In unübersichtlichen und komplexen Situationen fühlen sich ältere Menschen häufig unsicher. Viele dieser möglichen Einschränkungen können nur bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden. Hinzu kommt, dass die Unfallfolgen bei älteren Menschen aufgrund ihrer körperlichen Konstitution und Regenerationsfähigkeit häufig gravierender sind als bei jüngeren Menschen.

Aktionswoche „Sicher mobil im Alter“

Dies schlägt sich auch in den Unfallzahlen nieder: Im Jahr 2017 starben in Deutschland 994 Menschen, die mindestens 65 Jahre alt waren, im Straßenverkehr. Alle 36 Stunden stirbt eine Fußgängerin oder ein Fußgänger über 64 Jahren. Knapp 7.000 Fußgängerinnen und Fußgänger ab 65 Jahren verunglückten.

Diese alarmierenden Zahlen nahm der DVR zum Anlass, um mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Aktionswoche „Sicher mobil im Alter“ ins Leben zu rufen. Im Dezember wurde sie erstmalig durchgeführt, um die Sicherheit von Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr zu erhöhen. Autofahrende wurden bundesweit in mehreren Städten mittels Plakaten zu mehr Aufmerksamkeit aufgerufen und dafür sensibilisiert, dass ältere Fußgängerinnen und Fußgänger eines besonderen Schutzes bedürfen. Gleichzeitig erhielten ältere Fußgängerinnen und Fußgänger hilfreiche Tipps für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr.

Bei der Plakatenthüllung in Berlin erklärte DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf: „Ältere benötigen im Straßenverkehr unsere besondere Aufmerksamkeit. Wer zu Fuß unterwegs ist, braucht besonderen Schutz. Sichere Mobilität bedeutet Lebensqualität für jede Generation.“

Rund um den Washington-Platz wurden neben Infomaterialien auch Regenschirme mit retroreflektierenden Elementen verteilt, die auch bei schlechtem Wetter sichtbar machen und schützen. Die meisten Unfälle mit Personenschaden passieren zwischen 16 und 17 Uhr, einer Zeit, zu der es im Winter schon dunkel ist. Auch in Augsburg, Bremerhaven, Dortmund und Leipzig sowie über Partner wie die Deutsche Seniorenliga e.V. wurden Regenschirme und Infomaterialien verteilt.

„Aktion Schulterblick“ fortgesetzt

Bereits im Sommer wurde die „Aktion Schulterblick“, unterstützt vom BMVI und von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), wieder aufgenommen. Sie richtet sich an ältere Autofahrende, deren Angehörige und Freunde sowie Ärztinnen und Ärzte. Sie sensibilisiert für regelmäßige freiwillige Gesundheitschecks zum Erhalt der Fahrtüchtigkeit im Alter. Laut einer Umfrage, die YouGov im Auftrag des DVR durchgeführt hat, haben jedoch lediglich 21 Prozent der Befragten ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin schon einmal darauf angesprochen, ob sich ihr Gesundheitszustand möglicherweise auf ihre Fahrtüchtigkeit auswirkt. Nur vier Prozent wurden von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin schon einmal darauf angesprochen.

Dabei können freiwillige Gesundheitschecks Klarheit schaffen. Mit einigen unkomplizierten Untersuchungen können Ärzte und Ärztinnen schnell überprüfen, wie fahrtüchtig ihr Patient oder ihre Patientin ist. Viele Probleme, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, lassen sich in den Griff bekommen, etwa der Graue Star oder ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Im Zweifel wird an einen Fachkollegen oder -kollegin überwiesen. Zudem ist es wichtig, sich im Alter aktiv mit seiner Fahrtüchtigkeit auseinanderzusetzen. Fahrsicherheitstrainings, Feedbackfahrten in einer Fahrschule oder Seminare wie „sicher mobil“ können dazu beitragen, die Fahrkompetenz zu verbessern.

Die „Aktion Schulterblick“ informiert darüber ausführlich mit Pressemitteilungen sowie über Facebook. Während einer Leser-Telefonaktion wurden Interessierte beraten, die Broschüre und der Flyer der Kampagne wurde weiterhin verbreitet, die DVR-Webseite um Informationen in leichter Sprache sowie für Ärztinnen und Ärzte ergänzt. Auch über Partner wurden die Informationen weiter gestreut.

Die Autorin ist Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit Initiativen und Veranstaltungen beim DVR.
sdemuth@dvr.de

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