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Verkehrssicherheit und Mobilität im Fokus

„Arbeitsschutz Aktuell 2018“ bot umfassendes Präventionsprogramm

Von Lisa Grübl

Nach zwei Jahren war es wieder so weit: Die Fachmesse „Arbeitsschutz Aktuell“ öffnete vom 23. bis 25. Oktober 2018 ihre Pforten und lud zum intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch nach Stuttgart ein. Im Rahmen des betrieblichen Arbeitsschutzes spielt die Verkehrssicherheit eine zentrale Rolle. Daher war auch der DVR mit einem Messestand und im Kongressblock „Verkehrssicherheit und Mobilität“ vertreten.

Konkrete Tipps zur Verkehrssicherheit

Am DVR-Messestand wurden verschiedene Aktionen rund um das Thema Verkehrssicherheit angeboten. Darunter gab es die Möglichkeit, die Wirkung von Alkohol auf die eigene Wahrnehmung zu simulieren, sowie den Kenntnisstand zu den Regelungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) an einem Verkehrstisch zu prüfen. Weiterhin wurde die BG/UK/DVR-Schwerpunktaktion 2018 zum Thema „Emotionen im Straßenverkehr“ vorgestellt.

BGHW-Showtruck

Im Außenbereich konnten neue Aspekte zum innerbetrieblichen Transport mit dem Showtruck der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) selbst ausprobiert werden. Zum Einsatz kamen ein Gabelstaplerkipp- und Vibrationssimulator, ein Sicherheitsstapler mit Drehsitz sowie eine Hubladebühne mit Absturzsicherung und einer Sprungwaage.

Workshop zur sicheren Mobilität

Kay Schulte, DVR-Referatsleiter „Unfallprävention – Wege und Dienstwege“ und Karlheinz Kalenberg, Geschäftsführer der Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V. (FASI), haben einen gut besuchten Workshop moderiert. Das internationale Fachpublikum folgte aufmerksam den vom DVR und dem VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit entwickelten Konzepten, die Anzahl der Straßenverkehrsunfälle zu reduzieren. Im Workshop wurden auch Möglichkeiten der Gefährdungsbeurteilung und in der betrieblichen Praxis erprobte Maßnahmen vorgestellt sowie zielführende Strategien und geeignete Vorgehensweisen diskutiert. DVR und VDSI kooperieren bereits seit vielen Jahren, um das Thema Verkehrssicherheit in die Betriebe zu tragen.

Fachmesse „Arbeitsschutz Aktuell“

Die Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V. (FASI) ist ideeller Träger des dreitägigen Kongresses sowie der Fachmesse „Arbeitsschutz Aktuell“. Kongress und Fachmesse finden seit 1972 alle zwei Jahre an wechselnden Messe-Standorten in Deutschland statt und weisen im langjährigen Durchschnitt weit mehr als 1.000 Kongressteilnehmer und -teilnehmerinnen und etwa 10.000 Messebesucher und -besucherinnen aus.

Kontakt:
Fachvereinigung Arbeitssicherheit e.V. (FASI)
Lisa Grübl
Kommunikationsmanagerin
info@fasi.de

Weitere Informationen unter:
www.arbeitsschutz-aktuell.de

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Autobahnen in Österreich sicherer als in Deutschland

VCD fordert Tempolimit für Autobahnen

Nach Angaben des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) werden in Deutschland pro Autobahnkilometer über 50 Prozent mehr Unfälle verursacht als in Österreich. So lautet ein zentrales Ergebnis einer Analyse zum Unfallgeschehen auf den Autobahnen in Österreich und Deutschland, die der österreichische Schwesterclub des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) vorgestellt hat. Hintergrund ist die Diskussion in Österreich, das Tempolimit auf Autobahnen von 130 km/h auf 140 km/h heraufzusetzen.

„Es wirft ein schlechtes Licht auf die Sicherheit im Verkehr in Deutschland, wenn die erschreckend hohe Zahl von Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen unserem Nachbarland als Negativbeispiel dient. Tausende von Verkehrsopfern, die jährlich in Deutschland zu bedauern sind, zeigen, wie unsinnig es ist, das bewährte Tempolimit auf Österreichs Straßen aufzuweichen. Deutschland ist das einzige Land in der EU ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Die Bundesregierung darf nicht hinnehmen, dass das Unfallrisiko auf Autobahnen in Deutschland um ganze 50 Prozent höher ist als im benachbarten Österreich. Sie sollte ein Tempolimit von 120 km/h einführen“, kommentiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, die Zahlen seiner österreichischen Kolleginnen und Kollegen.

Zahl der Verkehrstoten in Deutschland höher

In Deutschland gilt auf etwa 70 Prozent der Autobahnen kein Tempolimit. In Österreich darf maximal 130 km/h schnell gefahren werden. Die VCÖ-Analyse zeige, dass das Unfallrisiko auf Österreichs Autobahnen niedriger als in Deutschland ist. Im Vorjahr kam es pro 1.000 Autobahnkilometer in Österreich zu 1.065 Verkehrsunfällen, in Deutschland waren es 1.610. Die Zahl der Verletzten betrug in Deutschland 2.597 pro 1.000 Autobahnkilometer und war damit um 65 Prozent höher als in Österreich. Die Zahl der Verkehrstoten auf Deutschlands Autobahnen pro 1.000 Autobahnkilometer war um ein Viertel höher, im Schnitt der vergangenen drei Jahre sogar um ein Drittel höher, so das Ergebnis der VCÖ-Analyse. Die aktuelle VCÖ-Analyse wurde auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts und der Statistik Austria zusammengestellt.

Nicht nur der Blick nach Österreich verlangt nach Auffassung des VCD dringend nach der Einführung eines Tempolimits. Die Zahl der auf Autobahnen Getöteten in Deutschland sei 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 393 auf 409 gestiegen.

Lottsiepen: „Die Autoindustrie und Bundesverkehrsminister Scheuer müssen endlich ihren ideologischen Kampf gegen ein Tempolimit aufgeben. Ein Tempolimit rettet Leben und trägt zusätzlich auch zum Klimaschutz bei.“

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Betrachtungen eines Autolebens

8. DIQ-Symposium in Potsdam

Das Motto des diesjährigen und bereits achten Symposiums des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung e.V. (DIQ) in Potsdam lautete „Sicherheit ein Autoleben lang“. Im Vordergrund stand die komplette Betrachtung eines Autodaseins von den ersten Ideen und Entwürfen am Reißbrett bis hin zur gezielten Verwertung des Fahrzeuges nach seiner Stilllegung.

Wie lange dauert ein Autoleben? An verschiedenen Modellen wurde die Entwicklung von Fahrzeugen ebenso wie die Anforderungen an Design und Assistenzsysteme beleuchtet. Dass 59 Prozent der Autofahrenden einer Umfrage zufolge elektronische Einparkhilfen kannten, aber nur zwölf Prozent den Spurhalteassistenten, gehörte zu den markanten Aussagen im Bereich Unfallforschung und Verbraucherschutz.

Automatisierte Fahrfunktionen

Verkehrssicherheit war auch das Thema von Dr.-Ing. Matthias Kühn von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin. Er stellte die Frage, inwieweit Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen die Verkehrssicherheit erhöhen können. Dabei stand der Einfluss zukünftiger Automatisierungsstufen und ihr Einfluss auf die Verkehrssicherheit im Fokus seiner Betrachtung. Die Unfalldatenbank der deutschen Versicherer leiste hier wertvolle Dienste. So werde etwa die große Bedeutung des Notbremsassistenten durch die Datenlage bestätigt.

Vorgestellt wurde auch eine Simulatorstudie der Unfallforschung, bei der Nebentätigkeiten während der Fahrt und Müdigkeit bei Autofahrten erforscht wurden. Wie schnell werden die automatischen Fahrfunktionen bei Ablenkung nach einer Aufforderung des Systems wieder manuell übernommen? Zwölf bis 15 Sekunden dauert es bis zum Blick in den Spiegel und auf den Tacho nach einer Fahrt mit hoher Ablenkung.

Interessant war auch die Feststellung, dass automatisiertes Fahren stärker ermüdet als die manuelle Variante. Die Empfehlung der Unfallforscher ist, nicht länger als 15 bis 20 Minuten vollautomatisiert zu fahren.

Innovative Fahrzeugkarosserien

Kurt Gilch von der KTD GmbH aus Calw im Schwarzwald referierte über die Reparatur innovativer Fahrzeugkarosserien. Er zeigte auf, dass in modernen Fahrzeugkarosserien immer häufiger Werkstoffe wie ultrahochfeste Stähle, Aluminium, Magnesium und sogar Kohlefaser-Verbundwerkstoffe verbaut sind, um die Sicherheit der Insassen zu erhöhen. Die Anforderungen an die Reparaturbetriebe hätten sich stark verändert, ebenso die Auswirkungen auf die Unfallgutachten, erläuterte der Experte.

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Vernetzter Verkehr der Zukunft

12. Internationale Motorradkonferenz des Instituts für Zweiradsicherheit

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Roller- und Motorradsicherheit lieferte die 12. Auflage der Internationalen Motorradkonferenz des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) in Köln. Für zwei Tage wurde die Domstadt zum zentralen Treffpunkt für Motorradforscher aus aller Welt, um die Sicherheit auf dem motorisierten Zweirad zu optimieren.

Technische Sicherheitsfeatures

Vorträge über technische Sicherheitsfeatures wie das Sicherheitspotenzial von Kurven-ABS-Systemen, die Einsatzgrenzen automatischer Notbremssysteme für motorisierte Zweiräder oder die Verhinderung seitlichen Wegrutschens durch einen Gasrückstoß wurden präsentiert. Ebenso gab es Einblicke in neue Standards für Motorradhelme, die Analysen unterschiedlicher Fahrmanöver während einer Kurvenfahrt oder in die Forschung über neue Scheinwerferdesigns für eine bessere Erkennbarkeit des Motorradfahrenden. Das ifz brachte im Rahmen seiner laufenden Studie auf den Punkt, wie es um das Sicherheitsbewusstsein der Motorradfahrenden in Deutschland steht.

Die dynamischen Entwicklungen im Bereich Fahrerassistenzsysteme standen ebenso auf dem Programm wie das weite Feld der „Konnektivität“. Forschungsergebnisse aus dem Bereich des Straßenbaus und der für Motorräder sensitiven Bereiche wurden ebenso präsentiert, wie Entwicklungen im Bereich der Motorradhelme und Innovationen, um die Sichtbarkeit von Maschine und Mensch zu verbessern.

Erstmals wurde das Angebot der Konferenz um sogenannte „Poster Presentations“ von Motorradexperten dreier Kontinente erweitert, die zum Beispiel einen tiefen Einblick in sicherheitsrelevante Entwicklungen in Brasilien gewährten. Nur ein Beispiel der zunehmenden internationalen Vernetzung der Konferenz, die im zweijährigen Turnus stattfindet und in diesem Jahr über 150 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 23 Nationen zusammenführte.

Vernetzung im doppelten Sinne

Die Konferenz dient dazu, das Netzwerk derer zu stärken und auszubauen, die im Dienste der Sicherheit der Motorradfahrenden forschen. Aber Vernetzung spielt auch auf der technischen Ebene eine wichtige Rolle. Die Vernetzung der Motorräder untereinander sowie die mit der Verkehrsinfrastruktur ist ein sicherheitsrelevantes Zukunftsthema. Das spiegelte sich auch im Titel der „Round-Table“-Diskussion am ersten Konferenztag wider: „Die Rolle des motorisierten Zweirades im Verkehr der Zukunft“.

„In den Forschungsergebnissen in diesem Bereich und dem großen Engagement der Industrie, sieht das ifz großen Anlass zur Hoffnung, die seit vielen Jahren im Trend sinkenden Unfallzahlen der Motorradfahrer weiterhin zu mindern“, erklärte ifz-Forschungsleiter Matthias Haasper. Die digitalisierte und vernetzte Welt werde das Motorradfahren sicherer machen.

Ansporn genug, auch in zwei Jahren eine Internationale Motorradkonferenz anzubieten, die – wie es Tim Buche, CEO und Präsident der US-amerikanischen Motorcycle Safety Foundation (MSF) in seinen Schlussworten formulierte – „die beste aller Zeiten“ war.

Kooperationspartner der 12. Internationalen Motorradkonferenz waren die MSF, die Europäische Vereinigung der Motorradhersteller (ACEM) und der Industrie-Verband Motorrad Deutschland (IVM) sowie der DVR und die Koelnmesse.

Mehr Sicherheit für Motorradfahrende weltweit

DVR unterzeichnet Letter of Intent

Die International Motorcycle Federation (FIM) ist neuer Kooperationspartner der Initiative für mehr Motorradsicherheit in Europa. Gemeinsam mit dem DVR und der Europäischen Vereinigung der Motorradhersteller (European Association of Motorcycle Manufacturers, ACEM) unterzeichnete die FIM dazu einen Letter of Intent im Rahmen der Internationalen Motorradkonferenz in Köln. Damit bekräftigt die Organisation, zertifizierte Sicherheitstrainings künftig weltweit zu fördern.

„Wir wissen: Der Mensch ist der entscheidende Faktor für diese Unfälle. Deshalb müssen wir mehr Motorradfahrende erreichen und ihnen mit zertifizierten Trainings helfen, sicher zu fahren“, sagte DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Kellner bei der Unterzeichnung. Dem schloss sich ACEM-Generalsekretär Antonio Perlot an: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der FIM, um auch nach dem Führerschein die besten Trainingsprogramme in ganz Europa zu fördern und die europäischen Straßen für alle Motorradfahrer besser und sicherer zu machen.“

Steve Aeschlimann, Chief Executive Officer der FIM, bekräftigte die künftige Zusammenarbeit und betonte, lebenslanges Training sei essenziell, um die Sicherheit von Motorradfahrenden zu verbessern. Viele Menschen machten nur ein Mal eine Führerscheinprüfung, nutzten aber täglich das Motorrad. „Wir wollen, dass Motorradfahrer ein angemessenes Training erhalten, um potenziell gefährliche Situationen auf der Straße vermeiden zu können.“

Über das Qualitätssiegel

Um die Zahl der getöteten und schwer verletzten Motorradfahrenden in Europa zu senken, bekannte sich die ACEM 2015 zum Qualitätssiegel des DVR, aus dem das heutige European Training Quality Label hervorging. Aktuell werden damit hochwertige Schulungsprogramme und Trainings für Motorradfahrende in ganz Europa ausgezeichnet. So kann schnell erkannt werden, welches Training wirklich hilft, sicher durch die Saison zu kommen. Durch die Beteiligung der FIM werden Sicherheitstrainings nach den Kriterien des Qualitätssiegels in Zukunft weltweit gefördert.

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Autofahrer wählen Sicherheit vor Entertainment

KÜS-Umfrage: Steigende Akzeptanz für Assistenzsysteme

Ein Großteil der Autofahrenden ist der Meinung, dass elektronische Fahrerassistenzsysteme das Fahren sicherer (80 Prozent) und komfortabler (82 Prozent) machen. Das ergab eine repräsentative Befragung von 1.000 Personen im Auftrag der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger (KÜS).

Ganz selbstbewusst glauben aber auch 85 Prozent der Befragten, dass die Systeme die eigene Fahrerfahrung nicht ersetzen können. So antworten auf die Frage, ob man selbst ein guter Autofahrer sei, 34 Prozent mit „trifft absolut zu“ und weitere 60 Prozent mit „trifft eher zu“.

Fahrerassistenzsysteme, die der Verkehrssicherheit zuträglich sind, sind für die Autofahrenden am wichtigsten. Eine Multimedia-Ausstattung wie Anbindung für Musik, Videos oder Spiele ist im Vergleich weniger gefragt. Die KÜS begrüßt sehr, dass die Autofahrer sich trotz aller Assistenzsysteme lieber auf den Straßenverkehr konzentrieren, als ihre Aufmerksamkeit Unterhaltungsmedien zukommen zu lassen. So sind 65 Prozent der Meinung, dass zu viel technische Innenausstattung beim Fahren ablenkt. Allerdings lag dieser Wert 2014 mit 80 Prozent noch deutlich höher. Die Mehrheit der Befragten von 62 Prozent ist der Meinung, dass der technische Fortschritt die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht.

Die wichtigsten Assistenzsysteme sind Notbremsassistenten, Spurwechsel-/Toter-Winkel-Assistenten und Einparksensoren. Am unwichtigsten sind laut Umfrage die Parkplatzsuche per App, Alkoholtest-Systeme und Verkehrsschildererkennung. Auch bei der Multimedia-Ausstattung dominieren sicherheitsrelevante Systeme. Am wichtigsten ist den Fahrenden ein automatisches System, das bei Unfällen Rettungsdienste alarmiert und den Standort übermittelt. Internetbasierte Navigationssysteme für sichere Stauumfahrungen folgen. Als ebenfalls wichtig wird die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander angesehen, die der Unfallprävention dienen, beispielsweise Stauendewarner.

Autonom fahrende Fahrzeuge kommen immer stärker in Frage. 36 Prozent (2014: 26 Prozent) erwägen den Kauf eines Autos, das Teilstrecken autonom fahren kann. Für 29 Prozent (2014: 22 Prozent) der Befragten ist sogar ein vollautonomes Fahrzeug eine Option.

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Ehrung für mutiges Handeln

„Kavaliere der Straße“ in Mannheim ausgezeichnet

Es ist Dezember und kalt. Unweit von Tirschenreuth in der Oberpfalz kommt ein Paketzusteller mit seinem VW-Transporter von der Straße ab, der Wagen überschlägt sich und landet in einem Ausgleichsteich des Bauhofes, auf dem Dach liegend im circa einen Meter tiefen Wasser. Der Fahrer hängt kopfüber im Gurt und kann sich nicht selbst befreien. In der Fahrerkabine steigt das Wasser langsam, aber stetig an.

Rettungsaktion im kalten Wasser

Klaus und Philipp Tretter sowie das Ehepaar Sandra und Stefan Fenzl eilen zu Hilfe. Doch weder die Fahrer- noch die Beifahrertür lassen sich öffnen. Also unternehmen sie einen Rettungsversuch durch den Laderaum. Die Trennwand zur Fahrerkabine ist jedoch fest verschraubt, sie lässt sich nicht öffnen. Und in der Fahrerkabine steigt das Wasser. Während eilends Werkzeug herbeigeschafft wird, kümmern sich die Helfer um den Fahrer, versuchen ihn zu beruhigen, stützen ihn. Dann endlich: Die Verschraubungen der Trennwand können gelöst, die Trennwand herausgenommen werden. Jetzt gelingt es – und das im letzten Moment – den Fahrer aus dem Gurt zu befreien und über den Laderaum in Sicherheit zu bringen. Der Postbote wurde leicht unterkühlt ins Krankenhaus gebracht. Dort erklärt er den aufnehmenden Polizeibeamten, dass er geglaubt habe, im Fahrzeug ertrinken zu müssen.

Es sind Geschichten wie diese, die aus Helferinnen und Helfern „Kavaliere der Straße“ machen. „Sie haben dem Postboten mit ihrem tatkräftigen und überlegten Einsatz das Leben gerettet“, sagte Gerd Brunner, Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen ‚Kavalier der Straße‘ im DVR“ in seiner Laudatio.

Jugend übernimmt Verantwortung

Insgesamt 16 Frauen und Männer wurden im Rahmen der 59. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen im Mannheimer Polizeipräsidium für ihre Tatkraft und Zivilcourage als „Kavaliere der Straße“ ausgezeichnet. Ausgerichtet wurde die Jahrestagung vom „Mannheimer Morgen“.

Deren Redakteur Stephan Eisner lobte die weiblichen und männlichen Kavaliere, die nicht weggeschaut, sondern beherzt und mutig gehandelt haben. Er freute sich besonders über die hohe Zahl jüngerer Kavaliere, die damit verantwortungsvolles Verhalten unter Beweis stellten. Das gilt besonders für die erst zehnjährige Eliana Ludwig aus Bad Aibling. Sie hat beobachtet, wie eine ältere Frau mit ihrem Pkw zurücksetzt, um zu wenden. Dabei gerät sie – wahrscheinlich, weil sie mit der Automatik ihres Wagens nicht zurechtkommt – in den Graben eines Bachlaufes. Der Graben ist etwa drei Meter tief, der Wagen kippt, überschlägt sich und landet in dem kleinen Bachlauf auf dem Dach. Eliana überlegt nicht lange, sondern handelt. Sie läuft sofort zur Unfallstelle und klettert die teils steile Böschung hinunter. Sie kann die Fahrertür öffnen und der verunglückten Frau helfen, aus dem Wagen zu klettern. Glücklicherweise blieb die Frau unverletzt. „Eliana, du bist ein ganz tolles Mädchen, auf dich können wir alle stolz sein“, lobte Brunner die jüngste Teilnehmerin, die jemals als „Kavalier der Straße“ ausgezeichnet wurde.

Rücksichtsvolles Verhalten

Auch der Mannheimer Polizeipräsident Thomas Köber zeigte sich begeistert von den Kavaliergeschichten. „In Zeiten, in denen Gaffen und Filmen bei vielen Unfällen beliebter zu sein scheint als zu helfen, haben Sie besonders rücksichtsvolles, partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr bewiesen“, sagte er in Richtung Kavaliere.

Auch DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer dankte den ausgezeichneten Kavalieren für ihren uneigennützigen, mutigen und beherzten Einsatz: „Sie haben sich in kritischen Situationen vorbildlich verhalten, ohne dabei das Risiko für sich selbst zu scheuen und noch dazu geistesgegenwärtig reagiert.“

Einen interessanten Vergleich zwischen künstlicher und emotionaler Intelligenz stellte Hermann Fetsch, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Kavalier der Straße“ vom „Donaukurier“, an. Beim Blick darauf, wie sich unsere Mobilität entwickelt, spiele künstliche Intelligenz bei zunehmender Automatisierung der Fahrzeuge und der Infrastruktur eine wichtige Rolle. Dabei dürfe aber die emotionale Intelligenz und die Hilfsbereitschaft nicht verloren gehen. „Es sind auch die kleinen Gesten, auf die es ankommt. Einen Verletzten zu trösten, ihm die Hand zu halten oder ein Gebet mit einem Sterbenden zu sprechen“, unterstrich Fetsch.

Seit Gründung der Arbeitsgemeinschaft 1959 sind über 70.000 Menschen als Kavaliere der Straße ausgezeichnet worden.

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Zahl der Wildunfälle so hoch wie noch nie

GDV: Wirtschaftlicher Schaden von 744 Millionen Euro

Im vergangenen Jahr wurden den Autoversicherern rund 275.000 Wildunfälle gemeldet – so viele wie nie zuvor und 11.000 mehr als im Vorjahr. Das zeigt die Wildunfall-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Im Jahr 2017 kamen auf Deutschlands Straßen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zehn Menschen bei Wildunfällen ums Leben, 606 Personen wurden schwer und 2.308 leicht verletzt. Die meisten der insgesamt 2.551 Wildunfälle mit Personenschaden gab es 2017 in Bayern (471 Unfälle mit Personenschaden, bei denen zwei Menschen getötet wurden) und Niedersachsen (355 Unfälle, zwei Getötete).

Im Schnitt kollidieren jeden Tag rund 750 Wildtiere mit Autos. Seit drei Jahren zeigt sich ein Trend zu mehr Kollisionen und höheren Schäden. Die Versicherer leisteten für jeden Unfall durchschnittlich rund 2.700 Euro. Insgesamt stiegen die wirtschaftlichen Schäden durch Wildunfälle um rund 62 Millionen Euro auf 744 Millionen Euro.

Riskante Ausweichmanöver vermeiden

Die Versicherer raten Autofahrenden, die Warnschilder vor Wildwechsel zu beachten und ihre Fahrweise entsprechend anzupassen: Am Rand von Wiesen, Feldern und Wäldern abbremsen und vor allem in der Dämmerung die Geschwindigkeit verringern. Wenn Wild auf der Straße oder am Straßenrand auftaucht, sollte das Fernlicht abgeblendet und gehupt werden. Riskante Ausweichmanöver sollten vermieden werden. Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder einem Baum birgt in der Regel größere Gefahren als die Kollision mit einem Tier.

Verhaltenstipps nach einem Wildunfall

  1. Unfallstelle sichern: Warnblinklicht einschalten, Warndreieck aufstellen.
  2. Die Polizei benachrichtigen.
  3. Ein verletztes oder getötetes Tier möglichst nicht anfassen. Das Bergen des Tieres ist Aufgabe des Försters oder Jagdpächters.
  4. Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug machen. Das ist hilfreich für eine schnelle Schadenbearbeitung.
  5. Eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen.
  6. Den Versicherer anrufen, bevor die Wildspuren beseitigt sind oder das Fahrzeug repariert, verschrottet oder verkauft wird.

Schadenersatz

Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild – wie Rehe und Wildschweine – verursacht werden, begleicht die Teilkaskoversicherung. Einige Versicherer haben ihren Schutz zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch Tieren aller Art ausgeweitet. Auch wer eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hat, wird entschädigt. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss.

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