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Europa

 

ETSC feierte 25-jähriges Bestehen

Wegbereiter für die EU-Verkehrssicherheitspolitik

Von Jacqueline Lacroix

Mit einer Diskussionsrunde zur Frage, ob Automatisierung künftig die Verkehrssicherheitsprobleme zu lösen vermag, feierte der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC sein 25-jähriges Bestehen. Zur Zeit der Gründung des ETSC starben auf den Straßen der EU mehr als 50.000 Menschen pro Jahr. Seitdem ist die Anzahl der Verkehrstoten um fast die Hälfte zurückgegangen, dies trotz der Erweiterung der EU und einer erhöhten Motorisierung. Diese positive Entwicklung ist auf den Einsatz zahlreicher Einzelpersonen, Organisationen, Unternehmen, Regierungen und der EU zurückzuführen. Der ETSC hat dazu in erheblichem Maße beigetragen.

Wissenschaftliche Expertise

Der damalige DVR-Hauptgeschäftsführer Herbert Warnke, Pieter van Vollenhoven vom Raad voor Verkehrsveiligheit aus den Niederlanden und Jeanne Breen vom britischen Parliamentary Advisory Council for Transport Safety (PACTS) haben im April 1993 nach mehr als dreijähriger Vorbereitung den ETSC aus der Taufe gehoben. Ein Jahr zuvor waren die Maastricher Verträge unterzeichnet worden, die die Verkehrssicherheit als Bestandteil der EU-Verkehrspolitik verankerten und somit die Europäische Union und die Mitgliedstaaten zur Tätigkeit auf diesem Gebiet aufforderten. Die Gründer waren sich schnell einig, dass der ETSC seine an die Politik gerichteten Empfehlungen nur auf forschungsgestützter Basis formulieren sollte.

Dieser Prämisse ist der ETSC, der nunmehr 60 Mitglieder zählt, bis heute treu geblieben. Ein europaweites Netzwerk aus Fachleuten stellt dem ETSC Erkenntnisse zur Verfügung und unterschiedliche Organisationen, Unternehmen und Stiftungen sowie die EU-Kommission unterstützen den ETSC finanziell. Herman de Croo, von Beginn an Präsident des ETSC, ist Verkehrsminister und Vorsitzender des Repräsentantenhauses in Belgien gewesen.

Flaggschiff „PIN-Programm“

Von Beginn an hat der ETSC den Erfahrungsaustausch zwischen den EU-Staaten gefördert. Mit der Konferenzreihe „Best of Europe“ konnten beispielsweise neu beigetretene Länder mit hohen Unfall- und Getötetenraten an den Erfahrungen „alter“ Länder mit bestehenden Verkehrssicherheitsstrukturen partizipieren. Der Austausch guter Praxisbeispiele führte zur Entwicklung und Umsetzung des „PIN-Programms“ des ETSC, das heute das Flaggschiff der Organisation darstellt: spezifische Problembereiche der Sicherheit im Straßenverkehr – ob junge Fahrer, Kinder, Autobahnen, Landstraßen – werden ländervergleichend analysiert und es wird aufgezeigt, mit welchen erfolgversprechenden Maßnahmen diese Probleme angegangen werden können.

Langfristiges Ziel ist dabei die Vision Zero, die in die Verkehrssicherheitspolitik der EU Eingang gefunden hat. Kurz- und mittelfristig sollten jedoch alle Länder in ihren Verkehrssicherheitsprogrammen quantitative Ziele festlegen und ihre Maßnahmen nicht nur auf eine Reduzierung der Anzahl der Getöteten, sondern auch der Schwerverletzten, ausrichten. Der ETSC hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Schwerverletzte stärker in das Blickfeld der Politik geraten sind.

Die Autorin ist Leiterin der Referate Europa und Verkehrsmedizin beim DVR.
jlacroix@dvr.de

Verleihung der PRAISE-AWARDS 2018

Im Rahmen der PRAISE-Konferenz am 17. Oktober 2018 vergab der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC die Auszeichnung an Unternehmen, die durch außerordentliche Maßnahmen die betriebliche Verkehrssicherheit verbessert und damit zu einer Erhöhung der Sicherheitskultur beigetragen haben.

CTT, der portugiesische Postdienstleister, erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Großunternehmen. Das britische Unternehmen Conway erhielt in derselben Kategorie die Auszeichnung „höchst empfohlen“. Beide Firmen haben in den vergangenen Jahren insbesondere durch individuelle Fahrsicherheitstrainings und innerbetriebliche Informations- und Aufklärungsarbeit bemerkenswerte Reduktionen hinsichtlich der Anzahl der Unfälle erreichen können.

Die Auszeichnung für öffentliche Unternehmen wurde von DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf an STIB-MIVB, die Verkehrsbetriebe der Stadt Brüssel, überreicht. Mit dem Ziel, die Unfälle zwischen Straßenbahnen und ungeschützten Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmern sowie Pkw-Fahrenden zu reduzieren, führte das Unternehmen eine sorgfältige Analyse von Unfallschwerpunkten durch. Für jede Straßenbahnlinie wurde ein Handbuch entwickelt, in dem die risikoreichen Abschnitte mit Fotos hinterlegt wurden. Schulungen des Fahrpersonals sowie öffentliche Aufklärungsmaßnahmen und Verbesserungen der Infrastruktur führten zu einer Reduzierung der Anzahl der Unfälle mit Personenschaden um 16 Prozent im letzten Jahr.

Neben der Preisvergabe stellte der ETSC den letzten Bericht des PRAISE-Projektes vor, der die Nutzung von Telematik in Fahrzeugflotten im Fokus hat. Systeme wie Ereignisdatenspeicher oder die Routenaufzeichnungen dienen dazu, das Fahrverhalten zu beobachten und damit eine sichere Fahrweise zu unterstützen. Das Geschwindigkeitsverhalten, Übermüdung oder gar Ablenkung können unter Zuhilfenahme dieser Systeme individuell adressiert werden und somit zu einer effizienteren und sicheren Fahrweise beitragen. Da es jedoch noch nicht viele Forschungsergebnisse zu Telematikanwendungen gibt, ist der Sicherheitseffekt nicht allgemein quantifizierbar. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der Akzeptanz der Fahrenden und der geeigneten Feedback-Methoden.

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