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Im Blickpunkt

 

Prävention systematisch planen

Investitionen in Sicherheit und Gesundheit lohnen sich

Von Kay Schulte

Eine Welt ohne Verletzte und Tote ist nicht nur die Vision für die Arbeitswelt, sondern gilt uneingeschränkt auch für die Teilnahme am Straßenverkehr. Verkehrsunfälle sind weder schicksalhaft noch unvermeidlich – sie haben immer Ursachen, auch wenn diese manchmal nicht sofort sichtbar sind. Durch eine wirksame Präventionskultur lässt sich der überwiegende Teil dieser Ursachen beseitigen und Unfälle und Verletzungen verhindern.

Sicher und gesund zurückgelegte Wege sind nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern rechnen sich auch wirtschaftlich. Investitionen in Sicherheit und Gesundheit auf den täglichen Wegen vermeiden menschliches Leid und schützen das wertvollste Gut eines Unternehmens oder einer Einrichtung – die physische und psychische Unversehrtheit der Beschäftigten. Und dies wird belohnt: Motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen erheblich zum Erfolg von Unternehmen und Einrichtungen bei.

Internationale Forschungsprojekte zum „Return on Prevention“ haben gezeigt, dass jeder in Sicherheit und Gesundheit investierte Euro zu rund zwei Euro Nutzen führt. Um Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu verbessern, müssen jedoch nicht zwangsweise die Ausgaben erhöht werden. Viel entscheidender ist, dass die Unternehmensführung sensibel handelt, Fehler nutzt, um daraus zu lernen und eine offene Kommunikation auf allen Ebenen fördert.

Gerade im Bereich der Straßenverkehrsunfälle sehen viele Betriebe oder Einrichtungen leider nur geringe Möglichkeiten auf Beschäftigte einwirken zu können. Insbesondere Wegeunfälle werden dabei immer noch als gegeben und kaum beeinflussbar angesehen.

Unfälle erzählen Geschichten

Aber ein Unfall passiert nicht einfach so, jeder Unfall erzählt eine Geschichte, die in der Regel veränderbar ist. Hinzu kommt eine Vielzahl von „Beinaheunfällen“, die, genauer betrachtet, wichtige Erkenntnisse liefern können. Zeitdruck, Belastungen durch das häusliche Umfeld oder die Arbeitsaufgabe, Emotionen oder Ablenkung sind ebenso Faktoren, die Fahrten beeinflussen, wie Stausituationen, Witterung oder Straßensperrungen. Andere kommen in Bedrängnis durch ausfallende Busse oder S-Bahnen und erleiden Unfälle, wenn sie zu Fuß unterwegs sind.

Einzelne Initiativen oder Projekte können ein Anfang sein, um zu sensibilisieren. Wenn es aber dabei bleibt und nicht weitergeführt wird, sind sie nur ein kurzes Strohfeuer und stellen keine nachhaltige Lösung dar. Wenn Maßnahmen erfolgreich sein sollen, müssen sie auf Basis von Erkenntnissen über vorhandene Probleme installiert werden.

Ein Betrieb oder eine Einrichtung kann zwar nicht das Wetter beeinflussen, den ÖPNV regulieren oder Straßensperrungen aufheben. Aber wenn diese individuell auftretenden Faktoren bekannt sind, haben Betriebe und Einrichtungen eine Vielzahl von Einflussmöglichkeiten. Denn Wissen und Kenntnisse verschaffen Sicherheit, passende, geeignete Präventionsmaßnahmen zu finden und auszuwählen.

Systematisch vorgehen

Ein wichtiger Anhaltspunkt ist die Durchführung einer umfassenden Gefährdungsbeurteilung. Diese muss den Aspekt der Mobilität, also die Teilnahme am Straßenverkehr beinhalten. Dabei geht es nicht nur um Gefährdungen während einer dienstlich begründeten Teilnahme am Straßenverkehr, sondern auch um Gefährdungen während der Wege zur Arbeit oder zurück nach Hause.

Leben Sie Führung – zeigen Sie Flagge! gehört zu den prioritären Voraussetzungen einer wirksamen Präventionskultur. Wenn die Unternehmensleitung, die Leitung einer Bildungseinrichtung oder einzelne Führungskräfte präventive Vorgehensweisen nicht unterstützen oder fördern, wird sich der Präventionsgedanke nicht durchsetzen. Die Unternehmensleitung ist ein entscheidender Impulsgeber.

„Führungskräfte haben großen Einfluss darauf, welchen Stellenwert die Beschäftigten Sicherheit und Gesundheit beimessen.“ Insbesondere für das Aufgabenfeld der betrieblichen Verkehrssicherheitsarbeit ist es unabdingbar, dass sich Führung hier gegenüber den Beschäftigten positioniert, um dem Gedanken, man habe keinen Einfluss auf das Verhalten im Straßenverkehr, entgegenzuwirken. Dabei müssen Führungskräfte als Vorbilder vorangehen und den Beschäftigten zeigen, dass auch für sie eine sichere Verkehrsteilnahme höchste Priorität hat.

Frag die Banane

Der DVR stellt mit seiner Plattform www.deinewege.info wertvolle Hilfen für den Bereich der betrieblichen Verkehrssicherheitsarbeit zur Verfügung, die Unternehmen und Einrichtungen darin unterstützen, systematisch vorzugehen. Unter dem neuen Menüpunkt „Prävention systematisch planen!“ zeigt der Schauspieler Hans-Werner Meyer im Kurzfilm „Frag die Banane“ eindrucksvoll, wie es einer Fachkraft für Arbeitssicherheit ergehen kann, wenn das Thema Gefährdungen im Straßenverkehr, ausgelöst durch eine herumliegende Bananenschale, plötzlich akut wird. Aus „wilden“ Gedankenblitzen, Vorstellungen und Ideen (in einer schwarz-weißen Stummfilmvariante) entsteht nach und nach unter Anwendung des TOP+S-Models (Technik, Organisation, Person, Situation) eine strukturierte Vorgehensweise, die überzeugt und aufzeigt, wie Prävention etabliert werden kann.

Gleichzeitig steht hier das Handbuch „Systematische Verkehrssicherheitsarbeit in Unternehmen und Bildungseinrichtungen“ zur Verfügung, in dem eine systematische Planung und Vorgehensweise bei der Verkehrssicherheitsarbeit sowie erprobte Maßnahmen vorgestellt werden.

Weitere sieben Kurzfilme geben Interessierten visuelle Eindrücke über bewährte Maßnahmen aus den vorhandenen Angeboten des DVR und der Unfallversicherungsträger, um aufzuzeigen, wie sich Verkehrssicherheitsprävention in den Arbeitsalltag integrieren lässt.

Gerade zur Unterstützung von Verantwortlichen und Führungskräften werden zusätzlich Praxishilfen mit einfachen Checklisten bereitgestellt, um einfach und schnell einen Überblick darüber zu bekommen, welchen Stellenwert Verkehrssicherheitsarbeit in Unternehmen und Einrichtungen zurzeit hat und wie ein systematischer Ausbau mit einfachen Mitteln realisiert werden kann. Das Portfolio erstreckt sich von Betriebsvereinbarungen und Dienstanweisungen bis hin zu mehrtägigen Aus- und Fortbildungsangeboten. Sämtliche Medien und Materialien können kostenfrei heruntergeladen werden.

Mobilität professionell thematisieren

Um relevante Themen professionell behandeln zu können, stehen unter dem Menüpunkt „Medien- und Materialportal“ eine Vielzahl von Informations- und Schulungsmaterialien für den Einsatz in Betrieben und Einrichtungen zur Verfügung. Damit können Gefährdungen auf den arbeitsbedingten Wegen orientiert an den Bedürfnissen und den Erfahrungen der Beschäftigten betrachtet und bearbeitet werden. „Geschwindigkeit und Abstand“, „Ablenkung im Straßenverkehr“ oder „Rücksicht innerorts und außerorts“ sind nur einige Themen mit ausdrucksstarken Materialien für die konkrete Verkehrssicherheitsarbeit vor Ort. Für Bildungseinrichtungen existiert ein eigener Bereich mit erprobten Materialien für den Unterricht in den Sekundarstufen I und II. Themen wie Multitasking, Regeln, Werte und Normen oder Emotionen im Straßenverkehr lassen sich in jugendgerechter Art und Weise im schulischen Kontext behandeln und thematisieren.

Der Autor ist Leiter des Referates Unfallprävention – Wege und Dienstwege beim DVR.
kschulte@dvr.de

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