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Editorial

 

Wer fährt, tippt nicht!
 

Es wurde höchste Zeit, die gesetzlichen Vorschriften zur Nutzung moderner Kommunikationsmittel beim Führen von Fahrzeugen zu aktualisieren. Das Verbot der nicht bestimmungsgemäßen Nutzung von Mobil- und Autotelefonen auf andere Geräte der Unterhaltungselektronik, wie zum Beispiel Tablets, andere tragbare Flachrechner oder Fernseher mit Videofunktion sowie Navigationsgeräte auszuweiten, war längst überfällig. Die mit der Nutzung dieser Geräte einhergehende Ablenkung wird viel zu häufig in hohem Maße unterschätzt. In unserer digitalen, vernetzten Welt stehen wir vor der Herausforderung, ständig „online“, jederzeit erreichbar sein zu müssen. Auch beim Autofahren wollen viele auf E-Mails, WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. nicht verzichten und wir glauben, wir können mehrere Dinge gleichzeitig tun. Das ist allerdings ein Irrtum und Multitasking ein Mythos.

Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland mindestens jeder zehnte Verkehrsunfall durch Ablenkung verursacht wird. Auch ein nur kurzer Blick auf Smartphone oder Tablet kann schnell böse enden und tödliche Folgen haben. Die Wahrscheinlichkeit für einen so verursachten Unfall steigt beispielsweise beim Telefonieren um das Zweifache, beim Lesen oder Texten sogar um das Sechsfache und beim verbotenen Wählen einer Telefonnummer mit dem Handy in der Hand auf das Zwölffache. Hinzu kommt das Problem der Blickabwendung: Wer bei 50 km/h nur eine Sekunde den Blick vom Verkehrsgeschehen abwendet, legt 14 Meter im Blindflug zurück. Kaum jemand rechnet mit dem Kind, das binnen dieser Sekunde auf die Straße läuft, noch mit dem Auto, das in dem Moment die Vorfahrt nimmt. Die klare Empfehlung muss deshalb lauten: Wer fährt, tippt nicht!

Die Nutzung technischer Geräte mit einer den Verhältnissen angepassten kurzen Blickzuwendung zu ermöglichen, ist sehr kritisch zu betrachten. Menschen haben in der Regel ganz individuelle Interpretationen für den Begriff „kurz“. Die aktive Teilnahme am Straßenverkehr erfordert jedoch jederzeit volle Konzentration.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre,
herzlichst, Ihr

Sven Rademacher, Chefredakteur
srademacher@dvr.de

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