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Rundschau

 

Ein Jahr „German Road Safety“ mit positiver Bilanz
 

Vor einem Jahr startete der DVR mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) die Kampagne „German Road Safety“. Ziel ist es, Menschen aus anderen Ländern zu ermöglichen, sich sicherer im Straßenverkehr zu bewegen. Das Herzstück bildet eine mehrsprachige Smartphone-App, die im März 2017 mit dem „Mobility & Safety Award“ von auto motor und sport und HUK-Coburg ausgezeichnet wurde. Um der weiterhin großen Bedeutung des Themas gerecht zu werden, hat die App pünktlich zum einjährigen Jubiläum die Sprachpakete Farsi und Paschtu sowie ein Quiz für Kinder erhalten. Neue Themenkapitel sind für Herbst 2017 geplant.

„Ich begrüße und freue mich über die Überarbeitung der App. Der Kreis derer, die sich auf einfache Art und Weise und vor allem in ihrer Muttersprache über die Verkehrsregeln in Deutschland informieren können, wird dadurch immer größer. Geflüchtete sollen sich sicher, selbstständig und selbstbewusst bei uns im Straßenverkehr bewegen können. Die App hilft dabei, ihre fehlenden Erfahrungen und Sprachbarrieren abzubauen“, erläutert Martin Burkert, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages, der die Initiative seit ihrem Start unterstützt.

In der aktuellen Version kann die Smartphone-App in den fünf Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi und Paschtu genutzt werden.

Weitere Informationen unter www.germanroadsafety.de

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„Viel zu selten wird an die Fahrer gedacht“

23. DVR-Forum „Sicherheit und Mobilität“: Nutzfahrzeuge in Deutschland – Vorfahrt für Wirtschaftlichkeit oder Sicherheit?

Im Jahr 2015 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als 15.500 Güterkraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen und Sattelzüge an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. Bei diesen Unfällen sind 242 Menschen ums Leben gekommen, 10.844 wurden verletzt. Sind Brummis also eine echte Gefahr auf unseren Straßen? Diese und weitere Fragen wurden beim 23. Forum „Nutzfahrzeuge in Deutschland – Vorfahrt für Wirtschaftlichkeit oder Sicherheit?“ des DVR am 19. Juni 2017 in Frankfurt/M. diskutiert.

DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf begrüßte die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung, die von der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) unterstützt wurde.

Er ging auf die hohe Beanspruchung des Fahrpersonals sowie auf die schweren Unfälle, die im Schwerlastverkehr immer wieder verursacht werden, ein. „Hier können elektronische Fahrerassistenzsysteme, besonders Notbremsassistenten, einen wichtigen Beitrag leisten, Unfälle zu vermeiden oder zumindest in ihren Folgen abzuschwächen“, sagte der DVR-Präsident.

Moderiert wurde das Forum von Matthias Rathmann, Chefredakteur der Fachzeitschrift „trans aktuell“.

Stress für die Fahrer

Die große Bedeutung des Transportgewerbes unterstrich Klaus Peter Röskes, Vorsitzender des Vorstands der BG Verkehr: „Wir bringen Waren von A nach B und sind ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftssystems. Viel zu selten wird allerdings an die Fahrer gedacht.“ Er beklagte den Zustand der Straßeninfrastruktur und ging auf die großen Herausforderungen für das Fahrpersonal ein: Stress durch die Just-in-time-Lieferkette, lange Wartezeiten mit mangelnden Versorgungsmöglichkeiten an den Be- und Entladestellen, fehlende Parkmöglichkeiten, Wetter- und Witterungseinflüsse sowie die zunehmende Technisierung in den Fahrzeugen.

Diese Stressfaktoren führen zu einer ungesunden Lebensweise, mangelndem Schlaf und bringen gesundheitliche Risiken mit sich. Hinzu kommt die monotone und routinierte Fahraufgabe, die zu Langeweile und Unterforderung führen kann. In der Folge wird der Mensch am Steuer unaufmerksam, er lenkt sich mit fahrfremden Tätigkeiten ab, hält zu wenig Sicherheitsabstand und unterschätzt insgesamt sein Unfallrisiko. Das machte Dr. Axel Malczyk von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) deutlich.

Was passiert tatsächlich Tag für Tag auf unseren Straßen und kann das auf Dauer gut gehen? Einen Einblick in seine Arbeit gab Thomas Fiala von der Autobahnpolizei Köln. Er und seine Kollegen beobachten zunehmend Fahrende, die durch Smartphone, Tablet und Co. abgelenkt sind. Problematisch sei nach wie vor die Gurtquote. „Nachts ist nur ein Viertel der Fahrer angeschnallt“, schilderte der Verkehrssicherheitsberater seine Erfahrungen im Großraum Köln.


Ein weiteres Problem ist die Parkplatznot. Ausweichmöglichkeiten in Gewerbegebiete nahe der Autobahn fallen zunehmend weg, da Kommunen aufgrund von Bürgerprotesten Parkverbote verhängen. „Die Leute möchten frische Milch im Kühlschrank haben, aber keine parkenden Lkw abseits der Autobahn“, brachte es der Journalist und Autor Jan Bergrath auf den Punkt. Dies führe dann zu dem sehr gefährlichen „wilden Parken“ auf den Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen auf den Autobahnen. Derzeit fehlen nach Angaben von Johannes Witt von der Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA) rund 20.000 Lkw-Parkplätze in Deutschland.

Von unwürdigen Arbeitsbedingungen für die Lkw-Fahrenden sprach Stefan Thyroke von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Die Touren seien häufig zu dicht getaktet und für das Fahrpersonal gestalte sich der Arbeitsalltag sehr schwierig.

Manipulation 4.0

Auf ein weiteres Problem ging Andreas Marquardt, Präsident des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), ein. Die Quote der Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten liege im Schnitt bei rund 20 Prozent. Als besorgniserregend betrachtet er die Manipulationen des digitalen Tachografen. Den verbotenen Einsatz von Magneten bezeichnet er als Manipulation 1.0, „heutzutage sind wir bei der Manipulation 4.0, und das sind Eingriffe in die Motorsteuerung der Fahrzeuge über den CAN-Bus“. Dadurch könnten wichtige technische Systeme des Fahrzeugs unbrauchbar werden. Hier handele es sich nach Auffassung des BAG-Präsidenten um „hohe kriminelle Energie“, bei den Strafverfolgungsbehörden müsse allerdings noch das Verständnis für die Gefahr solcher Manipulationen geweckt werden.

Gibt es schwarze Schafe?

Dr. Erwin Petersen von der Landesverkehrswacht Niedersachsen präsentierte Ergebnisse einer Studie, die untersucht hat, ob ausländische Lkw häufiger an Unfällen beteiligt sind als deutsche. „Anders als oftmals behauptet, waren die Verursacher- und Getötetenrate bei Lkw-Unfällen mit schweren Personenschäden auf niedersächsischen Autobahnen im Jahr 2015 bei ausländischen Güterkraftfahrzeugen geringer als bei deutschen“, fasste der Technikexperte zusammen. Im Folgejahr seien die Raten für deutsche Lkw deutlich gesunken, die der ausländischen Güterkraftfahrzeuge hingegen gestiegen. Ein Grund für diese Entwicklung könnte sein, dass deutsche Lkw zunehmend mit Notbremsassistenzsystemen ausgestattet seien und sich die Sicherheit dadurch deutlich erhöhe. In ausländischen Fahrzeugen sei die Ausstattungsrate deutlich geringer.

Das bestätigte Professor Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Fahrerassistenzsysteme müssten nach einer manuellen Abschaltung nach einer bestimmten Zeit aber wieder automatisch aktiviert werden. Dies unterstützte auch DVR-Präsident Dr. Eichendorf, der ankündigte, diese Forderung an den Gesetzgeber heranzutragen. Ferner komme es darauf an, die Fahrenden im Hinblick auf Funktionsweise und Nutzen der Assistenzsysteme zu qualifizieren.

Erfahrungen aus der Branche

Wirtschaftlichkeit und Sicherheit müssen nicht im Widerspruch stehen. Darauf wiesen Ralph Feldbauer, Risk Manager bei der Allianz Versicherung, Christopher Schuldes, Schuldes Spedition GmbH, und Andreas Lüer, BAUKING AG, hin. Es komme auf die gute Kombination von Mensch, Technik und Organisation an. „Das fängt schon damit an, dass zwei Drittel der Spiegel an den Nutzfahrzeugen falsch eingestellt sind“, sagte Lüer, der in seiner Firma das Versicherungswesen leitet. Durch effektive Maßnahmen im Risk Management, zum Beispiel Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen, konnten die Versicherungsschäden im Unternehmen um 65 Prozent gesenkt werden.

Auch die Spedition Schuldes legt viel Wert auf Sicherheit und macht gute Erfahrungen damit, die Fahrer einzubinden und deren Erfahrungen zu nutzen. Das bestätigte Risk Manager Feldbauer: „Es hilft die beste Technik nichts, wenn der Fahrer nicht ausreichend geschult ist.“

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Ehrung für wissenschaftlichen Nachwuchs

DVR-Förderpreis „Sicherheit im Straßenverkehr“

Der Förderpreis „Sicherheit im Straßenverkehr“ des DVR für junge Wissenschaftler wurde in Berlin vergeben. Die Auszeichnung umfasst drei Preisträger und ist mit insgesamt 7.500 Euro dotiert.

Den ersten Preis erhielt Isabelle Seipt von der Hochschule der Sächsischen Polizei für ihre Diplomarbeit, in der sie Wildunfälle in den Jahren 2010 bis 2014 im Bereich des Polizeireviers Freiberg analysiert hat. „In der Auswertung zeigte sich, dass der Anteil der Wildunfälle je nach Jahr zwischen zehn und 15 Prozent der Gesamtunfälle betrug, bei denen glücklicherweise kein Mensch zu Schaden kam. Der typische Wildunfall ereignet sich außerhalb von Ortschaften“, erläuterte die Polizistin.

Zur Verhinderung von Wildunfällen sieht die Autorin ein ganzes Maßnahmenbündel: Dazu zählen der Bau von Wildbrücken, bewuchsfreie Straßenränder und Wildzäune. Ferner hätten sich Wildwarnreflektoren (blaue Reflektoren, kombiniert mit einem akustischen Signal) bewährt. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h würde die Zahl der Unfälle halbieren.

Über den zweiten Platz freute sich Juliane Martin von der Technischen Universität Dresden für ihre Diplomarbeit, in der sie den Einfluss kritischer Witterungsbedingungen (Schnee- und Eisglätte) auf das Verkehrsaufkommen und das Unfallgeschehen untersucht hat. „Es zeigte sich, dass das Radfahraufkommen starken jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt – Eis und Schnee führen hier zu einer deutlichen Reduzierung. Auch die Zahl und die Schwere der Unfälle sind stark witterungsabhängig. Bei Eis und Schnee waren besonders bei den Radfahrern mehr schwere Unfälle zu verzeichnen. Die Räumung von Radwegen bei Schneefall war lückenhaft“, fasste Martin zentrale Untersuchungsergebnisse zusammen.

Der Radverkehr spielte auch in der Bachelorarbeit der dritten Preisträgerin, Lisa Kersten von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, eine zentrale Rolle. Sie hat gezielt die betriebliche Verkehrssicherheit von Radfahrenden unter die Lupe genommen. Die Arbeit untersucht das besonders risikoträchtige Verkehrsverhalten von Radfahrenden an Kreuzungen im betrieblichen Verkehr. „Es wurde deutlich, dass die beobachteten Gefährdungsfaktoren des innerbetrieblichen Verkehrs denen des öffentlichen Verkehrs ähneln. Gute Sichtbeziehungen an Kreuzungen reduzieren das Risiko. Gleiches gilt für gut geplante Radwege, die von den Nutzern angenommen werden“, erklärte Kersten.

Die Jury für den Förderpreis „Sicherheit im Straßenverkehr“ setzte sich aus Professor Dr. Rüdiger Trimpop von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Dr. Torsten Kunz, Präventionsleiter der Unfallkasse Hessen, und Jochen Lau, Dipl.-Pädagoge, zusammen.

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