Menu Suche
 

Europa

 

REVIVE – Projekt zur Verbesserung des Rettungswesens

ETSC koordiniert den Wissensaustausch

Von Jacqueline Lacroix

Verkehrsunfälle stehen an erster Stelle der Todesursachen, die nicht unmittelbar krankheitsbedingt sind. Seit 2001 sind mehr als eine halbe Million Menschen auf europäischen Straßen aufgrund von Unfällen ums Leben gekommen. Im letzten Jahr sind laut Angaben der EU-Kommission 25.500 Menschen getötet worden und geschätzte 135.000 wiesen auf Basis der medizinischen Verletzungsschwereskala MAIS schwere Verletzungen auf. Verkehrssicherheit ist daher nicht nur ein Aufgabenfeld für den Verkehrssektor, sondern auch das Gesundheitswesen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC schlagen seit geraumer Zeit vor, den Gesundheitssektor stärker in die Verkehrssicherheitsdebatte mit einzubeziehen.

Ein funktionierendes Rettungswesen und eine gute Versorgung der Patienten nach einem Verkehrsunfall erhöhen die Überlebensrate der Betroffenen. Laut Forschungsergebnissen verringert die Verkürzung der Zeitspanne zwischen dem Unfallgeschehen und der Ankunft der Rettungskräfte von 25 auf 15 Minuten die Sterbewahrscheinlichkeit um ein Drittel. Die Unterschiede des „Post-Accident-Care“, also der Versorgung der Unfallopfer, sind innerhalb der EU groß. Obwohl die gute Versorgung der Unfallopfer als wichtiger Bestandteil einer Verkehrssicherheitsstrategie erachtet wird, wird sie in einigen EU-Staaten nicht mit konkreten Maßnahmen begleitet.

Mit dem Projekt REVIVE möchte der ETSC daher den Kenntnisstand über das Rettungswesen und der Versorgung der Verletzten innerhalb der EU erhöhen. Dazu sollen Verfahrensweisen im Rettungswesen einzelner EU-Länder dokumentiert werden und Strategien, die als wirksam identifiziert wurden, kommuniziert werden. Mit dem Ziel, gute Praktiken in der EU zu ermitteln und zu fördern, sollen Kontakte zwischen den Verkehrssicherheitsexperten und Experten aus dem Bereich des Rettungswesens und des Gesundheitssektors aufgebaut werden, um den Informations- und Wissensaustausch zu erleichtern.

Für die Umsetzung des dreijährigen Projekts, das von Toyota Motor Europe finanziell unterstützt wird, sollen fünf „Runde Tische“ in fünf verschiedenen Regionen Europas organisiert werden. Es ist vorgesehen, fünf Fallstudien zu veröffentlichen, um Praxisbeispiele zu skizzieren. Im Rahmen einer Videoreportage soll darüber hinaus die Bedeutung eines effizienten Rettungswesens für die Verkehrssicherheit erläutert und im Rahmen einer großen internationalen Konferenz in Brüssel all diese Ergebnisse einem breiten Publikum gegen Ende der Projektlaufzeit nahegebracht werden.

Die Autorin ist Leiterin der Referate Europa und Verkehrsmedizin beim DVR.

jlacroix@dvr.de

Malta-Deklaration zur Verkehrssicherheit

Anlässlich der Sitzung des Verkehrsministerates am 29. März 2017 in Valletta, Malta, erneuerten die Verkehrsminister der EU-Mitgliedstaaten ihr Engagement zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Rahmen der „Malta-Deklaration“. Sie bekräftigten, dass sich die Verbesserung der Sicherheit nicht nur auf die Reduzierung der Anzahl der Verkehrstoten konzentrieren solle, sondern auch auf die der Verletzten. Im Geiste des Beschlusses der Vereinten Nationen sollte ein gemeinsames Ziel zur Reduzierung der Anzahl der Verletzten angestrebt werden, welches entsprechende Maßnahmen entfalten sollte. Die dafür benötigten Daten sollten zuverlässig und vergleichbar sein und auf der Basis einer gemeinsamen Definition beruhen. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission wird im Zusammenhang mit der Datengewinnung und -analyse vorausgesetzt.

nach oben