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Im Blickpunkt

 

Deine Wege – Sichere Mobilität im betrieblichen und öffentlichen Bereich
 

Aus den Mobilitätstrends der Zukunft lassen sich Erkenntnisse und Strategien ableiten, um die betriebliche Mobilität zu optimieren. Ein gut durchdachtes betriebliches Mobilitätsmanagement ist eine lohnende Investition für Unternehmen, wird aber noch zu wenig als Chance erkannt.

Seit über 30 Jahren unterstützt der DVR mit seinen Programmen und Seminaren die Verkehrssicherheitsarbeit in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen. Ziel aller Aktivitäten ist das Vermeiden von Unfällen im Straßenverkehr auf Grundlage der Sicherheitsstrategie „Vision Zero – Keiner kommt um. Alle kommen an“. Die neue Dachmarke „Deine Wege“ bündelt alle Angebote für eine nachhaltige und sichere Mobilität.

„Deine Wege“ tritt dabei an die Stelle des bisherigen Programmnamens „Sicherheit auf allen Wegen“ und setzt fünf Schwerpunkte: Das Projekt GUROM (Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung organisationaler Mobilität) ermöglicht über ein online-Tool eine umfassende mobilitätsbezogene Gefährdungsbeurteilung. Unternehmen und Beschäftigte erhalten ein individuelles Gefährdungsprofil und Vorschläge zur Verbesserung der innerbetrieblichen Verkehrssicherheit. GUROM entstand in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und wird laufend weiterentwickelt.

Seminare zur „Sicherheit im Radverkehr“ verbinden Theorie und Praxis auch im Bereich E-Bikes und Pedelecs. Die Veranstaltungen lassen sich thematisch modular zusammenstellen.

Intelligente Mobilität: DVR engagiert sich bei NiMo

Das „Netzwerk intelligente Mobilität“ (NiMo) hat sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltige und smarte Mobilität voranzubringen. Rund 50 Unternehmen, Verbände, Berater und Akteure möchten diese Idee über NiMo weiterentwickeln und im betrieblichen Alltag verankern.

Der DVR, seit Januar 2016 Mitglied im NiMo, setzt den Schwerpunkt seiner Aktivitäten auf den betrieblichen und öffentlichen Bereich: Intelligente Mobilität soll nicht nur kosteneffizient, ressourcenschonend und umweltfreundlich, sondern vor allem sicher sein. So wird der DVR seine Expertise unter anderem auf NiMo-Veranstaltungen einbringen, um für das Thema Verkehrssicherheit vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Weitere Informationen dazu unter www.nimo.eu. Foto: dragonstock/fotolia

Eco Safety Trainings vermitteln über individuelles Pkw- oder Transporter-Coaching im öffentlichen Straßenverkehr eine sicherheitsorientierte und ressourcenschonende Fahrweise, die die wirtschaftliche Optimierung des Fuhrparks fördert. Vom einstündigen Einzel- bis hin zum ganztägigen Gruppentraining können alle Maßnahmen auf die Bedürfnisse des Unternehmens oder der Organisation zugeschnitten werden. Im Themenfeld „Junge Erwachsene“ sind erfolgreiche DVR-Jugendmedien und -Programme der letzten 20 Jahre zusammengefasst. hierzu zählen sowohl zielgruppenorientierte Seminare als auch Lehrmedien und hintergrundwissen für Multiplikatoren.

Für eine langfristige strategische Planung können sich Unternehmen, Führungskräfte und Sicherheitsfachkräfte durch den DVR zu wirkungsvollen Maßnahmen hinsichtlich der Sicherheit im Fuhrpark, zur Prävention von Dienstwegeunfällen und zu weiteren Möglichkeiten einer unternehmensweiten Sicherheitskultur beraten lassen.

Nähere Informationen zu allen Angeboten können kostenlos beim DVR angefordert oder auf der Internetseite www.deinewege.info eingesehen werden. Multiplikatoren finden dort außerdem umfangreiches Lehrmaterial sowie weiterführende Informationen zu unterschiedlichen Themen der Verkehrssicherheitsarbeit zum kostenlosen Download.

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„Gute Wege zur guten Arbeit“

ACE-Projekt für nachhaltige und sichere Mobilität von Beschäftigten

Von Matthias Dietz

Stressiger Berufsverkehr, hohe Tankrechnungen und schwierige Parkplatzsuche – so sieht der Arbeitsweg für viele Beschäftigte aus, die alleine mit dem Auto zur Arbeit fahren. Der ACE Auto Club Europa e.V. will das ändern und setzt sich mit seinem Projekt „Gute Wege zur guten Arbeit“ für eine bezahlbare, gesunde und nachhaltige Mobilität von Beschäftigten ein. In vielen Fällen ist es möglich, auch ohne eigenes Auto zur Arbeit zu kommen – sei es per Fahrgemeinschaft, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Projekt „Gute Wege“ macht Beschäftigte auf diese Alternativen aufmerksam und zeigt Unternehmen, wie sie nachhaltige Mobilitätsformen am besten fördern. Auf Aktionstagen in Betrieben können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Pedelecs ausprobieren und Mitfahr-Apps für das Smartphone kennenlernen. Auf Workshops und Konferenzen, die das Projektteam für Akteure aus Politik und Wirtschaft organisiert, präsentieren Fachleute die Möglichkeiten von Mobilitätsmanagement. Dabei handelt es sich um ein wirkungsvolles Instrument, das den Umstieg auf Fahrgemeinschaften, Bus, Bahn und Fahrrad durch fundierte Analysen und gezielte Veränderungen erleichtert. Vom Ergebnis profitieren nicht nur die Beschäftigten, die entspannter und günstiger unterwegs sind. Unternehmen benötigen weniger Parkplätze und sparen Geld, die Umwelt- und Klimabelastungen sinken und nicht zuletzt verbessert sich auch die Verkehrssicherheit.

Unfallrisiko auf dem Arbeitsweg hängt vom Verkehrsmittel ab

Alleine in Deutschland legen Beschäftigte auf ihrem Arbeitsweg jeden Tag mehrere hundert Millionen Kilometer zurück. Dabei kommt es laut Deutscher Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) jährlich zu 180.000 Unfällen mit insgesamt über 300 Toten. Verschiedene Studien, so unter anderem vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin aus Mainz, zeigen übereinstimmend, dass Motorradfahrende das höchste Unfallrisiko auf dem Arbeitsweg aufweisen, Beschäftigte, die öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn nutzen, hingegen das geringste. Fahrradfahrende liegen im oberen Bereich hinter den Motorradfahrenden, allerdings mit einer geringeren Unfallschwere, Autofahrende im mittleren Bereich. Somit haben letztere ein erheblich höheres Unfallrisiko als Bus- und Bahnfahrende, aber ein niedrigeres Risiko als Fahrradfahrende. Wenn in Zukunft mehr Unternehmen als bisher Mobilitätsmanagement einführen, würden die Unfallzahlen im Berufsverkehr vermutlich sinken. So haben Evaluationen im Rahmen des inzwischen abgeschlossenen Projektes „effizient mobil“ ergeben, dass Mobilitätsmanagement die Zahl der Alleinfahrten im Auto um durchschnittlich 20 Prozent senkt. Über die Hälfte der Personen, die umsteigen, fährt anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ein jeweils kleinerer Teil mit Fahrgemeinschaften und dem Fahrrad. Durch Mobilitätsmanagement werden also die Autokilometer im Berufsverkehr sowie die damit einhergehenden Unfälle verringert.

Fahrradförderung hat nicht nur Vorteile

Gleichzeitig würde allerdings die Anzahl von Radunfällen steigen. Dennoch ist eine Fahrradförderung sinnvoll, da Betriebe Unfällen und deren Folgen durch Fahrtrainings, kostenlose Helme und Warnwesten oder Diensträder mit moderner Brems- und Lichttechnik effektiv entgegenwirken können. Zudem hat Radfahren langfristig positive Gesundheits- und Sicherheitseffekte. Aufgrund der regelmäßigen Bewegung sinkt das Risiko für chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch verbessert Radfahren der Sporthochschule Köln zufolge das Koordinations- und Reaktionsvermögen, was hilft, etwa Arbeitsunfälle zu vermeiden. Insgesamt sind Radfahrende laut der Niederländischen Organisation für Angewandte Wissenschaftliche Forschung trotz ihres erhöhten Unfallrisikos durchschnittlich einen Tag im Jahr weniger krank als Autofahrende.

Weniger Stress im Berufsverkehr

Mobilitätsmanagement beeinflusst die Verkehrssicherheit dabei nicht nur direkt, sondern auch indirekt. Fahren weniger Berufstätige mit dem Auto zu Arbeit, führt das zu leereren Straßen und damit zu weniger Staus und Stress für die verbleibenden Autofahrenden. Laut der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) tragen Stress und Hektik erheblich zur Unfallgefahr im Straßenverkehr bei. Und wer nach etlichen Staukilometern entnervt im Büro ankommt, startet nicht erholt in den Arbeitstag und ist damit ein Risiko für sich und andere – auf dem Betriebsgelände genauso wie bei Fahrten zu Kunden oder Geschäftspartnern.

Mobilitätsmanagement noch weitgehend unentdeckt

Angesichts der vielen positiven Effekte stellt sich die Frage, warum Mobilitätsmanagement noch vergleichsweise unbekannt ist und es eine breit angelegte Kommunikationskampagne wie „Gute Wege“ bedarf, um auf das Konzept aufmerksam zu machen. Stefan Haendschke, Leiter des Projekts beim ACE, erklärt: „Mobilitätsmanagement ist keine kurzfristige und einfache Maßnahme, sondern ein dauerhafter und kleinteiliger Prozess.“ Das Verfahren beruhe zunächst auf einer Erhebung der lokalen Standortbedingungen und einer Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, anschließend würden passgenaue Veränderungen vorgenommen, um Fahrgemeinschaften, Bus, Bahn und Fahrrad für die Beschäftigten attraktiver zu machen. Die Erlaubnis, Fahrräder in der trockenen und sicheren Tiefgarage parken zu dürfen, könne hierzu genauso zählen wie ein attraktives Jobticket mit hohem Arbeitgeberzuschuss oder die Änderung von Dienstreiserichtlinien zugunsten von Bahnfahrten. Unternehmen müssten das alles aber nicht alleine stemmen, sie könnten sich von professionellen Mobilitätsberatern unterstützen lassen. Passende Kontakte vermittele das Projekt „Gute Wege“.

Kleine Maßnahmen, große Effekte

Wichtig sei schließlich die Erkenntnis, so Stefan Haendschke, dass sich die Mühe lohne, und zwar auch über Zahlen und Kosten hinausgedacht: „Aus vielen kleinen Maßnahmen können große Effekte entstehen: Unternehmen sparen durch Mobilitätsmanagement nicht nur Geld, ihre Mitarbeiter sind auch motivierter und zufriedener als zuvor. Ein wichtiger Punkt für die Personalbindung und -gewinnung.“ Entspannte Pendlerinnen und Pendler sowie mehr Sicherheit auf den Straßen – Argumente, die auch Akteure der Verkehrspolitik für das Konzept begeistern könnten.

Das Projekt „Gute Wege zur guten Arbeit“ wird vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Unterstützer sind der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften. Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf www.gute-wege.de.

Der Autor ist im Team Mobilitätsmanagement des ACE Auto Club Europa e.V. in Berlin tätig.

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