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Die Gedanken der Gründer

I. Die Voraussetzungen

Es gilt zunächst, Resignation und Skepsis zu überwinden, Kontrastellungen abzubauen. Vertrauen zu schaffen.

Die Verkehrsteilnehmer sollen überzeugt werden, dass


die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten und etwas Neues geschehen muss,
im DVR erstmals die Bemühungen aller beteiligten Organisationen zusammengefasst und auf einheitliche Ziele gelenkt werden,
die neue Aufgabe umfassend, koordinierend, systematisch, dynamisch und mit den modernsten Methoden in Angriff genommen wird,
sie nicht als passive Objekte, sondern als aktiv Mitwirkende angesprochen werden, deren selbstständige Initiative, mitdenkendes Engagement und mitverantwortliche Beteiligung erwünscht sind und gebraucht werden,
der Staat bereit ist, zu helfen und im DVR die Plattform für Gespräche unter Gleichberechtigten zu sehen.


Falsch wäre es

die Schwierigkeiten der kommenden Arbeit zu bagatellisieren,
Hoffnungen auf „Soforterfolge” zu erwecken.


II. Verkehrserziehung und –aufklärung

Für die Maßnahmen in diesem Bereich reichen die bisherigen Ergebnisse der Verhaltensforschung noch nicht aus. Sie sind durch weitere gezielte Forschungen zu ergänzen.

Folgende Fragen werden zu prüfen sein:


Welchen Umfang sollen die Erziehungs- und Aufklärungsmaßnahmen haben?

Welche Aussage sollten sie enthalten?

Welche Methoden erscheinen sinnvoll?

Welche Schwerpunkte sollen gewählt werden?

Die Maßnahmen der Erziehung und Aufklärung

können sich nicht auf Schulung und Ausbildung (Kindergärten, Schulen usw.) sowie Fortbildung (Jugend, Erwachsene) beschränken,
sollten alle Bevölkerungs- und Verkehrsteilnehmergruppen erfassen,
sind gezielter und konkreter als bisher anzusetzen.


Die Substanz der Aussage (Beispiele)

Sie wird darauf Rücksicht zu nehmen haben, dass das Bewusstsein der Gefahr und der Gedanke an den Unfall „verdrängt” werden. Demgegenüber müsste z. B.

die Sicherheit als eine sympathische Sache, als ein positiver Wert herausgestellt und angeboten werden,
das sichere, rücksichtsvolle Verhalten als das Kennzeichen des guten Fahrers im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden,
das rücksichtslose, aggressive Verhalten als mit dem guten Benehmen unvereinbar gekennzeichnet werden,
auf die Lächerlichkeit des Prestigedenkens im Straßenverkehr immer wieder hingewiesen werden.

Durch solche und ähnliche Hinweise sollte versucht werden, auf die innere Einstellung der Verkehrsteilnehmer zur Sicherheit im Straßenverkehr Einfluss zu nehmen sowie neue und positive Maßstäbe zu setzen. Es darf nicht erwartet werden, dass die Information allein, selbst wenn sie sehr konkret ist, ausreicht. Viele Verkehrsteilnehmer sind vollständig über die Verkehrsregeln informiert, beachten sie jedoch trotzdem nicht. Sie reagieren nicht rational. Deshalb sollten, unter Erforschung der psychologischen Hintergründe eines solchen Verhaltens die einzelnen Gruppen der Verkehrsteilnehmer in psychologisch wirksamer Form angesprochen werden. Es muss das Ziel sein, über die innere Einstellung der Verkehrsteilnehmer Einfluss auf deren Verhalten im Straßenverkehr zu nehmen.


Die Methoden

Hier wäre zu beachten, dass

nicht sofort alle Bereiche erfasst werden können, sondern die Arbeit zunächst auf die wesentlichen Schwerpunkte konzentriert werden muss,
eine Aufklärung in unverbindlichen Gemeinplätzen unwirksam ist,
nur eine realistische, konkrete, auf den jeweiligen Personenkreis gezielt angesetzte Ansprache Erfolg verspricht, nicht negative Gesichtspunkte betont werden, sondern an das Verantwortungsbewusstsein appelliert wird,
Vorbilder geschaffen, Leitbilder herausgestellt werden, denen es jeder gleichtun möchte,
die in anderen Bereichen erfolgreichen Verfahren der modernen Werbepsychologie ebenso eingesetzt werden wie alle modernen Massenmedien.


III. Verkehrstechnik

In diesem Bereich ist zu überlegen, was zur Beseitigung objektiver Gefahren des Straßenverkehrs geschehen kann.


Der Straßenbau


Die Steigerung des Straßenbaus wird im Hinblick auf die zunehmende Zahl der Fahrzeuge immer ein wesentliches Anliegen des DVR sein müssen.

Daneben sollten vorgesehen werden

die beschleunigte Fortsetzung der Arbeit an den Richtlinien für einen sachgerechten Bau und Betrieb von Straßen (die Richtlinien sollten sich beispielsweise erstrecken auf Schnellverkehrsstraßen, Entlastung von Ortsdurchfahrten, Parkmöglichkeiten, Fußgängerbezirke, Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel usw.),
die systematische Erfassung aller Gefahrenstellen mit sich wiederholenden gleichartigen Unfällen (unter Mitwirkung aller Beteiligten),
die Entschärfung solcher Gefahrenstellen durch bauliche und verkehrsregelnde Maßnahmen.


Die Fahrzeuge

Der DVR sollte an der Lösung der Probleme mitarbeiten, die die Sicherheit der Fahrzeuge betreffen. Er sollte versuchen, zur Durchsetzung folgender Grundsätze beizutragen (Beispiele):

Die äußere und innere Sicherheit des Fahrzeugs sollten neben der Fahrsicherheit wesentliches Konstruktionsprinzip sein.
Die Ausrüstung sollte allen Sicherheitsansprüchen genügen (Reifen, Sicherheitsgurte usw.)
Hohes Beschleunigungsvermögen verdient den Vorrang vor großer Spitzengeschwindigkeit.

Die Maßnahmen in diesem Bereich haben in der Gesamtsicht ihren gleichbedeutenden Platz neben den vorbeugenden Maßnahmen auf technischem und erzieherischem Gebiet. Sie sind trotzdem von großer Bedeutung und für den Gesamterfolg unentbehrlich. Für eine sinnvolle Abstimmung der Maßnahmen in allen Bereichen müsste Sorge getragen werden.


IV. Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verkehrsaufsicht

Gesetzgebung


Der DVR sollte sich einsetzen für

ein verständliches, nicht perfektionistisches Recht, das auf den modernen Verkehr abgestellt ist,
den Grundsatz, dass es für alle gutwilligen Verkehrsteilnehmer möglich sein sollte, die Sachdienlichkeit und Zweckmäßigkeit der Vorschriften einzusehen,
die rasche Übernahme von Verkehrsverhalten, das sich in der Praxis bewährt hat, in gesetzliche Vorschriften,
eine rechtzeitige und wirksame Aufklärung über neue Verkehrsvorschriften.


Rechtsprechung

Hier wären Überlegungen anzustellen, wie

bei der Ahndung von Verkehrszuwiderhandlungen der Absicht des Gesetzgebers, die Masse der leichteren Verstöße von den kriminellen Straftaten zu trennen, in der Praxis der Gerichte und Behörden zum Durchbruch verhelfen werden kann,
es erreicht werden kann, dass Strafen und die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten weniger als Sühne, sondern vorwiegend als Maßnahmen der Verkehrserziehung verstanden werden.


Verkehrsaufsicht

Der DVR sollte sich darum bemühen, zu einer Aktivierung der Verkehrsaufsicht beizutragen. Sie sollte sich vornehmlich erstrecken auf

die Heranbildung besonderer Polizei-Einsatzgruppen, die über Spezialkenntnisse der Unfallursachen verfügen und sich durch Urteilskraft und Persönlichkeitswert als "Verkehrsaufsichtsbeamte" qualifizieren,
die Konzentration der Verkehrsaufsicht auf unfallträchtiges Verhalten, wobei besonders die fortgesetzt in kurzer Folge handelnden Täter überwacht werden sollten,
eine gesteigerte Wirksamkeit der Verkehrsaufsicht durch Befreiung von der Überwachung des ruhenden Verkehrs.


V. Die Erforschung des Unfallgeschehens

Das zur Verfügung stehende Material reicht für eine systematische Planung der Unfallbekämpfung nicht aus. Es wird vordringlich eine Ursachenstatistik benötigt, die u. a. Aufschluss geben sollte

über die eigentlichen Ursachen für das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer
(z. B. Unkenntnis, Ungeschicklichkeit, Überforderung, mangelnde Einsicht, Leichtfertigkeit, kriminelle Neigung),
über den Anteil der Unfälle, die im Zusammenhang mit dem Zustand der Straßen stehen (Konstruktion, Anlage, Markierung, Beschilderung usw.),
über die Zahl der Unfälle, die sich auf mangelnde Sicherheit der Fahrzeuge zurückführen lassen.


VI. Versorgung der Unfallverletzten

Da wegen der Unzulänglichkeit aller menschlichen Bemühungen das Idealziel einer vollkommenen Sicherheit im Straßenverkehr nicht erreichbar ist, muss dafür gesorgt werden, dass den Unfallopfern rasche und wirksame Hilfe zuteil wird.

Hierzu sind im Zusammenwirken mit den zuständigen Stellen u. a. folgende Probleme zu überlegen

Meldesystem,
Erste Hilfe,
Notarzteinsatz,
Krankentransport,
Unfallkrankenhäuser.


VII. Nachwort

Die Gründer des DVR sind sich der Schwierigkeit der Aufgabe voll bewusst. Sie hoffen, mit den hier vorgelegten Gedanken eine Ausgangsbasis für die bevorstehenden Diskussionen über die künftige Arbeit geschaffen zu haben.

Das gemeinsame Ziel kann nur durch eine Zusammenfassung aller Kräfte und durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit erreicht werden. Der DVR bietet dafür den organisatorischen Rahmen. Er steht allen interessierten Personen und Organisationen zur Mitarbeit offen.