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Stürze mit geringen Folgen

Dr. Ralf Klöckner
(Bundesanstalt für Straßenwesen)

Passive Schutzeinrichtungen (Schutzplankensysteme) haben die Aufgabe, ein von der Fahrbahn abkommendes Fahrzeug abzuweisen, aufzuhalten oder aufzufangen und sind in erster Linie für den Schutz mehrspuriger Fahrzeuge konstruiert. Beim Anprall von Motorradfahrern an passive Schutzeinrichtungen können, insbesondere im Fall von Stahlschutzplanken, schwere und tödliche Verletzungen eines Motorradfahrers entstehen. Bei Alleinunfällen werden die Verletzungen dabei oft nicht durch den Sturz selbst verursacht, sondern durch den Anprall des Motorradfahrers an die Schutzplankenpfosten, den Anprall an die Stahlschutzplanke oder durch ein Verhaken an der Schutzeinrichtung.

Die Ursache für den fehlenden Schutz, den Stahlschutzplanken beim Anprall von Motorradfahrern bieten, liegt darin, dass die Schutzeinrichtung für den Schutz von Pkw-Insassen, als Verkehrsmajorität, optimiert wurde. Zumindest an Streckenabschnitten, die eine Häufung von Unfällen mit Motorradfahrern zeigen, sollten die Stahlschutzplanken so umgestaltet werden, dass die Schutzwirkung für Motorradfahrer signifikant erhöht wird.

Gleichzeitig sollte jedoch das Schutzniveau für andere Verkehrsteilnehmer, etwa für die Insassen von Pkw nicht gesenkt werden. Genau darin, die Kompatibilität für Pkw-Insassen und Motorradfahrer herzustellen, liegt die eigentliche Schwierigkeit bei der Entwicklung motorradfahrerfreundlicher Schutzeinrichtungen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) forscht im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Kooperation mit externen Partnern intensiv an der Lösung dieses Problems. Leider gibt es dennoch für den wichtigsten in Deutschland betroffenen Schutzplankentyp - die „Einfache Schutzplanke“ (ESP) - keine Lösung, die diese Anforderung uneingeschränkt erfüllt. Mit dem Unterfahrschutz „System Euskirchen“ und vor allem dem bald zur Verfügung stehenden Schutzsystem „Euskirchen Plus“ ist man der Lösung des Problems jedoch entscheidend näher gekommen.

Dennoch ist es beim derzeitigen Entwicklungsstand sinnvoll den Einsatz der motorradfahrerfreundlichen Schutzsysteme auf unfallträchtige Motorradstrecken zu beschränken. Die Bestimmung von sinnvollen Einsatzorten mit der üblichen Orientierung an Unfallhäufungen ist jedoch nicht so einfach. Da die Unfälle mit schwer verletzten oder getöteten Motorradfahrer nur einen kleinen Teil aller Verkehrsunfälle mit Toten oder Schwerverletzen ausmachen, sollte zur Bestimmung von Unfallhäufigkeitsstellen mit Motorradfahrern ein 5-jähriger Beobachtungszeitraum anstelle des üblichen 3-jährigen Zeitraums herangezogen werden. Darüber hinaus können Streckencharakteristika, wie hohe Kurvigkeit in Verbindung mit sehr häufigem Richtungswechsel und geringem Geradenanteil ein Indiz für eine erhöhte Unfallgefahr für Motorradfahrer sein, wie ein Forschungsprojekt im Auftrag der BASt gezeigt hat.

Zwar lässt sich anhand der vorliegenden Zahlen nicht genau beziffern, wie groß das Reduktionspotenzial der Unfallschwere bei Motorradfahrern durch bessere Gestaltung der Schutzplanken ist, jedoch lässt sich das Potenzial grob zu etwa 15% einschätzen. Die motorradfahrerfreundliche Gestaltung von Stahlschutzplanken kann und wird daher einen wichtigen aber begrenzten Beitrag leisten die Sicherheit für Motorradfahrer zu erhöhen.


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