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Landstraßen – schön aber gefährlich

Unfallstatistik, Unfalltypen, -orte, -bedingungen

Dipl.-Geol. Julia Lindemann
(Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., Leiterin des Referates Verkehrsinfrastruktur)

Kurzfassung

Einerseits bieten sie Fahrvergnügen, reizvolle Landschaft, idyllische Alleen und Kurvenspaß, andererseits jedoch eine erschreckende Unfallstatistik.

Zwar passieren auf Landstraßen – also auf all jenen Straßen, die keine Autobahnen oder Innerortsstraßen sind – nur 27 Prozent aller Unfälle. Doch die sind besonders schwer: Rund 60 Prozent aller tödlichen Unfälle ereignen sich dort. Während bei knapp zwei Prozent der Unfälle mit Personenschaden auf allen deutschen Straßen ein Mensch stirbt, erhöht sich dieser Prozentsatz auf ca. vier Prozent auf Landstraßen. Das heißt: Auf Landstraßen ist das Risiko tödlich zu verunglücken mehr als doppelt so hoch wie auf anderen Straßen. Ganz offensichtlich werden die Gefahrenquellen auf den Landstraßen unterschätzt.

Keine andere Straßengattung birgt so hohe Risiken wie Landstraßen. Denn nur hier kommen hohe Geschwindigkeiten, Gegenverkehr und Überholmanöver zusammen. Unterschiedliche – und unterschiedlich schnelle – Verkehrsteilnehmer teilen sich oft enge Fahrspuren: Pkw und Motorräder, Lkw, aber auch Radfahrer, Fußgänger und Traktoren sowie Landmaschinen.

Nirgends sonst muss so oft mit unvorhersehbaren Situationen gerechnet werden wie auf Landstraßen: Gegenverkehr hinter einer Kuppe, Wildwechsel in der Dämmerung, ein Traktor, der in die Straße einbiegt, schlechte oder rutschige Fahrbahn. Besonders risikoreich sind unübersichtliche Einmündungen, scharfe Kurven und wechselnde Lichtverhältnisse in Alleen und Waldstücken. All dies erfordert höchste Aufmerksamkeit und vorausschauende, angepasste Fahrweise.

Die meisten Verkehrsteilnehmer unterschätzen das Risiko: Unangepasste Fahrweise ist die Unfallursache Nummer eins auf Landstraßen. Jeder zweite Unfall mit Todesfolge resultiert daraus, dass der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat, ohne dass ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt war. Überhöhte Geschwindigkeit, Fehleinschätzung sowie Unachtsamkeit führen zu schweren Unfällen.

Neben ihrer Häufigkeit hatten folgende Unfalltypen im Jahr 2006 auch die schwersten Folgen: Fahrunfälle (mit 50% aller Getöteten), Unfälle im Längsverkehr (mit 22% aller Getöteten), Einbiegen/ Kreuzen-Unfälle (mit 13% der Getöteten). Unfälle ereigneten sich vor allem in Kurven (mit 40% aller Getöteten) und Gefällestrecken (mit 13 % aller Getöteten).

Landstraßen - schön aber gefährlich. Für den DVR und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung und deren jeweiligen Mitgliedern Grund genug, sich auf diesem Gebiet zu engagieren. Dies spiegelt sich zum einen in der DVR-Mitgliederaktion „Aktion sichere Landstraße“ und zum anderen in der Schwerpunktaktion 2007/2008 „Kein Platz für Kreuze“, gemeinsam durchgeführt von den Berufsgenossenschaften, den Unfallkassen und dem DVR, wider.


Dimensionen des Unfallgeschehens auf Landstraßen

In 2006 ereigneten sich insgesamt 2,24 Mill. Unfälle (–0,8%). Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden sank um 2,6% auf 327 984. Unfälle mit Personenschaden sind solche, bei denen, unabhängig von der Höhe des Sachschadens, Personen verletzt oder getötet wurden.

2006 starben insgesamt 5 091 Personen im Straßenverkehr, das waren 5% weniger als 2005. 74 502 Personen wurden schwer- (–3,2%) und 347 835 (–2,4%) leicht verletzt.


Unfälle nach Ortslage (2006)

Von den 327 984 Unfällen mit Personenschaden und den 5 091Getöteten insgesamt entfallen auf:

Innerorts 68%    der Unfälle, mit 27% der Getöteten
Außerorts (ohne Autobahn) 26%    der Unfälle, mit 60% der Getöteten
Autobahnen   6,2% der Unfälle, mit 13% der Getöteten


Auf den Landstraßen ereigneten sich insgesamt 86 046 Unfälle mit Personenschaden, es waren 125 338 Verunglückte involviert, davon

Getötete   3 062 (60% aller Getöteten)
Schwerverletzte 30 394 (41% aller Schwerverletzten)
Leichtverletzte 91 882 (26% aller Leichtverletzten)



Straßenverkehrsunfälle auf Landstraßen nach Unfalltypen (2006)

Von den 86 046 Unfällen mit Personenschaden und den 3 062 Getöteten auf Landstraßen entfallen auf (gerundet):

  Unfälle Getötete
Fahrunfall 32 881 (38%) 1 555 (50%)
Unfall im Längsverkehr 20 795 (24%)    672 (22%)
Einbiegen/Kreuzen-Unfall 14 166 (16%)    393 (13%)
Abbiege-Unfall   9 256 (11%)    169   (6%)
Sonstiger Unfall   7 808   (9%)    152   (5%)
Überschreiten-Unfall      765   (1%)    120   (4%)
Unfall durch ruhenden Verkehr      375   (0,5%)       1  (>1%)



Straßenverkehrsunfälle auf Landstraßen nach Charakteristik der Unfallstelle (2006)

Von den 86 046 Unfällen mit Personenschaden und den 3 062 Getöteten auf Landstraßen, fielen nach Charakteristik der Unfallstelle unter anderem Unfälle auf folgende Streckenabschnitte:

  Unfälle Getötete
Kurve 25 030 (29%) 1 224 (40%)
Einmündung 17 772 (21%)    346 (11%)
Kreuzung   9 899 (12%)    276   (9%)
Gefälle   8 819 (10%)    393 (13%)
Steigung   4 642 (5%)    212   (7%)

(Quelle: Verkehr, Verkehrsunfälle, Fachserie 8, Reihe 7, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007; Auszüge)


Dipl.-Geol. Julia Lindemann
Referentin Verkehrsinfrastruktur
Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.
Beueler Bahnhofsplatz 16
53222 Bonn
E-Mail: jlindemann@dvr.de


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