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Denn Sie wissen, was sie tun?

Risikoeinstellungen und Risikoverhalten von Motorradfahrern

Prof. Dr. Ulrich Schulz
Universität Bielefeld

Motorradfahren ist heutzutage hauptsächlich eine risikoreiche Freizeittätigkeit. Wie bei anderen riskanten Freizeittätigkeiten,- Bergsteigen, Drachenfliegen oder Wildwasserfahren-, liegt der Anreiz zur Ausübung des Hobbys im Vollzug der Tätigkeit.

Motivationen zum Motorradfahren lassen sich in drei unabhängige Gruppen einteilen:

Die erste Gruppe kann als sportliches Ausleben gekennzeichnet werden und beinhaltet Aspekte wie schnell fahren wollen, Beschleunigung und Kurvenfahren auskosten wollen, fahrerische Leistung zeigen wollen, besser und schneller als andere Motorradfahrer sein wollen oder beim Fahren an der Grenze Angst-Lust-Spannungen (Thrill) erleben wollen.
Die zweite Gruppe kann man als Fahrgenuß und Selbstwertstabilisierung bezeichnen. Hierzu zählen Aspekte wie Freude und Spaß beim Fahren erleben wollen, völlig in der Fahrtätigkeit aufgehen wollen, Alltagssorgen entfliehen wollen, ein richtiger Motorradfahrer sein wollen und als solcher in der Gruppe der Freunde anerkannt sein wollen.
Die dritte Gruppe kann man als Absichern bezeichnen.Zu ihr gehören Ziele, durch eigenes sicheres Verkehrsverhalten Unfälle vermeiden zu wollen und sich selbst und die Maschine stets im Griff zu haben.
Motorradfahrer stellen schon lange keine einheitliche Gruppe von Personen mehr dar. Die Motivationen zum Motorradfahren sind unterschiedlich ausdifferenziert. Entsprechend werden auch unterschiedliche Fahrzeugtypen gewählt:

normale Straßenmaschinen zum Fahrerleben pur bei kürzeren Spritztouren,
sportliche Straßenmaschinen oder Racer in leichter, flacher Bauweise zum Ausüben von Rennsport auf Straßen,
Tourenmaschinen mit großen Vollverkleidungen zur Überwindung großer Distanzen,
Enduros zum geschickten Fahren im Gelände und
Chopper zum gemütlichen Fahren und Vorzeigen der Maschine.

Entsprechend unterschiedlich fallen auch die Fahrstile aus. Wir unterscheiden

den defensiv-ruhigen,
den zaghaft-unsportlich,
den forsch-unbekümmerten,
den sportlich-geländemäßigen,
den sportlich-moderaten und
den rennsportlichen Fahrstil.
Typ des gefahrenen Motorrades und Fahrstil stehen zueinander in deutlicher Beziehung, entsprechen einander allerdings nicht hundertprozentig.

Risikoverhalten von Motorradfahrern, aber auch anderer Verkehrsteilnehmer, läßt sich auf dem Hintergrund eines Entscheidungsprozesses erklären: Verkehrsteilnehmer müssen zwischen den negativen Konsequenzen (im Extremfall einem Unfall) und den Nutzen riskanten Verhaltens abwägen. Die Einschätzung negativer Konsequenzen, insbesondere der Gefährlichkeit, hängt zum hohen Maß von der Fahrerfahrung und der fahrerischen Kompetenz der Motorradfahrer ab. Der Nutzen wird hauptsächlich von der Stärke der Auslebenstendenzen beeinflußt. Die Risikobereitschaft steigt mit der Höhe der Auslebenstendenz und der eingeschätzten Ungefährlichkeit der Situation. Kompetenz und Auslebenstendenzen haben sich bei jungen Motorradfahrern als die wichtigsten Risikofaktoren erwiesen. Aber auch Verhaltensbeobachtungen bei Motorrad-Sicherheits-Trainings haben gezeigt, daß diese zwei Größen das Risikoverhalten erfahrener Motorradfahrer beeinflußen.

Weitere Indizien für den Einfluß dieser beiden Größen auf das Risikoverhalten von Motorradfahrern im Straßenverkehr erhält man durch die Analyse der Einflüsse verschiedener Arten von Unfällen. Hier zeigt sich, daß insbesondere Alleinunfälle durch Auslebenstendenzen und mangelnde Fahrerfahrung beeinflußt werden. Zudem zeigen sich bei Unfallanalysen Tendenzen, daß Fahrer sportlicher Motorräder oder Fahrer mit einem besonders sportlichen Fahrstil selbst bei Berücksichtigung unterschiedlicher im Jahr zurückgelegter Fahrstrecken verstärkt in Unfälle verwickelt sind.

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