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Aktuell
„Risiko raus!“ – eine Kampagne gegen die Kopflosigkeit

Das Team rund um die Kampagnenkoordination (v.l.n.r.): Sandra Demuth (DVR), Georg Bach (DGUV), Projektleiter Martin Rüddel (DGUV), Jochen Lau (DVR), Projektleiterin Elke Rogosky (DGUV), Rita Octav (DGUV), Dr. Annekatrin Wetzstein (BGAG), Eskin Taskan-Karamürsel (BGAG), Sandra Schilling (DGUV). (Foto > Aris Papadopoulus)
von Sandra Demuth
Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, riskiert einen Unfall. Die Folgen unüberlegten Handelns beim innerbetrieblichen Transport, auf dem Arbeits- oder Schulweg können verheerend sein. Mit einer neuen Präventionskampagne will die gesetzliche Unfallversicherung daher die Verantwortung der Menschen für sich und andere stärken. Das Motto dabei lautet: „Risiko raus!“.

Häufige Unfallursache beim innerbetrieblichen Transport: zu hoch gestapelte Ladung sowie mangelnde gegenseitige Rücksichtnahme. (Plakat > DGUV)
Knapp 230.000 Arbeitsunfälle jährlich verzeichnen die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung – Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und landwirtschaftliche Sozialversicherung – beim innerbetrieblichen Transport. Rund 150 davon enden tödlich. Hinzu kommen 23.000 Arbeits- und Dienstwegeunfälle im Straßenverkehr mit rund 170 Toten. Auch der Weg zur Arbeit, Schule oder Uni birgt Gefahren. So werden den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung jährlich rund 175.000 Wege- und Schulwegunfälle im Straßenverkehr gemeldet. Über 500 Versicherte verloren bei diesen Unfällen ihr Leben.
Prävention ist gefragt
„Die traurige Wahrheit hinter diesen Unfällen ist: mit Rücksicht und Verantwortung hätten viele von ihnen vermieden werden können“, sagt Dr. Walter Eichendorf, DVR-Präsident und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Leo Blum, Vorstandsvorsitzender der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSV), ergänzt: „Unfälle führen uns vor Augen, welch tragische Folgen Leichtsinn, Zeitdruck und Selbstüberschätzung haben können. Leider vergessen die Menschen diese Lektion nur allzu schnell wieder.“ Für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung steht fest: Das Bewusstsein für die Risiken beim Fahren und Transportieren muss gefördert, das Verantwortungsgefühl der Menschen füreinander muss gestärkt werden. Gemeinsam mit ihren Partnern, dem DVR und den Bundesländern, haben sie daher die neue Präventionskampagne „Risiko raus!“ ins Leben gerufen.
Der Mensch im Mittelpunkt

Kopfloses Verhalten kann verheerende Folgen haben. (Plakat > DGUV)
„Mit ‚Risiko raus!’ rücken wir den Faktor Mensch in den Mittelpunkt“, so die Projektleiter der Kampagne Elke Rogosky und Martin Rüddel. „Sie setzt damit genau da an, wo Sicherheitstechnik nicht mehr weiterhilft.“ Ziel ist es, das Bewusstsein für mehr Verkehrssicherheit im Betrieb und auf der Straße zu schärfen. Die Kampagne richtet sich dabei nicht nur an die Arbeitnehmer, die die Tätigkeiten ausführen, sondern besonders an diejenigen, die das betriebliche Umfeld gestalten und zum Beispiel Zeitdruck ausüben.
Auch auf dem Schulweg soll es sicherer zugehen. Dabei verfolgt die Kampagne eine doppelte Strategie: Zum einen will sie alle Verkehrsteilnehmer dazu bringen, mehr Rücksicht auf Kinder zu nehmen. Zum anderen soll das Wissen der Schüler, Eltern und Lehrkräfte über sicheres Fahrradfahren erhöht werden.
Gegen die Kopflosigkeit
Eine clevere Motividee schafft die nötige Aufmerksamkeit: Zeitdruck, Hektik und Unachtsamkeit werden im Volksmund gern als kopfloses Verhalten bezeichnet. Diese Kopflosigkeit und ihre Folgen werden mit „Risiko raus!“ dargestellt: Die bisher zehn realisierten Motive zeigen Situationen kurz vor einem Unfall. Darüber ist ein Schriftzug wie: „Mein Kopf ist noch in der Kantine“ zu lesen. Eine Leerstelle im Satz hebt das überraschende Element im Motiv hervor: Der Kopf des Unfallverursachers fehlt! Dies verdeutlicht die zentrale Aussage der Kampagne: Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, gefährdet sich und andere.
Veranstaltungen und neue Medien

Auch für Jugendliche im Radverkehr gilt: Augen auf und Risiko raus!, denn Unachtsamkeit kann zu schweren Stürzen führen. (Plakat > DGUV)
Die Kampagne setzt auf eine vielfältige Ansprache der Zielgruppen: durch kontinuierliche Pressearbeit oder die Präsenz auf einer Reihe von Messen und Veranstaltungen, etwa bei den „Aktionstagen Risiko raus!“ vom 17. bis 19. Juni 2010 in der Dortmunder Westfalenhalle. Rund um den bundesweiten Tag der Verkehrssicherheit am 19. Juni und die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) wird es dort während der Aktionstage zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit geben. Im Sommer 2010 unterstützt „Risiko raus!“ den deutschen Stapler-Cup. Bei dieser Meisterschaft im Gabelstaplerfahren geht es zuerst um Sicherheit und erst in zweiter Linie um Schnelligkeit.
Auch neue Medien haben ihren Platz bei „Risiko raus!“. So gibt es ein Multimediaquiz, das es erlaubt, den eigenen Risikotyp zu ermitteln – ideal für den Einsatz bei Unterweisungen und Seminaren oder bei betrieblichen Aktionen. Für Jugendliche gibt es spezielle Webclips, die insbesondere die Risiken des Fahrradfahrens thematisieren. Über die Möglichkeit, den Clip personalisiert an Freunde und Verwandte weiterzuschicken, verbreitet sich die Botschaft wie von selbst im Internet.
Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden im Rahmen von „Risiko raus!“ von den einzelnen Trägern zahlreiche Maßnahmen entwickelt, um die Kopflosigkeit zu stoppen und die Sicherheit in Betrieben und im Straßenverkehr zu erhöhen. Weitere Informationen finden Sie unter www.risiko-raus.de.
Die Autorin ist Projektmitarbeiterin für Kampagnen beim DVR.
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