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„Vision Zero“ – Häufig gestellte Fragen


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Warum brauchen wir überhaupt eine Sicherheitsstrategie?
Die Erfolge der Verkehrssicherheitsarbeit in den letzten Jahrzehnten sind unstrittig. Dennoch sind die Zahl der Verkehrstoten und die Zahl der Verletzten nicht akzeptabel. 2014 starben 3.377 Verkehrsteilnehmer und über 389.500 wurden zum Teil schwer verletzt. Für das Jahr 2015 werden steigende Getötetenzahlen erwartet. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Straßenverkehrsunfälle beliefen sich für das Jahr 2013 auf insgesamt 32,51 Milliarden Euro. Die Personenschäden hatten hieran mit 13,42 Milliarden Euro einen Anteil von 41,3 Prozent, die Sachschäden mit 19,08 Milliarden Euro einen Anteil von 58,7 Prozent.

Der DVR will auf der Basis der bisherigen Arbeit in den Bereichen Technik, Straße und Mensch bei der Senkung der Zahl der Verkehrsopfer noch mehr erreichen. Mit den z. Zt. zur Verfügung stehenden Maßnahmen wird es allerdings ungleich schwerer sein, die Zahl der Verkehrstoten von z.B. 4.000 auf 2.000 zu bringen als in den siebziger Jahren von 20.000 auf 17.000. Die Gesellschaft muss also alle Potentiale ausschöpfen, um die o.g. Zahlen drastisch zu reduzieren. Die Vision Zero ist hierfür die geeignete Strategie: Sie gibt Ziele vor und Grundsätze für die Wege dorthin.

Betreiben wir mit unserer bisherigen Verkehrssicherheitsarbeit nicht schon „Vision Zero“?
Vision Zero bringt einen veränderten Blickwinkel in die Verkehrssicherheitsarbeit, weil im Fokus Maßnahmen stehen, die das System Straßenverkehr an den Menschen anpassen und der Forderung Rechnung tragen, dass Fehler nicht Tod oder Behinderungen zur Folge haben sollen.

Ging es bisher nicht auch immer um eine Reduktion der Zahl der Unfallopfer?
Ja. Andererseits gilt die Zahl der Verkehrsopfer als „Preis“ für Mobilität. Die Gesellschaft muss sich das Ziel setzen, Verkehrsopfer nicht hinzunehmen.

Wir wollen uns nicht damit zufrieden geben. Natürlich hatte die bisherige Verkehrssicherheitsarbeit viele Erfolge. Jetzt geht es darum, noch stärker auf die Maßnahmen zu setzen, die gezielt auf die Brennpunkte im Verkehrsgeschehen ausgerichtet sind. Diese Maßnahmen bedeuten eine verstärkte Verantwortungsübernahme von denjenigen, die für die Ausgestaltung des Systems Straßenverkehr Verantwortung tragen. Leben ist nicht verhandelbar. Vision Zero kann bedeuten, unpopuläre Entscheidungen zu treffen – um Leben zu retten (z. B. Alkoholverbot am Steuer).

Bei „Vision Zero“ wird häufig von veränderter Verteilung der Verantwortlichkeiten gesprochen. Was ist damit gemeint?
Die Verantwortungsübernahme des Menschen ist unabdingbar – sei es als Unternehmer, als Politiker oder direkt als Verkehrsteilnehmer.

  • Beispiel: Arbeitsschutz
    Der Vergleich zum Arbeitsschutz zeigt: Selbst bei gleichen technischen Maßnahmen ändert sich die Unfallsituation drastisch und positiv, wenn der Unternehmer das Thema Verkehrssicherheit zur Chefsache macht.
    Es macht einen Unterschied, ob wir sagen, dass wir die Zahl der Arbeitsunfälle reduzieren wollen oder zu erklären, dass wir Arbeitsunfälle nicht (mehr) haben wollen.

  • Beispiel: Güterverkehr
    Der Güterverkehr auf den Straßen wird weiter steigen. Die Prognosen sind eindeutig. Im Sinne von Vision Zero können wir sagen, dass, wenn das so ist, die Betreiber die Pflicht haben, alles im Sinne der Verkehrssicherheit zu tun, wenn sie das System Straßenverkehr nutzen („Verantwortungen zurück spielen“).

  • Beispiel: Verkehrsinfrastruktur
    Im Bereich der Verkehrsinfrastruktur gibt es große ungenutzte Potentiale, für deren Umsetzung Geld bereit gestellt werden muss. Das Land Rheinland-Pfalz hat als Vorreiter Mittel hierfür in den Landeshaushalt eingestellt und kann damit beispielsweise die Arbeit der Unfallkommissionen fördern und im Rahmen des Etats Unfallschwerpunkte entschärfen.

  • Beispiel: Bauliche Planung
    Wenn ein Bauträger für ein öffentliches Gebäude (z.B. Berliner Hauptbahnhof) Verantwortung übernimmt und die Sicherheit nicht „stimmt“, wird er zur Verantwortung gezogen.

  • Beispiel: Verkehrsteilnehmer
    Fast 20 Prozent der im Straßenverkehr Getöteten waren nicht angeschnallt (DVR 2010). Verkehrsteilnehmer müssen zu einer Verantwortungsübernahme gebracht werden (z. B. sich und Mitfahrer anzugurten).

  • Beispiel: Motorsport
    Nach dem Unfalltod von Ayrton Senna hat sich – wie Michael Schumacher im Rahmen einer ADAC-/FIA-Veranstaltung 2007 in Berlin erläuterte – die Formel Eins die Philosophie von Vision Zero gegeben. Auf den Rennstrecken wurden daraufhin bauliche Veränderungen vorgenommen und das Reglement angepasst. Seit dem gab es keinen tödlichen Unfall bei der Formel Eins mehr und der Motorsport wurde gefördert.

Wird durch Vision Zero Mobilität verhindert?
Vision Zero will Mobilität nachhaltig sicherer machen.

Ist Vision Zero nicht „unrealistisch“?
Nein, Vision Zero gibt die Zielrichtung vor: Keine Toten und Schwerverletzten. Und wer das (Best-)Mögliche erreichen will, muss das unmögliche Scheinende fordern. Darin besteht auch die Kraft einer Vision.

Im Grundgesetz steht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Täglich wird in Deutschland tausendfach die Würde des Menschen angetastet. Trotzdem steht da, die Würde des Menschen ist unantastbar. Und kein Mensch kommt je auf die Idee zu sagen, das ist nicht erreichbar, darum lasst uns lieber schreiben „die Würde des Menschen sollte unantastbar sein“.

Lässt Vision Zero noch Entscheidungsspielraum?
Selbstverständlich. Ein Beispiel: In vielen Häusern hängen Leitbilder. Wenn in Ihrem Leitbild steht, dass Sie auf die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter achten, ist es immer noch Ihre Entscheidung, ob Sie einen Mitarbeiter nach Hause schicken, weil er niest oder weil er mit gebrochenem Bein ankommt.
Aber: Vision Zero zwingt zur Güterabwägung!

Ist Vision Zero nicht parteipolitisch oder ideologisch einseitig?
Vision Zero ist der Sicherheit verpflichtet. Das Land NRW hat sich z.B. mit seinem Verkehrssicherheitsprogramm unter einer rot-grünen Regierung genauso für Vision Zero ausgesprochen wie unter einer schwarz-gelben. Auch Staaten mit sich unterscheidenden politischen Mehrheiten haben sich Vision Zero zu eigen gemacht.

Wie wichtig ist der politische Rückhalt bei Vision Zero?
Mit Vision Zero wird dem Thema Verkehrssicherheit eine höhere politische Bedeutung gegeben - und dem sollte das Ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wünschenswerter Weise auch entsprechen. Auch wenn das BMVI die Vision Zero bislang nicht offiziell vertritt, gibt es doch inhaltlich viele gemeinsame Ansätze in dieser Richtung, und immer häufiger äußern sich Staatssekretäre oder Bundesminister Alexander Dobrindt öffentlich positiv über die Vision Zero.

Verteuert Vision Zero die Mobilität?
Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Aber: Prävention zahlt sich aus! Denn Unfallfolgen sind ungleich teurer. Und: Leben ist nicht verhandelbar.

Warum muss es ein englischer Begriff sein?
Es geht nicht darum, ob der Begriff englisch oder deutsch ist, sondern darum, dass der Begriff Vision Zero eine bereits eingeführte und international gebräuchliche und damit international verständliche Marke ist.

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