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Pilotprojekt „Rollikids“ gestartet

Sicherheitstraining Handbike für Kinder und Jugendliche

Gruppenfoto des Handbiketrainings und Multiplikatorenworkshops mit Begleitern und Übungsleitern. (Foto > Stephan Floss)

Gruppenfoto des Handbiketrainings und Multiplikatorenworkshops mit Begleitern und Übungsleitern. (Foto > Stephan Floss)



von Sandra Demuth

Mit Helm und Warnweste sicher auf dem Handbike unterwegs. (Foto > Stephan Floss)

Mit Helm und Warnweste sicher auf dem Handbike unterwegs.
(Foto > Stephan Floss)

„Wo ist der Weltmeister, wo ist der Weltmeister?“ Sören flitzt mit seinem Rollstuhl über den Gang des Sportzentrums. Der Siebenjährige hat noch viele Fragen an Stefan Bäumann, den mehrfachen Gewinner von Welt- und Europameisterschaften und Paralympics-Teilnehmer. Die Disziplin des querschnittsgelähmten Sportlers: Handbiken. Eine Fortbewegungsart, die auch Sören ausführt und deren sicheres Beherrschen er gemeinsam mit elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim ersten „Sicherheitstraining Handbike für Kinder und Jugendliche“ vom 24. bis 29. Juli in Westerstede (Niedersachsen) erlernte.

Mobil dank Handbike

Auch das kontrollierte Befahren von Bordsteinen steht auf dem Programm. (Foto > Stephan Floss)

Auch das kontrollierte Befahren von Bordsteinen steht auf dem Programm.
(Foto > Stephan Floss)


Ein Handbike besteht aus einem Rollstuhl und einer fahrradähnlichen Antriebseinheit als Vorspann. Der Antrieb dieser Kombination aus Fahrrad und Rollstuhl erfolgt über eine Handkurbel. Mit einem solchen Handbike werden deutlich höhere Geschwindigkeiten erreicht als mit einem Rollstuhl. Deshalb nutzen Kinder und Jugendliche mit Bewegungseinschränkungen in den Beinen ein Handbike nicht nur als Sportgerät, sondern auch im Alltag und somit im Straßenverkehr. Das birgt einige Gefahren. Da sie deutlich tiefer sitzen als Fahrradfahrer, können sie von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen werden. Tragische Unfälle sind dann die Folge. Ute Herzog, Fachwartin für Kinder- und Jugendsport beim Deutschen Rollstuhlsportverband (DRS), nennt weitere Sicherheitsrisiken: „Rollstuhl fahrende Kinder sind das schnelle Tempo im Straßenverkehr noch nicht gewohnt und haben oftmals wenig Übung im öffentlichen Straßenverkehr.“ Um das zu ändern und junge Handbiker fit für den Straßenverkehr zu machen, hat sie das Pilotprojekt der Abteilung „Rollikids“ des DRS „Sicherheitstraining Handbike für Kinder und Jugendliche“ initiiert. Es wurde in Kooperation mit der Präventionskampagne „Risiko raus!“ der gesetzlichen Unfallversicherung und dem DVR durchgeführt.

Das Sicherheitstraining: Praxis und Theorie wechseln sich ab

Das Umfahren von Hindernissen will geübt sein. (Foto > Stephan Floss)
vergrößern Das Umfahren von Hindernissen will geübt sein.
(Foto > Stephan Floss)

Unterstützt wurde Ute Herzog von den erfahrenen DRS-Übungsleitern Thomas Weinsheimer und Anja Maier. Eine Woche lang schulten sie die Teilnehmer zwischen sieben und 18 Jahren im Umgang mit dem Handbike. In zahlreichen praktischen Übungen lernten die Kinder und Jugendlichen das richtige Verhalten in Alltagssituationen wie zum Beispiel das Befahren von Bordsteinkanten und Engstellen, das Ausweichen von Hindernissen und das sichere Abbiegen. Ihnen wurden die speziellen Gefahren im Straßenverkehr erklärt und sie wurden im vorausschauenden Fahren geschult. In den Theoriephasen erfuhren die Teilnehmer Nützliches über verschiedene Handbiketypen, die richtige Einstellung des Handbikes, dessen verkehrssichere Ausstattung sowie die Bedeutung von Helmen und Warnkleidung.

Teilhabe und Selbstbestimmung fängt schon im Kindesalter an

Gleichzeitig fand ein Multiplikatoren-Workshop statt, in dem ein Konzept für weitere Sicherheitstrainings entwickelt wurde. Denn in Zukunft werden immer mehr Kinder mit einem Handicap allgemeinbildende Schulen besuchen. Viele Schüler mit Bewegungseinschränkungen in den Beinen werden für den Weg zur Schule und zurück ein Handbike nutzen. Den Anstoß dafür gab das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention). Seit dem 26. März 2009 für Deutschland verbindlich, rückt es den Anspruch auf Gleichstellung, Teilhabe und Selbstbestimmung weiter in den Fokus. Dies soll schon im Kindesalter umgesetzt werden. Der Besuch spezieller Schulen grenzt behinderte Kinder aus und benachteiligt sie. Nur dort, wo behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam in eine Schule gehen, lernen sie die Stärken und Schwächen des jeweils anderen kennen und akzeptieren. So können bestehende Vorbehalte abgebaut werden.

Die Broschüre „Sicher mit dem Handbike unterwegs – Informationen für Eltern und junge Handbikerinnen und Handbiker“ kann von der Kampagnen-Homepage www.risiko-raus.de heruntergeladen oder kostenlos unter bestellung@dguv.de angefordert werden. Weitere Informationen unter www.rollikids.de.
Das Projekt ist zwar auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten, viele Ergebnisse können aber auch auf Erwachsene übertragen werden.

Während des Multiplikatoren-Workshops wurde außerdem die Broschüre „Sicher mit dem Handbike unterwegs. Informationen für Eltern und junge Handbikerinnen und Handbiker“ entwickelt. Schulungsmaterialien für Lehrer allgemeinbildender Schulen werden momentan erstellt. Durch die Beteiligung von einschlägigen Herstellern wurde auch der Bezug zur Praxis hergestellt und weitere Multiplikatoren für dieses sowie künftige Sicherheitstrainings erschlossen.

Stefan Bäumann als Botschafter der Aktion

Radrennsportler Stefan Bäumann nutzt ein Rennbike. (Foto > Stephan Floss)

Radrennsportler Stefan Bäumann nutzt ein Rennbike.
(Foto > Stephan Floss)

Als prominenter Botschafter des Sicherheitstrainings konnte der Radrennsportler Stefan Bäumann gewonnen werden. Während seines Besuches berichtete er aus seinem Trainingsalltag und von spannenden Wettkämpfen auf der ganzen Welt. Nachdem er alle Fragen der wissbegierigen Teilnehmer beantwortet hatte, begleitete er die Gruppe auf einen kleinen Ausflug. Am nächsten Tag verlegte er sogar seine Trainingseinheit auf den Sportplatz in Westerstede. So konnten Sören und die anderen Teilnehmer noch ein wenig gemeinsam mit ihm üben.

Die Autorin ist Projektleiterin Kampagnen beim DVR.


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