Mitglieder
Verkehrssicherheit: Politische Herausforderung mit hoher Priorität
DVR-Mitgliederversammlung: Arbeitsprogramm 2010 verabschiedet

Leitete die Mitgliederversammlung: DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf (M.) mit den Vize-Präsidenten Dr. Hans-Joachim Wolff (2.v.r.) und Gerhard von Bressensdorf (r.). Links DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer und DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Kellner. (Foto > DVR)
Einstimmig verabschiedeten die rund 90 anwesenden Mitglieder auf der Mitgliederversammlung des DVR in Berlin das anspruchsvolle Arbeitsprogramm für das kommende Jahr.
DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf ließ zunächst das ablaufende Jahr Revue passieren. Die Sicherheitsphilosophie „Vision Zero“ sei in der Arbeit des DVR fest verankert worden. Darüber hinaus sei es gelungen, den vom DVR geführten runden Tisch der Länder neu zu beleben und zu stärken. „Dieser Austausch zwischen den für Verkehrssicherheit Verantwortlichen aus Bund, Ländern und dem DVR ist Voraussetzung für wichtige Impulse in der Planung, Konzeption und Umsetzung von Verkehrssicherheitsmaßnahmen, die dann von allen gemeinsam getragen werden“, sagte der DVR-Präsident.
Eine wichtige Rolle wird 2010 die Unterstützung der Präventionskampagne „Risiko raus!“ der gesetzlichen Unfallversicherung spielen.
Mit Blick auf die neue politische Konstellation im Bund ging Dr. Eichendorf auf die Koalitionsvereinbarung ein. „Die in dieser Vereinbarung enthaltenen Bekenntnisse zur Notwendigkeit, die Verkehrsinfrastruktur auszubauen und zu verbessern, hören wir gerne. Auch die Feststellung, dass die Verbesserung der Verkehrssicherheit in Deutschland ein zentrales Anliegen bleiben wird, begrüßen wir.“ Der politische Wille zur Weiterentwicklung des erfolgreichen Verkehrssicherheitsprogramms, Unfallschwerpunkte zu entschärfen und modernste Fahrzeug- und Sicherheitstechniken zu fördern, seien wichtige Ansatzpunkte für die Zusammenarbeit mit dem DVR. „Hier bieten der DVR und seine Mitglieder ganz ausdrücklich ihre Mitwirkung und Unterstützung an. Der DVR als dezidierter Interessenvertreter mit seinem kompetenten Netzwerk steht zur Verfügung“, sagte der DVR-Präsident in Richtung Bundesverkehrsministerium.
Der Parlamentarische Staatssekretär im BMVBS, Dr. Andreas Scheuer, dankte dem DVR für die geleistete Arbeit: „Der DVR ist eine Triebfeder der Verkehrssicherheitsarbeit und hat diese nationale Aufgabe gut im Griff. Der DVR ist uns ans Herz gewachsen und wir wollen gemeinsam die erfolgreiche Arbeit weiterentwickeln. Verkehrssicherheit ist ein hohes Gut und deshalb werden wir die Höhe der Haushaltsansätze für das kommende Jahr beibehalten.“ Der positive Trend rückläufiger Zahlen bei den im Straßenverkehr Getöteten und Verletzten müsse sich fortsetzen. „Unser Ziel ist es, weitere Fortschritte zu erreichen hin zur ’Vision Zero’. Ich kann diese Vision als ein ambitioniertes Leitbild der Verbandsarbeit nur unterstützen“, postulierte der Staatssekretär. Verkehrssicherheit müsse wieder eine prominente Rolle spielen. „Wir brauchen neue Konzepte, wie wir unsere Mobilität sicher organisieren. Bei dieser Aufgabe setze ich auf die gute Zusammenarbeit mit dem DVR“, sagte Dr. Scheuer.
„Weil Gott ein Freund des Lebens ist“
Kirchengemeinden organisieren Sicherheitstraining für junge Fahrer

Richtiges Sitzen fördert sicheres Fahren: Trainer Ralph Schincke zeigt, wie es geht. (Foto > AMP)
Erstmalig haben die Evangelischen Kirchengemeinden und die Freiwilligen Feuerwehren in Heftrich und Bermbach (Hessen) ein Verkehrssicherheits- und Eco-Training angeboten. Zielgruppe waren ausschließlich junge Fahrer, eine Gruppe, die durch ihr hohes Unfallrisiko auffällt. Das Training fand unter dem Motto „Freunde des Lebens“ im Verkehrssicherheitszentrum der Hessischen Polizei in Hünstetten statt.
„Weil Gott ein Freund des Lebens ist, wollen wir als Kirchengemeinde junge Menschen dazu ermuntern, verantwortlich mit ihrem Leben umzugehen“, erläutert Pfarrer Eisele die Idee zu dieser Aktion. „Jeder Unfall, bei dem Menschen verletzt werden oder sterben, ist ein Unfall zu viel“, ergänzen Stefan Hies und Lars Wendland von den Heftricher und Bermbacher Freiwilligen Feuerwehren. Mit der Aktion wollen die Veranstalter einen Beitrag zu einem umweltbewussten und sicheren Fahren leisten.
Alle Gemeindemitglieder zwischen 20 und 25 Jahren wurden persönlich angeschrieben und zu dem Event eingeladen. Durch die finanzielle Unterstützung durch Unfallkassen und Berufsgenossenschaften, des Autohauses Schneider (Idstein) und der Fraport AG konnte der Teilnehmerbeitrag mit 50 Euro erfreulich niedrig gehalten werden.
Die DVR-Trainer Ralph Schincke und Henning Swirski leiteten das spezielle Kombitraining, das zurzeit vom DVR entwickelt und evaluiert wird: Pkw-Coaching heißt das neue Angebot, mit dem eine didaktische und zielführende Verbindung zwischen Sicherheitstrainingselementen und Eco-Training geschaffen wird.
Zwar geht es den Trainern auch darum, dass die Teilnehmer schwierige Fahr- und Sozialsituationen kennen lernen. Der Schwerpunkt liegt jedoch in der Entwicklung einer sicherheitsorientierten Fahrweise. Anders gesagt: Stets sicher ankommen wollen, darauf kommt es an. Um dies möglichst praxisnah zu vermitteln, standen neben den Übungen auf dem Gelände des Verkehrssicherheitszentrums auch Fahrten im realen Straßenverkehr und Aspekte der Verkehrssicherheit der Fahrzeuge auf dem Programm.

Die Teilnehmer waren begeistert. Durch praktische Übungen konnten sie neue Erkenntnisse gewinnen. Sie lernten, dass vorausschauendes Fahren nicht nur zu einem Sicherheitsgewinn führt, sondern auch eine Menge Kraftstoff spart. Für Pfarrer Markus Eisele war auch dieser Aspekt wichtig: Verantwortungsvoller Umgang mit der Schöpfung und dem eigenen Leben – hier liegt für ihn die Motivation für das Engagement seiner Kirchengemeinde auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit.
Fahrsicherheitsangebote für junge Auszubildende

Unter dem Motto „Zeig Profil: Sicher hat Vorfahrt“ aktiviert die Aktion „WORK&DRIVE“ Ausbilder und Inhaber von klein- und mittelständischen Unternehmen, sich mit ihren Auszubildenden und dem Thema Verkehrssicherheit auseinanderzusetzen. Dazu startete das Pilotprojekt im Januar 2009 unter anderem im Fahrsicherheitszentrum Lüneburg mit speziellen Seminar- und Trainingsangeboten für Ausbilder. Ein spezielles Fahrtraining für junge Auszubildende bildete den Abschluss für das Jahr 2009. Insgesamt 120 junge Fahrerinnen und Fahrer aus der Region erlebten ein umfangreiches und lehrreiches Fahrsicherheitstraining, das speziell auf ihre Altersgruppe zugeschnitten ist.
Der DVR, die gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben „WORK&DRIVE“ ins Leben gerufen und die Pilotphase in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade durchgeführt. Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, die Unfallzahlen von jungen Fahrern zu senken, diese Altersgruppe nachhaltig für das Thema „sicheres Fahren“ zu sensibilisieren und sie über zusätzliche Möglichkeiten der Fahrausbildung zu informieren.

„WORK&DRIVE“: Abschluss-Event 2009 für Auszubildende in Lüneburg. (Foto > P.AD.)
Für die Zielgruppe der jungen Fahrerinnen und Fahrer von 18 bis einschließlich 24 Jahren wurde eigens eine Trainingsabfolge zusammengestellt, die sich optimal an deren Bedürfnissen und Erfahrungen orientiert. Hier werden kritische Fahr- und Sozialsituationen simuliert, die den Teilnehmern erlauben, selbst zu erfahren, was in diesen Situationen passiert und vor allem wie sie sich zukünftig angemessen und sicher verhalten können. Unter der Anleitung von erfahrenen Trainern werden die Reaktionen geübt und in der Gruppe ausgewertet.
Das Projekt wurde in allen Phasen evaluiert, sei es mit Befragungen oder begleitendem Monitoring. Eine erste Zwischenauswertung hat bereits gezeigt, dass sich klein- und mittelständische Unternehmen mit dieser Form der Kommunikation und Ansprache motivieren ließen, sich mit den Fahrkompetenzen ihrer jungen Mitarbeiter oder Schüler praktisch auseinanderzusetzen. Insgesamt meldeten sich 115 Ausbilder, Inhaber und Lehrer für die angebotenen Workshops an und vertraten damit 2,6 Prozent der Ausbildungsbetriebe der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Die 60 für die Workshops ausgelosten Ausbilder repräsentierten mit knapp 1.000 Auszubildenden rund neun Prozent der Auszubildenden der Handwerkskammer. Die Zusammensetzung der Workshops zeigte eine Mischung von Betrieben mit einem Auszubildenden bis hin zu Ausbildungsstätten mit 168 jungen Leuten.
Mit Billy für die Verkehrssicherheit

Ständig im Einsatz: der DVR-Fahrsimulator. (Foto > GWM)
Dichter Nebel liegt über der Landstraße. Vorsichtig tastet sich der Fahrer in seinem Dienstwagen durch die Nebelsuppe. Er sucht den Schalter für die Nebelschlussleuchte, findet ihn nicht – und hält entnervt mitten auf der Fahrbahn an. „Was war denn nun los? Da kann Ihnen aber leicht einer hinten drauf fahren“, sagt Moderator Jörg Paulsen und unterbricht das Programm. Denn glücklicherweise war es nur eine Simulatorfahrt, bei der der Mitarbeiter der Siemens AG in diese gefährliche Situation geraten war.

Die Fahrt auf dem Fahrsimulator des DVR war Teil einer Verkehrssicherheitsaktion, die in unterschiedlicher Ausprägung in insgesamt acht Niederlassungen der Siemens AG in den Regionen Hanse und Mitte stattfand. Neben Fahren bei herbstlichen und winterlichen Bedingungen standen weitere Fahrsituationen auf dem Programm.
Begonnen hatte die Aktion bereits im November des Vorjahres. Mithilfe des bei Siemens gut bekannten Sicherheits-Maskottchens „Billy“ wurden die Mitarbeiter in mehreren Rundschreiben angesprochen. Unter Bezug auf die jeweilige Jahreszeit wurden Fußgängern, Rad- und Autofahrern wichtige Tipps für Dienstfahrten und den sicheren Arbeitsweg gegeben. Frank Focke, Leiter des Arbeitsschutzes, betonte die Wichtigkeit der Aktion: „Die Größe der Regionen Hanse und Mitte führt dazu, dass die Mitarbeiter viel fahren müssen. Der gefährlichste Arbeitsplatz für die Mitarbeiter ist die Straße, deshalb ist es notwendig, sie im Bereich der Verkehrssicherheit zu schulen.“

Neben dem Fahrsimulator gab es weitere Stationen, an denen sich die Mitarbeiter intensiv mit Themen der Verkehrssicherheit beschäftigten: An der Station „Risikowahrnehmung“ wurde anhand von Experimenten deutlich, dass Zeitdruck und Ablenkung die Aufnahme- und Leistungsfähigkeit merklich beeinträchtigen. An der Station Ladungssicherung erarbeitete der Moderator mit den Teilnehmern Möglichkeiten der Ladungssicherung im Pkw und in Kombi- Fahrzeugen. Dass ungesicherte Gegenstände bei einem Unfall mit dem Dreißig- bis Fünfzigfachen ihres Gewichts zum tödlichen Geschoss werden können, war den meisten bis dahin unbekannt. Am Standort Hannover wurde zusätzlich für die Auszubildenden das Programm „Alles im Griff?“ durchgeführt.
Die Verkehrssicherheits-Aktion war in enger Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und dem DVR entwickelt und vorbereitet worden.
Insgesamt haben über 800 Mitarbeiter an den Schulungen teilgenommen. Frank Focke zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf und dem erzielten Resultat: „Wir haben mit dieser Aktion viele Mitarbeiter erreicht und viel positives Feedback bekommen.“
