Interview
„Der Straßenverkehr erlaubt keinen Novizenstatus“
Der Psychologe Professor Dr. Malte Mienert über die Risiken junger Fahrer, Modelle zur Reduktion der Unfallzahlen und gesellschaftliche Verantwortung für den Nachwuchs am Steuer
DVR-report:
Herr Professor Mienert,
Ihr Lehrstuhl beschäftigt sich zurzeit
mit der Verkehrssicherheit junger
Menschen ...
Prof. Mienert:
Das tun wir. Wir bereiten
gerade gemeinsam mit der
Deutschen Hochschule der Polizei
und dem baden-württembergischen
Innenministerium eine große Studie
vor, mit der wir die verkehrs- und
risikobezogene Einstellung von
Jugendlichen weit vor dem Führerschein
beobachten wollen. Wir wissen,
dass Kinder feste Überzeugungen
davon haben, wie sie sich und
das Auto sehen, und zwar aus einer
unterlegenen Position heraus. Sie sagen
sich: „Ich bin klein, ich habe nur
das Fahrrad, die Autos nehmen mir
meine Spielplätze weg.“ Und wenn
man sie dann fragt, wie es später
sein wird, wollen sie alle ab 17 Auto
fahren. Und jetzt wird es interessant.
Woher kommen diese Einstellungen?
Wir starten die ersten Befragungen
in Baden-Württemberg und NRW mit
Jugendlichen im Alter von 14 Jahren,
später befragen wir dann in ganz
Deutschland 15- und 16-Jährige. Dieses
Forschungsprojekt nennen wir La
Wida (Längsschnittliche Wege in der
Automobilität). Wir wollen herausfinden,
mit welchen Einstellungen die
Jugendlichen in die Automobilität
hineinwachsen.
DVR-report:
Im Jahr 2007 sind 971
junge Fahrerinnen und Fahrer im Straßenverkehr
ums Leben gekommen,
insgesamt sind über 87.000 verunglückt.
Warum ist das Unfallrisiko für
die 18- bis 24-jährigen Fahrer besonders
hoch?
Prof. Mienert:
Neben der Tatsache,
dass wir zurzeit Rückgänge bei den
Unfallzahlen haben, bietet die aktuelle
Statistik immer noch genug
Anlass zur Sorge, gerade bei den 15-
bis 17-Jährigen. Hier ist ein leichter
Anstieg festzustellen.
Das Unfallrisiko junger Fahrerinnen
und Fahrer möchte ich in drei Risikofaktoren
unterteilen. Zum einen gibt
es ein spezifisches personenbezogenes
Risikoverhalten, eine bewusste,
risikoreiche verkehrsbezogene Einstellung.
Solche Personen sehen
den Straßenverkehr gerne als Nervenkitzel
und zusätzlichen Erlebnisgewinn.
Verkehrsregeln werden als
nicht besonders wichtig angesehen.
Das ist allerdings nicht besonders
jugendtypisch. Bei bestimmten
Gruppen von Autofahrern bestimmt
dieses Verhalten ihren gesamten Lebensverlauf.
Zum Zweiten gibt es das Anfängerrisiko.
Dieses Risiko tragen alle Neulinge,
ob sie 18 Jahre alt sind, 40 oder
60. Das Anfängerrisiko wird bestimmt
von einer aktuellen Überforderung
im Straßenverkehr, bezogen etwa
auf die Einschätzung von Verkehrssituationen
und auf das Handling des
Fahrzeugs.
Zum Dritten sind junge Fahrerinnen
und Fahrer gefährdet, weil sie in jugendtypische
Fahrsituationen geraten.
Hier denke ich insbesondere an
Nachtfahrten, Wochenendfahrten,
Gruppenfahrten, Fahrten von einer
Disco zur anderen, Fahren unter
Einfluss von Alkohol und Drogen.
Aus diesen Situationen ergibt sich
häufig eine besonders risikoreiche
Gruppendynamik.
Zur Person: Professor Dr. Malte MienertProfessor Dr. Malte Mienert, geboren 1975 in Görlitz, ist seit Oktober 2004 Juniorprofessor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie am Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen. Hier leitet er die Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie im Institut für Psychologie und Transfer (InPuT). Von 1994 bis 1999 studierte Mienert an der Humboldt-Universität Berlin Psychologie und Medizin. Bis 2004 arbeitete er am dortigen Lehrstuhl Entwicklungspsychologie als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. 2002 promovierte der Wissenschaftler. Seine Dissertation entstand im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit einem Partner der Fahrzeugindustrie und beschäftigte sich mit Risikoverhaltensweisen jugendlicher Autofahrer und der Funktion des Führerscheins für heranwachsende im Übergang in das Erwachsenenalter. Für seine Lehrtätigkeit erhielt Mienert 2007 den „Berninghausen-Preis für ausgezeichnete Lehre und ihre Innovation“. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Forschung liegen in der Untersuchung von Selbstverständnis und Selbstreflexion von Pädagogen, der Erfassung individueller Werthaltungen sowie den Möglichkeiten der Erfassung und Förderung interkultureller Kompetenz bei heranwachsenden und Erwachsenen. In diesem Jahr hat der Psychologe ein neues Buch veröffentlicht. Unter dem Titel „Total diffus – Erwachsenwerden in der jugendlichen Gesellschaft“ (erschienen im Verlag für Sozialwissenschaften) analysiert er die psychologischen und gesellschaftlichen Besonderheiten des Heranwachsens in der heutigen Zeit. |
DVR-report:
Sehen Sie darüber hinaus
noch weitere Risikofaktoren, die
entwicklungspsychologisch auf das
Jugendalter zurückzuführen sind?
Prof. Mienert:
Aus der Sicht der
Entwicklungspsychologie ist das
Jugendalter tatsächlich eine sehr
interessante Zeit. Sie ist die Zeit
des Übergangs und der Bewährung.
Der Übergang in die Erwachsenengesellschaft
ist verbunden mit den
gesamten Anforderungen an das
Erwachsenwerden. Der Straßenverkehr
bildet da keine Ausnahme. In
allen Lebensbereichen, in denen die
Jugendlichen in das Erwachsenenalter
hinübergehen, wird ihnen zunächst
ein gewisser Novizenstatus
zugestanden. Sie dürfen sich ausprobieren
was ihre Partnerschaften,
Freundschaften, Lebensziele und
ihr Freizeitverhalten betrifft. Dieses
Ausprobieren akzeptieren die Erwachsenen
in der Regel großzügig.
Doch der Straßenverkehr gestattet
den typischen Novizenstatus nicht.
In dem Moment, in dem Jugendliche
am Straßenverkehr teilnehmen,
sind sie gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer.
Wahrscheinlich ist es für
viele Jugendliche ein Problem, hier
eine Trennung hinzubekommen. In
anderen Lebensbereichen gehört
das Übertreten der Regeln in gewisser
Weise zum Erwachsenwerden, im
Straßenverkehr kann dies selbstverständlich
nicht erlaubt werden.
DVR-report:
Gibt es Erkenntnisse
darüber, wie viele der 18- bis 24-jährigen
Fahrerinnen und Fahrer besonders
gefährdet sind?
Prof. Mienert:
In der Forschungsliteratur
finden sich Angaben über
15 bis 50 Prozent der Jugendlichen.
Ich persönlich halte die 50 Prozent
für zu hoch gegriffen. Wir gehen bei
unseren Untersuchungen von etwa
15 bis 17 Prozent von Jugendlichen
aus, die im Straßenverkehr aufgrund
ihrer risikobezogenen Einstellungen
im Zusammenhang mit ihrem Anfängerrisiko
besonders gefährdet sind.
DVR-report:
Seit 2004 gibt es in der
Mehrzahl der Bundesländer das Fortbildungsseminar
für Fahranfänger,
die so genannte zweite Phase. Hier
sollen Fahranfänger sechs Monate
nach Erteilung der Fahrerlaubnis ihre
ersten Fahrerfahrungen reflektieren.
In einigen europäischen Ländern
wie Österreich und Finnland ist die
Maßnahme obligatorisch und sehr
erfolgreich. Wie bewerten Sie diese
Maßnahme?
Prof. Mienert:
Ich bin ein ausgesprochener
Freund dieser zweiten Phase,
weil sie eine der wenigen Maßnahmen
ist, die sich an den verkehrsbezogenen
Risikoeinstellungen der
Jugendlichen orientiert und ihnen
die Chance gibt, diese Einstellungen
zu reflektieren. Die Jugendlichen
haben Fahrerfahrungen gemacht,
reden also nicht mehr über Theoretisches
oder über ihre Erlebnisse
als Beifahrer. Außerdem können sie
in einer Gruppe mit Gleichaltrigen
Erfahrungen austauschen und über
Situationen reden, in die sie geraten
sind und darüber, wie sie sich dabei
gefühlt haben.
DVR-report:
Das zweite Modell, das
begleitete Fahren ab 17, wird mittlerweile
in ganz Deutschland umgesetzt.
Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Prof. Mienert:
Im Gegensatz zur
zweiten Phase der Fahrausbildung
setzt das begleitete Fahren beim Anfängerrisiko
an. Das finde ich ebenfalls
sehr sinnvoll. Den Jugendlichen
wird eine Verlängerung der Fahrausbildung
geboten, sie können vieles
ausprobieren, sind dabei aber in
sicherer Begleitung. Die Unfallzahlen
zeigen auch einen Rückgang der
Unfälle um etwa ein Drittel, zumindest
in Niedersachsen. Ich bezweifle
aber, ob das begleitete Fahren das
Jugendlichkeitsrisiko dann positiv
beeinflusst, wenn Jugendliche das
Autofahren als eine Möglichkeit der
Selbstbeweisung, der Selbstdarstellung
und des aggressiven Handelns
verstehen. Solche Jugendlichen beteiligen
sich wahrscheinlich auch
nicht an diesem Modell, sie warten
lieber, bis sie 18 sind und fahren dann
so, wie sie wollen.
DVR-report:
Dann werden also mit
diesem Modell die besonders risikobehafteten
Jugendlichen gar nicht
erreicht?
Prof. Mienert:
Ja, genau das ist meine
Vermutung. Es wird wahrscheinlich
eine ausgesuchte Gruppe von
Jugendlichen sein, die das begleitete
Fahren ab 17 wählt, und zwar eine
Gruppe, die ohnehin keine oder nur
sehr gering risikoreiche Einstellungen
mit sich bringt. Es ist zu vermuten,
dass sich viele hochrisikoreiche
Fahrer nicht für das begleitete Fahren
entscheiden. Dennoch finde ich
es sehr sinnvoll, die Fahrausbildung
zu verlängern und die Möglichkeiten
für die Jugendlichen zu schaffen,
langsam und unter Begleitung
in den automobilen Straßenverkehr
hineinzuwachsen.
DVR-report:
Können Fahrsicherheitstrainings
ihren Beitrag dazu leisten,
das Unfallrisiko junger Fahrerinnen
und Fahrer zu reduzieren?
Prof. Mienert:
Es gibt sicher Menschen,
die an Fahrsicherheitstrainings
teilgenommen haben und berichten,
dass es ihnen viel geholfen
hat, indem sie tatsächlich mal eine
Vollbremsung machen konnten und
so erfahren haben, wie ihr Fahrzeug
dabei reagiert hat. Ein Sicherheitstraining
könnte bei hochrisikoreichen
Fahranfängern aber auch den
in der Psychologie bekannten Effekt
der subjektiven Sicherheit nach sich
ziehen. Diese Personen könnten
danach das Gefühl haben, alles im
Griff zu haben, was bewirken würde,
dass sie anschließend risikoreicher
fahren als vorher. Das Gefühl der
subjektiven Sicherheit stimmt dann
nicht überein mit den objektiven Fähigkeiten
eines jungen Menschen in
diesem Altersabschnitt. Es kommt
wohl immer darauf an, wie gut und
psychologisch anspruchsvoll solche
Sicherheitstrainings durchgeführt
werden. Skeptisch macht mich auch
die Tatsache, dass Jugendliche bei
Untersuchungen als administrative
Einschränkung einem psychologischen
Test zugestimmt haben, und
an zweiter Stelle auch einem Sicherheitstraining.
Das erlaubt den Hinweis,
dass Jugendliche ein Sicherheitstraining
nicht wirklich als eine
Auflage oder als eine Einschränkung
empfinden – das machen sie alle gerne.

Foto > S. Rademacher
DVR-report:
Wie stehen Sie zu einer
gesetzlichen Kennzeichnungspflicht
für Fahrzeuge von Fahranfängern?
Prof. Mienert:
Davon halte ich sehr
viel. Wir haben junge Fahrer befragt,
welche Einschränkungen sie im
Zusammenhang mit ihrem Führerscheinerwerb
zu tragen bereit sind.
Wir wollten herausfinden, was die
normalen und unauffälligen Fahrer
akzeptieren und was die potenziellen
Risikofahrer auf keinen Fall akzeptieren
würden. Das Kennzeichen
für Fahranfänger war die Maßnahme,
die wirklich am stärksten zwischen
den Gruppen unterschieden hat.
Alle würden es akzeptieren, nur
nicht die potenziellen Risikofahrer.
Und damit wird auch die psychische
Funktion des Führerscheins deutlich.
Der Besitz des Führerscheins ist Teil
eines Initiationsritus in unserer Kultur,
ihn zu haben ist Ausdruck eines
bestimmten Status, ebenfalls ein
Fahrzeug mit einer gewissen symbolischen
Statusfunktion zu besitzen.
Menschen, denen sehr viel an
diesem Statusgewinn liegt, wollen
es nicht akzeptieren, dass an diesen
Statussymbolen gekratzt wird. Ich
empfehle es daher sehr, Fahrzeuge
von Fahranfängern entsprechend
zu kennzeichnen, allerdings nicht
nur die Fahrzeuge der jungen Fahrer,
sondern generell die Autos aller
Fahranfänger.
DVR-report:
Sind elektronische Fahrerassistenzsysteme
aus Ihrer Sicht
hilfreich für die Fahranfänger oder
sollten diese erst einmal lernen, das
Fahrzeug ohne die elektronischen
Helfer zu beherrschen?
Prof. Mienert:
Heutzutage gibt es
kaum noch ein Fahrzeug ohne ABS.
Auch die Fahrschulautos sind in der
Regel sehr gut ausgerüstet. Das erste
eigene Fahrzeug der Jugendlichen ist
jedoch meistens eine „Möhre“. Die
meisten jungen Leute müssen also
von einem gut ausgestatteten Fahrzeug
auf ein relativ schlecht ausgerüstetes
Auto umsteigen. Schon das
würde dafür sprechen, die Fahrausbildung
nicht mit so vielen Assistenzsystemen
durchzuführen.
Andererseits gilt auch für Fahranfänger,
dass die Verantwortung immer
beim Fahrer bleiben muss. Das muss
den jungen Fahrern von Anfang an bewusst
sein. Den jungen Fahrern muss
immer wieder deutlich gemacht werden,
dass Fahrerassistenzsysteme
eine zusätzliche Unterstützung bei
ihrer Sicherheit sind, ihnen aber das
Fahren nicht abnehmen. Fahren ist
Handwerk, und ich finde, ein Handwerk
muss gelernt werden. Ich gönne
jedem ein Unterstützungssystem,
aber er muss im Zweifelsfall auch in
der Lage sein, sich über die Systeme
hinwegzusetzen. Insofern wäre
ich dafür: Lernt bitteschön erst mal
richtig zu fahren.
DVR-report:
Wie schätzen Sie die
Wirksamkeit von öffentlichkeitswirksamen
Kampagnen wie zum Beispiel
„Hast du die Größe? Fahr mit Verantwortung“
des DVR, unterstützt vom
Bundesverkehrsministerium sowie
den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern
ein?
Prof. Mienert:
Die Kampagne ist
sehr präsent. Die Plakate sind bekannt,
sie bleiben im Gedächtnis
haften. Aber: Erreicht die Kampagne
die beabsichtigten Effekte? Eine PR-Kampagne
hat immer das Problem
des Gießkannenprinzips. Manchmal
ist es schwierig, die eigentliche Zielgruppe
zu erreichen. Speziell bei den
Jugendlichen denke ich, dass wir sie
teilweise überschätzen. Ist ihnen
immer klar, dass sie gemeint sind?
Welche konkreten Verhaltensweisen
wünschen wir uns denn von ihnen?
Ich sehe da mitunter einen erhobenen
pädagogischen Zeigefinger. Ich
muss dann auch sagen, was ich von
dem Verhalten der jungen Fahrer
erwarte und nicht nur, welches Verhalten
sie nicht zeigen sollen. Zum
Beispiel: Wie könnten sie besonnen
und sicher Auto fahren und trotzdem
cool sein?
Bisher dominiert das Prinzip der Bestrafung
bei Fehlverhalten. Ich bin
für alle Initiativen dankbar, bei denen
gleichzeitig auch gewünschtes
Fahrverhalten belohnt wird.
DVR-report:
Was kann oder muss
aus Ihrer Sicht noch getan werden,
damit weniger junge Menschen auf
unseren Straßen verunglücken?
Prof. Mienert:
Der Druck, der die
Jugendlichen heutzutage in die
Automobilität hineinzwingt, ist sehr
groß. Wir müssen ihnen zeigen, dass
wir sie dabei nicht allein lassen.
Außerdem werden wir nicht umhinkommen,
den Autoverkehr restriktiver
denn je zu machen. Die Diskussion
über das Tempolimit zeigt, wie
schwierig diese Diskussion sein wird,
bloß sollten wir sie nicht scheuen.
Dabei geht es nicht darum, das Auto
zu verteufeln. Es ist ein etablierter
Bestandteil unserer Gesellschaft,
aber es muss mehr denn je darauf
hingearbeitet werden, einen sinnvollen
Fahrzeugmix hinzubekommen
und das Auto nicht für jeden Weg zu
benutzen. Intelligente Mobilität ist
das Stichwort.

Foto > S. Rademacher
DVR-report:
Wird dem Thema Verkehrserziehung
in den Schulen ausreichend
Beachtung geschenkt?
Prof. Mienert:
Es wird immer eine große
Last auf die Schulen gepackt. Es
ist leicht gesagt, sie sollen die Kinder
und Jugendlichen auf alles vorbereiten.
Die Schule allein kann das aber
nicht leisten. Das berührt wieder den
Punkt der gesamtgesellschaftlichen
Verantwortung. Das gilt auch für das
Thema Verkehrserziehung.
In der Primarstufe ist Verkehrserziehung
sehr präsent. In den Sekundarstufen
sieht es dann schon sehr differenziert
aus. Vor den Lehrkräften,
die Verkehrserziehung in ihren Unterricht
integrieren, habe ich höchsten
Respekt. Aber das Thema Verkehrssicherheit
muss darüber hinaus auch
in den Ausbildungseinrichtungen, in
den Familien und der öffentlichen
Debatte vorkommen.
Wenn in unserer Gesellschaft der
Stellenwert des Autos und des Fahrens
so hoch ist, dann tun mir die
Verkehrslehrer leid, die immer wieder
die Spielverderber sein müssen.
DVR-report:
Stichworte „gesamtgesellschaftliche
Aufgabe“ oder „Verantwortung“.
Was raten Sie Eltern
von Heranwachsenden?
Prof. Mienert:
Das Jugendalter ist generell
eine schwierige Phase der Ablösung
vom Elternhaus. Wir müssen
uns genau ansehen, welche Funktion
die Automobilität von Kindern und
Jugendlichen in den Familien hat.
Kinder lernen früh, dass das Auto
ein relativ sicheres Verkehrsmittel
ist und verlieren gleichzeitig, da sie
dauernd befördert werden, den Kontakt
zur Realität im Straßenverkehr.
Eine Verkettung zweier Umstände:
Weil der Straßenverkehr so gefährlich
ist, kannst du den Weg nicht
allein meistern. Deswegen muss ich
dich zu deinem Training oder zur Musikschule
fahren.
Es ist wichtig, die Kinder und Jugendlichen
an die Verkehrswelt heranzuführen.
Sie bei entsprechendem Alter
auch Wege allein zurücklegen lassen,
sie fit zu machen für das Fahrrad oder
den ÖPNV.
Dazu gehört natürlich auch, das eigene
Verkehrsverhalten zu reflektieren.
Welchen Eindruck hinterlasse ich bei
meinen Kindern und welchen Stellenwert
hat das Auto?
Darüber hinaus ist es für die Eltern
wichtig, Ansprechpartner zu bleiben
in guten wie in schlechten Zeiten.
Interview und Fotos:
Sven Rademacher










