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Müdigkeit am Steuer kann jeden treffen

DVR startete neue Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf“

Von Anna-Sophie Börries

Brennende Augenlider, häufiges Gähnen und unwillkürliches Frösteln gehören zu den klassischen Anzeichen für Müdigkeit. Jede Autofahrerin und jeder Autofahrer ist potenziell der Gefahr des Sekundenschlafes ausgesetzt. Daher startete der DVR mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie weiterer Partner die Aufklärungskampagne „Vorsicht Sekundenschlaf! Die Aktion gegen Müdigkeit am Steuer.“

Zum Auftakt fand am 9. Dezember ein bundesweiter Aktionstag an elf Autobahnraststätten statt. Autofahrende erhielten ein „Erste-Hilfe-Set gegen Müdigkeit am Steuer“ mit Tipps, wie Müdigkeit vermieden oder bekämpft werden kann, einer Schlafbrille für den Kurzschlaf und Bewegungshinweisen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, begleitete diese Aktion an der Raststätte Aurach Süd in der Nähe von Nürnberg.

Ziel der Kampagne ist es, auf die Gefahr von Müdigkeit am Steuer aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass langfristig vor allem das Sicherstellen eines gesunden Wechsels von Schlaf- und Wachzeiten und akut vor allem eine Pause mit einem Kurzschlaf oder etwas Bewegung dagegen helfen. „Dadurch wollen wir die Sensibilität für den Zusammenhang zwischen Müdigkeit und Sekundenschlaf im Straßenverkehr schärfen, um die Anzahl der durch Sekundenschlaf verursachten schweren Verkehrsunfälle zu reduzieren“, erklärt DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer.

Müdigkeit am Steuer ähnlich gefährlich wie Alkohol

Müdigkeit wirkt beim Autofahren ähnlich wie Alkohol. Schon 17 Stunden ohne Schlaf beeinträchtigen das Reaktionsvermögen wie 0,5 Promille Alkohol im Blut, 22 schlaflose Stunden wirken schon wie 1,0 Promille. Bei müden Fahrern und Fahrerinnen lässt die Konzentrationsfähigkeit nach, sodass die aktuelle Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecken und künftige Entfernungen falsch eingeschätzt werden. „Wer kurz einnickt, legt binnen drei Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h über 80 Meter im Blindflug zurück. In dieser kurzen Zeit kann ein schwerer Unfall verursacht und Menschenleben gefährdet werden“, so Hammer. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Sekundenschlaf steigt beispielsweise nach einem langen Zeitraum ohne Schlaf, in den frühen Morgenstunden zwischen vier und sieben Uhr und in monotonen Situationen wie etwa auf der Autobahn.

Eine weitverbreitete und dennoch unterschätzte Gefahr

Der DVR führte mittels des Meinungsforschungs­instituts TNS-Emnid im Rahmen der Kampagne eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Autofahrerinnen und Autofahrern durch. Rund 20 Prozent der Befragten sind schon einmal am Steuer eingeschlafen (Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen). Weitere sechs Prozent sind schon häufiger beim Autofahren eingenickt. Trotzdem unterschätzen immer noch viele dieses Risiko: 43 Prozent der Befragten sind überzeugt, den Zeitpunkt des Einschlafens sicher vorhersehen zu können, 45 Prozent glauben, Müdigkeit durch ihre Erfahrung ausgleichen zu können und 17 Prozent fahren trotz ihrer Müdigkeit einfach weiter. Doch weder durch reine Willenskraft noch durch umfassende Erfahrung kann das Einschlafen ab einem bestimmten Punkt hinter dem Steuer verhindert werden.

Viele der Befragten setzen bei Müdigkeit auf vermeintliche Tricks: Sie glauben mit frischer Luft aus dem offenen Fenster (60 Prozent), Kaffee oder Energydrinks (38 Prozent) oder lauter Musik aus dem Radio (30 Prozent) ihre Müdigkeit besiegen zu können. Das ist nicht nur falsch, sondern gefährlich, denn das Einzige, was im Kampf gegen akute Müdigkeit wirklich hilft, ist eine Pause mit einem Kurzschlaf von zehn bis 20, maximal 30 Minuten oder etwas Bewegung an der frischen Luft. „Wer längere Fahrten vor sich hat, sollte daher ausreichend Zeit für Pausen einplanen. Wer dennoch müde wird, sollte einen Parkplatz ansteuern, die Rückenlehne zurückstellen und einige Minuten schlafen. Bewegung an der frischen Luft kurbelt den Kreislauf wieder an und sorgt zumindest für eine gewisse Zeit dafür, wieder munterer zu sein“, ergänzt Hammer.

Trotzdem wird selten eine Pause gemacht: 54 Prozent legen erst nach drei bis vier Stunden oder sogar längerer Zeit hinter dem Steuer eine Rast ein. Dabei sollten Pausen grundsätzlich alle zwei Stunden und speziell bei ersten Anzeichen von Müdigkeit erfolgen.

Die Kampagne soll 2017 mit zielgruppenspezifischen Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit fortgeführt werden. Weitere Informationen unter
www.dvr.de/vorsicht-sekundenschlaf.

Die Autorin ist Referatsleiterin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit Initiativen/Veranstaltungen beim DVR.
asboerries@dvr.de

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